Für den Neubau eines Verwaltungsgebäudes für das Landratsamt gibt es seit Montag konkrete Möglichkeiten: Von 19 Einsendungen prämierte die Jury vier Entwürfe, die der Juryvorsitzende Wolfgang Riehle im Kreistag vorstellte. Die Konzeptionen mussten vom Kreistag formulierte Vorgaben hinsichtlich Funktionalität, Grünkonzept und Nachhaltigkeit erfüllen und sich mit den Bestandsgebäuden befassen.

„Ein Thema ist die Dominanz des Hochhauses an der Albrechtstraße: Soll das, was nun kommt, Konkurrenz, Ergänzung oder Unterordnung werden?“, sagte Riehle. Die Pläne beantworten diese Frage sehr unterschiedlich.

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Zwei Entwürfe setzen auf Ergänzung: Ihre Formensprache nimmt die des Landratsamts-Hochhauses mit seinen runden Ecken auf, die Höhe bleibt deutlich darunter. Eher in Konkurrenz geht der Entwurf auf Rang drei mit einem Hochhaus auf gleichem Niveau, mit entschieden klaren, eckigen Konturen. Im Siegerentwurf wurde die Fragestellung ignoriert: Er sieht ein Gebäude aus quadratischen Holzmodulen vor. „Der erste Preisträger hat etwas ganz anderes gemacht als alle anderen. Dieses Gebäude sieht nicht aus wie ein klassisches Verwaltungsgebäude. Es vermittelt die Botschaft: Wir wollen keine Konkurrenz, wir wollen ein Haus mit Alleinstellungsmerkmal“, sagte Riehle.

Der Juryvorsitzende Wolfgang Riehle stellt im Kreistag die prämierten Entwürfe vor.
Der Juryvorsitzende Wolfgang Riehle stellt im Kreistag die prämierten Entwürfe vor. | Bild: Corinna Raupach

Die vier prämierten Entwürfe im Überblick

Die Jury hat die Entwürfe mit Anregungen und Kritik an die Planungsbüros zurückgegeben. Da der Viertplatzierte sich zurückgezogen hat, werden bis Mai drei Büros an ihren Planungen weiterarbeiten. Parallel dazu prüft eine Facharbeitsgruppe die voraussichtlichen Kosten und die Nachhaltigkeit der Vorschläge sowie die Leistungsfähigkeit der Projektteams. Auch wird der Häfler Gemeinderat informiert.

1. Preisträger-Entwurf: „Positives Beispiel für ein offenes und bürgernahes Verwaltungsgebäude“

Im Entwurf des Stuttgarter Büros Wulf Architekten besteht der Neubau aus quadratischen Holzmodulen, die versetzt zueinander und in verschiedenen Höhen eine kleinteilige Struktur bilden. Das Erscheinungsbild orientiert sich an der Wohnbebauung des Viertels.

Das Modell des Siegerentwurfs zeigt verschieden hohe Dachflächen, die für Begrünung, Solarpanels oder Dachgärten genutzt werden können.
Das Modell des Siegerentwurfs zeigt verschieden hohe Dachflächen, die für Begrünung, Solarpanels oder Dachgärten genutzt werden können. | Bild: Wulf Architekten, Bild: Landratsamt

Eingänge in alle Richtungen und vier Treppenhäuser im Inneren machen den Neubau leicht zugänglich. Für den Bürgerservice ist das Erdgeschoss vorgesehen. In den Geschossen darüber erlaubt das System flexible Büroformen, von Zelle über Gruppe bis zu Großraum oder Besprechungszimmer. Auf den Dachflächen sind unterschiedliche Nutzungen von Solarpanelen über Grünflächen bis zu Dachterrassen geplant. Die Jury urteilte: „Die Arbeit stellt mit ihrer überraschenden Konzeption ein positives Beispiel für ein offenes und bürgernahes Verwaltungsgebäude dar.“

In den Plänen für den ersten Bauabschnitt sollen sich Kita, Leistelle und Wohnungen ein Gebäude teilen. Das bewertete die Jury kritisch, da es lange dunkle Flure und Defizite in der Erschließung mit sich bringe.

