Die Meersburger scherzten während der Fastnacht ausgiebig über das "Hagnauer Millionendings". Eine Investition, von der bislang keiner weiß, um was es geht. Im Haushalt 2019 der Gemeinde sind 2,75 Millionen Euro für ein Projekt im Bereich innerörtliche Entwicklung eingestellt. Näheres wurde bisher öffentlich nicht bekannt gegeben. Auch im Gemeinderat wurde nicht vor Publikum darüber diskutiert. Eine Aufklärung versprach Bürgermeister Volker Frede im Dezember für das neue Jahr. Dieses ist inzwischen zweieinhalb Monate alt.

Bürgermeister: "Es laufen nach wie vor Abstimmungen"

Anfang Februar teilte Frede auf SÜDKURIER-Nachfrage mit: "Es gibt noch keine weiteren Erkenntnisse, die erforderlichen Abstimmungen und Verhandlungen werden nach derzeitigem Stand noch länger dauern." Ähnlich lautete die Antwort Anfang März: "Es laufen nach wie vor Abstimmungen und Verhandlungen und es ist derzeit nicht möglich, einen konkreten Zeitpunkt zu nennen." Trotz der Unbekannten wurde der Gemeindehaushalt 2019 vom Landratsamt des Bodenseekreises genehmigt. Darüber informierte die Verwaltung in der zurückliegenden Ratssitzung.

Bürgermeister Volker Frede: "Da sich derzeit alles im Verhandlungsstadium bewegt, kann auch noch nicht öffentlich informiert werden; dies würde den berechtigten Interessen Beteiligter widersprechen und zudem die Verhandlungen als solche gefährden."
Bürgermeister Volker Frede: "Da sich derzeit alles im Verhandlungsstadium bewegt, kann auch noch nicht öffentlich informiert werden; dies würde den berechtigten Interessen Beteiligter widersprechen und zudem die Verhandlungen als solche gefährden." | Bild: Uwe Petersen

"Beim Haushalt handelt es sich ja zunächst um einen Plan und ebenso ist es auch mit der möglichen Investition in die innerörtliche Entwicklung. Investiert ist bis zum heutigen Tage noch kein Euro, sondern es ist mit dem Haushalt die Möglichkeit geschaffen worden, bei positivem Abschluss der Verhandlungen agieren zu können und handlungsfähig zu sein", führt Bürgermeister Frede weiter aus.

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Ob nicht längst öffentlich über das Vorhaben hätte informiert werden müssen? Frede antwortet: "Da sich derzeit alles im Verhandlungsstadium bewegt, kann auch noch nicht öffentlich informiert werden; dies würde den berechtigten Interessen Beteiligter widersprechen und zudem die Verhandlungen als solche gefährden." So sei es auch in der Gemeindeordnung geregelt, sagt Frede. In dieser ist unter Paragraf 35 unter anderem zu lesen: "Nichtöffentlich darf nur verhandelt werden, wenn es das öffentliche Wohl oder berechtigte Interessen Einzelner erfordern; über Gegenstände, bei denen diese Voraussetzungen vorliegen, muss nichtöffentlich verhandelt werden."

Mutmaßungen der Bürger in Richtung Wohnbebauung

Die Hagnauer müssen also weiterhin abwarten, was die Gemeinde vorhat. Während die Meersburger ulkten, dass man sich in Hagnau vielleicht ein Disneyland anschaffen werde, gehen Mutmaßungen im Ort zum Beispiel in Richtung Wohnbebauung. Im Dezember hatte Frede gegenüber dem SÜDKURIER erklärt: "Das ist eine einmalige Chance für Hagnau; die dürfen wir auf keinen Fall ungenutzt lassen." Die Investition bringe Hagnau weiter, so der Bürgermeister. Kommt es zum Abschluss der Verhandlungen und wird der Betrag investiert, ist eines bereits klar: Die Schuldenlast der Gemeinde wird durch den nötigen Kredit von pro Kopf 95 Euro auf 1827 Euro steigen. Das entspricht dem Zwanzigfachen.

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