Am Mittwochmorgen staut sich der Verkehr auf der B31 zwischen Hagnau und Meersburg. Am Ortsausgang Hagnau Ost werden die Berufspendler von einem Schild mit der Aufschrift „Verkehrsbefragung, bitte helfen Sie uns“ empfangen. Kurz darauf gebietet ein Polizist in neongelber Warnjacke den Fahrern Halt. Es klopft an die Fensterscheibe. Wer das Klopfen nicht wütend ignoriert, kurbelt fleißig und blickt in ein klammes Schülergesicht.

Zum Beispiel in das von Gabriel Stromm (14), der zusammen mit seinen Mitschülern der Klasse 9b der Realschule BZM Markdorf für die Befragung vom Regierungspräsidium Tübingen angeworben wurde. Morgens wird von sechs bis zehn Uhr gefragt. Eine zweite Etappe folgt von 15 bis 19 Uhr. Dafür gibt es „so 1000 Euro für die Klassenkasse, wenn alles gscheit läuft“, sagt Gabriel.

Die Fragen auf dem von der Firma Modus Consult Ulm entworfenen Fragebogen sind einfach gehalten. Abfahrtsort, Zielort, Wohnort: Der Fragebogen fordert auch die Eintragung von Straße und Hausnummer, aber die Schüler müssen froh sein, wenn sie die Orte erhalten. Zeit hat keiner der Befragten. Außerdem fragen die Schüler nach dem Fahrtzweck. Die meisten Fahrer sind um diese Zeit auf dem Weg zur Arbeit. Die Schüler notieren zudem den Fahrzeugtyp und die Zahl der Insassen.

Und was sagen die Autofahrer? „Ziemlich lästig, schließlich muss ich zur Arbeit“, meint Christian Baranowski. So sehen es die meisten. Zwar gibt es Stimmen, die mit Blick auf das Großprojekt B31 die Verkehrsbefragung seufzend hinnehmen. Doch die meisten Fahrer wissen gar nicht, dass die Befragung aus diesem Grund stattfindet.

Der Schüler Gabriel Stromm runzelt die Stirn über die Frage, ob ihm die Aktion Spaß mache. Es gebe Leute, die nett auf die Fragen reagierten. „Aber es gibt auch manche, die dich einfach nur blöd anmachen und dich beleidigen.“ Gabriels Mitschüler Leon Ermann (14) teilt diese Einschätzung. Bei manchen Fahrern müsse man sogar aufpassen, dass sie einem nicht über den Fuß führen. Besonders schwierig seien die Lastwagenfahrer, fügt ein Mitschüler hinzu. In ihren hohen Fahrerhäuschen seien sie schwer zu erreichen und von einer langen Fahrt ohnehin viel zu genervt. Passend zur mäßigen Stimmung setzt kalter Herbstregen ein. Leon zuckt mit den Schultern, zieht sich die Kapuze über den Kopf und beugt sich zum nächsten Wagen hinunter.

 

"Ein unverfälschtes Ergebnis ist wichtig"

Derzeit werden die Autofahrer im Auftrag des Regierungspräsidiums Tübingen auf der B 31 befragt. Yvonne Knapstein von team ewen ist für die Moderation und Kommunikation des Planungsprozesses zuständig.

Viele Pendler stören sich an der Befragung. Warum werden die Termine und Orte nicht veröffentlicht?

Auf die Veröffentlichung der genauen Orte und Zeiten wurde bewusst verzichtet, um ein unverfälschtes Ergebnis der Studie zu ermöglichen. Es ist wichtig, ein gutes Bild über den heutigen Verkehr zu haben, damit die Planung auch optimal erfolgen kann. Die Verkehrsbefragung wurde als allgemeine Information angekündigt. Nach Beschwerden aus der Bevölkerung wird das Regierungspräsidium morgen in einer weiteren Erklärung noch einmal auf die Notwendigkeit der Verkehrsbefragungen für das Projekt B31 hinweisen. Nächste Woche wird außerdem eine Sitzung des Dialogforums zur B31 stattfinden, das der Beteiligung und Einbindung der Bevölkerung in das Vorhaben dient. Dort wird auch über die Verkehrsbefragung zu reden sein.

Wann liegen die Ergebnisse vor?

Das hängt maßgeblich von den Gutachterfirmen ab. Die Verkehrsbefragungen werden von der Firma Modus Consult Ulm durchgeführt. Auf einer Gremiumssitzung Sitzung des Facharbeitskreises Verkehr nächste Woche wird auch eine Zeitschiene festgelegt werden, die den Verlauf der nächsten Planungsabschnitte abbildet. Mit den Ergebnissen der Verkehrsbefragungen ist im zweiten Quartal 2017 zu rechnen.

Fragen: Max Horn