Der Besuch der Hagnauer Beachparty im vergangenen Sommer hat das Leben von zwei jungen Männern einschneidend verändert: Ein Auszubildender aus Daisendorf wurde Opfer eines sinnlosen Gewaltexzesses und leidet immer noch unter den Folgen der Verletzungen. Ein Mann, der als Monteur arbeitet und in Meersburg wohnt, rastete betrunken aus und ist nun wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraft. Ins Gefängnis muss der Schläger aber nicht, die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Täter springt Opfer von hinten an und tritt gegen den Kopf

Der Fall wurde jetzt am Überlinger Amtsgericht verhandelt. Richter Alexander von Kennel fasste bei der Urteilsverkündung das Geschehene, wie es sich nach Befragung der Beteiligten und mehrerer Zeugen im Laufe der beiden Verhandlungstage darstellte, zusammen: Der 22-jährige Auszubildende ging mit seiner Freundin am vorgerückten Abend auf der Beachparty zu den Imbiss-Ständen. Im Vorbeigehen rempelte er aus Versehen den Angeklagten an, der ebenfalls 22 Jahre alt ist. Nach einer kurzen verbalen Auseinandersetzung kehrte das Paar der Szene den Rücken. Plötzlich wurde der Daisendorfer von hinten angesprungen und von dem Hobby-Kickboxer in den Schwitzkasten genommen. Nach einen Kniestoß gegen den Kopf ging der Angegriffene zu Boden. Den Verletzungen und den Schilderungen der Augenzeugen nach, trat der Angeklagte den am Boden liegenden Mann noch mindestens zweimal gegen den Kopf. Seine Freundin und zwei daneben stehende junge Frauen wurden ebenfalls umgerissen und trugen leichte Blessuren davon.

Zeugen erinnern sich an auffälliges Tattoo des Täters

Eine Sicherheitsfachfrau, die relativ schnell alarmiert wurde, schilderte den Hergang als Zeugin. Sie konnte den Täter am Kragen festhalten und bemerkte dabei sein auffälliges Tattoo am Hals, an dem sie ihn, wie weitere Zeugen, im Gerichtssaal zweifelsfrei erkannte. Der Angreifer rammte ihr sein Knie in den Bauch und konnte flüchten. Erst durch die Initiative des Opfers und seiner Familie, die unter anderem einen Aufruf in den sozialen Medien starteten, konnte der Angreifer später auf Fotos identifiziert werden.

Opfer erleidet schwere Verletzungen im Gesicht

Der Auszubildende trug fünf Frakturen im Gesicht, darunter Nasen- und Jochbeinbruch, davon. Er wurde erst im Friedrichshafener und später im Konstanzer Krankenhaus stationär behandelt. Die Ärzte stabilisierten die Brüche mit Metallplatten, die bald in einer weiteren Operation entfernt werden müssen. Er schilderte, dass er immer noch Schmerzen und teilweise Taubheit in einer Gesichtshälfte hat.

Angeklagter wird erst nach klarer Identifizierung gesprächig

An zwei Verhandlungstagen am Überlinger Amtsgericht, bei dem der Geschädigte als Nebenkläger auftrat, wurden neben seiner Aussage und der seiner Freundin noch zwei weitere Zeugen gehört sowie weitere verlesen. Der Angeklagte äußerte sich selbst nicht zu dem Geschehen und ließ seinen Pflichtverteidiger für sich sprechen. Nachdem der Angeklagte am ersten Verhandlungstag eindeutig identifiziert wurde, änderte die Verteidigung die Strategie und bot in der Zwischenzeit einen Vergleich an, den die Staatsanwaltschaft ablehnte. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. Amtsrichter Alexander von Kennel befand den Angeklagten wegen gefährlicher und fahrlässiger Körperverletzung für schuldig. Im Strafmaß schloss er sich weitgehend dem Vergleichsangebot an und verurteilte den Angeklagten, der sich schließlich bei dem Opfer entschuldigte, zu einem Jahr und elf Monaten Haft auf Bewährung. Dazu muss er dem Geschädigten ein angemessenes Schmerzensgeld in Raten zahlen, 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und an einem Antiaggressionstraining teilnehmen. Die Bewährungszeit setzte er auf drei Jahre an.

Beide Parteien können noch in Berufung gehen

Bei der Erläuterung des Urteils machte von Kennel deutlich, wie schwerwiegend und gefährlich das brutale Verhalten des Täters war. Er wäre zwar alkoholisiert, aber nicht vermindert zurechnungsfähig gewesen. "Diese Grundlosigkeit! Das Ausmaß der Brutalität ist nicht ansatzweise nachvollziehbar." Bei dem Strafmaß habe er die Entschuldigung und das Angebot zur Wiedergutmachung in Form des Schmerzensgeldes angerechnet. Nur wenn er auf freiem Fuß sei und arbeiten könne, wäre er in der Lage, die Zahlungen zu leisten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.