Schon vor Jahresfrist hatten Kommandant Edgar Bader und sein Stellvertreter Hermann Dimmeler angekündigt, bei den nächsten Wahlen nicht mehr zu kandidieren, weil sie beruflich zu eingespannt seien. 15 Jahre lang hatten sie gemeinsam die Feuerwehr Hagnau geführt. Dimmeler, der zuvor selbst fünf Jahre Kommandant gewesen war, leitete die Proben und viele Einsätze, Bader vertrat die Wehr nach außen und kümmerte sich besonders um die Jugend. Nun erzählen sie gemeinsam über ihre schönen und nicht so schönen Momente.

Beide loben die gute Stimmung in der Mannschaft. "Die Kameradschaft war immer genial", betont Bader. Dimmeler ergänzt: "Man kann sich auf jeden in der Feuerwehr bedingungslos verlassen. Wenn es drauf ankommt, ist jeder für die anderen da. Und wir haben wunderbare Ausflüge gemacht und Feste gefeiert." Dimmeler erinnert sich auch an seine eigene Kommandantenzeit. "Damals hat mir mein Vor-Vorgänger Kurt Ehrlinspiel viele Tipps gegeben. Das hat mir am Anfang sehr geholfen."

"Autounfälle sind am schlimmsten"

Für Bader waren "meine sieben Jahre als Kreisjugendwart sehr schön". In diese Zeit fallen viele Zeltlager und mit ihnen unvergessliche Erlebnisse. "Einmal hat es sogar gebrannt. Da ist uns nachts das ganze Küchenzelt abgebrannt. Die Kinder haben davon gar nichts gemerkt, denn bis zum nächsten Morgen haben wir sogar eine neue Feldküche besorgt."

Hermann Dimmeler gefallen einige Vorschriften gar nicht. "Dass wir als Freiwillige genaue rechtliche Vorgaben einhalten müssen, finde ich schwierig. Ansonsten werden wir verantwortlich gemacht."

Das Schlimmste – da sind sich beide einig – sind die Autounfälle. "Der schlimmste Unfall für mich war 1988", berichtet Bader. "Damals sind auf der Bundesstraße in einem Auto Vater und Sohn verbrannt. Aber natürlich gab es auch Hausbrände mit Personenschaden. So etwas geht einem immer lange nach." Dimmeler ärgert sich besonders über "unnötige Einsätze, die auch zu Unmut bei den Kameraden führen, zum Beispiel, wenn wir stundenlang mit dem Sichern und Beseitigen einer Ölspur beschäftigt sind. Wir haben ja alle genug anderes zu tun."

Doch insgesamt zieht Dimmeler eine positive Bilanz. "Unterm Strich war die Zeit sehr gut für mich und hat mir viel gegeben. Aber jetzt nagt der Zahn der Zeit." Vor allem die Freundschaft zwischen beiden wird bleiben. "In der Sache haben wir uns manchmal ganz schön gefetzt. Aber hinterher war alles wieder gut. Wir haben uns immer in die Augen sehen können."

Bader hat sich noch einmal überreden lassen. "Als Stellvertreter kann ich den Paul am Anfang noch unterstützen. Ich bin schon gefragt worden, ob ich loslassen kann und dem Paul nicht reinrede. Ich glaube, ich kann das."

 

Paul Böttcher ist neuer Kommandant

Trotz Wahlen zum neuen Feuerwehrausschuss: So richtig ging die Diskussion bei der Hauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Hagnau erst unter Verschiedenes los, als die geringe Mannschaftsstärke und die Probleme mit dem Nachwuchs angesprochen wurden.

Der gerade zum Kommandanten gewählte Paul Böttcher (Mitte) wird von Kreisbrandmeister Henning Nöh (links) und Bürgermeister Volker Frede zum Brandmeister befördert.
Der gerade zum Kommandanten gewählte Paul Böttcher (Mitte) wird von Kreisbrandmeister Henning Nöh (links) und Bürgermeister Volker Frede zum Brandmeister befördert. | Bild: Uwe Petersen

Zunächst hatte der scheidende Kommandant Edgar Bader die Anwesenden über die aktuellen Zahlen unterrichtet. 25 Aktive, darunter drei Frauen, zwölf Mitglieder in der Altersmannschaft, aber leider kein einziger Jugendlicher: Das sind Zahlen, die vor allem für die Zukunft nichts Gutes versprechen. Auch Jens Heuberger als Schriftführer hatte seinen letzten Auftritt. Er wird aus beruflichen Gründen für mindestens drei Jahre pausieren. Nach dem Kassenbericht von Willy Melzig lobte Heiner Renn die Arbeit des letzten Jahres und erbat die Entlastung des Vorstandes, die einstimmig erfolgte. Die Wahlen brachten die erwarteten Ergebnisse: Zum Kommandanten für die nächsten fünf Jahre wurde Paul Böttcher gewählt. Alt-Kommandant Edgar Bader, der eigentlich ganz zurücktreten wollte, steht als Stellvertreter bereit. Kassierer bleibt Willy Melzig. Vanessa Bauschert ist neue Schriftführerin, Karl Böttcher der Gerätewart. Rainer Sterk bleibt Beisitzer, Jenny Stürenberg Jugendwartin und Alfred Ainser führt die Altersmannschaft an.

Bürgermeister Volker Frede und Kreisbrandmeister Henning Nöh gratulierten den Neugewählten und überreichten dem neuen Kommandanten gleich noch die Beförderung zum Brandmeister. Doch dann sprach Nöh den wunden Punkt an: Alles sei gut bei der Hagnauer Feuerwehr, nur bei der Mannschaftsstärke fehle es. Trotz aller Bemühungen und Aktionen, die es in Hagnau gegeben habe, müsse man noch mehr tun, um neue Kameraden für die Aktiven und Jugendliche für die Jugendwehr zu begeistern. Dem widersprach Karl Megerle energisch. Man habe alles Mögliche versucht. Man könne die Leute ja nicht zwingen. Vergleiche mit Salem ließ er nicht gelten: Die seien ja viel größer. "Die Politiker in Stuttgart müssen Rahmenbedingungen schaffen, die das Ehrenamt in der Feuerwehr wieder attraktiver machen."