2. Preisträger-Entwurf: „Nachvollziehbare Kanten betonen Stadteingang“

Ein großes Gebäude mit sechs Ecken und großem Innenhof in Holzhybridkonstruktion präsentiert der Entwurf von Auer und Weber aus München. Es orientiert sich stark an der Umgebung, korrespondiert mit der Straßenführung und dem bestehenden Hochhaus und legt Wert auf attraktive Freiflächen.

Großzügige Innenhöfe und ein polygonales Design zeichnen den zweitplatzierten Entwurf aus.
Großzügige Innenhöfe und ein polygonales Design zeichnen den zweitplatzierten Entwurf aus. | Bild: Auer Weber Assoziierte Gmbh, Bild: Landratsamt

Der Entwurf sieht ein zweigeschossiges tageslichtbeleuchtetes Foyer mit Freitreppe vor, in dem sich Bürgeramt, Empfangsbereich, Beratungsplätze sowie ein Sitzungssaal befinden. Darüber bieten drei Geschosse Platz für Büros in unterschiedlichen Größen. Im höchsten Geschoss soll die umlaufende Dachterrasse der Kantine den Blick auf den Bodensee ermöglichen. Das Urteil der Jury: „Die Arbeit nimmt die vorhandenen Straßenbezüge konsequent auf und bildet nachvollziehbare Kanten, die den Stadteingang betonen.“

Auch hier soll für den ersten Bauabschnitt ein Gebäude Kita, Leitstelle und Wohnungen beherbergen. Die Jury bezweifelte die Funktionalität der Kita und speziell des Freiraums sowie die Lichtsituation der Wohnungen.

3. Preisträger-Entwurf: „Elegante, ja fast heitere Architektur“

Einen Turm in klassisch moderner Form plant die Arge Harris und Kurrle Architekten aus Stuttgart. Gleich hoch wie das Hochhaus in der Albrechtstraße bildet er mit diesem eine Torsituation. Er steht auf einem Sockel, der sich zu einer Aussichtsplattform erhöht.

Einen Turm plant der Entwurf auf Rang drei.
Einen Turm plant der Entwurf auf Rang drei. | Bild: Arge Harris und Kurrle Architekten, Bild: Landratsamt

Bürgeramt, Sitzungssaal und Foyer mit öffentlichem Café teilen sich das Erdgeschoss im Sockel. Die Beschäftigten gelangen über eine Sicherheitsschleuse in die sieben Bürogeschosse. Der Kantine im obersten Stock ist ein offener Wintergarten vorgelagert. Das Fazit der Jury: „Insgesamt eine Arbeit, die sich mit allen Nutzungen sowie deren Bedürfnissen auseinandergesetzt hat und dies in eine selbstverständliche, elegante, ja fast heitere Architektur mit den dazugehörigen Freiflächen umsetzt.“

Für den Bauabschnitt eins benannte die Jury diesen Entwurf als Favoriten. Er sieht für die Kita ein eigenes Gebäude mit großzügigem Garten vor. Im Erdgeschoss des vierstöckigen Wohnhauses soll die Leitstelle untergebracht werden.

4. Preisträger-Entwurf: „Eine erfreulich einfache Antwort“

Dieser Entwurf der Feuerstein Hammer Pfeifer Architekten Partnerschaft aus Lindau zeigt mit seinen gerundeten Ecken die stärkste Entsprechung zu den Gebäuden in der Albrechtstraße. Er sieht einen kompakten Baukörper mit großzügigem Innenhof vor, die geplanten Bauabschnitte drei und vier behalten diese Struktur bei.

Mit gerundeten Ecken und gestuften Höhen ergänzt dieser Entwurf die Gebäude an der Albrechtstraße.
Mit gerundeten Ecken und gestuften Höhen ergänzt dieser Entwurf die Gebäude an der Albrechtstraße. | Bild: Feuerstein Hammer Pfeifer Architekten, Bild: Landratsamt

Über einem zweigeschossigen Foyer liegen Stockwerke mit ringförmig angeordneten Büros und im obersten Geschoss eine Kantine mit Blick auf den See. Die Jury urteilte: „Insgesamt handelt es sich um einen Entwurf, der auf den ersten Blick eine erfreulich einfache Antwort auf die stadträumliche Fragestellung gibt.“

Auch dieser Entwurf plant ein eigenes, quadratisches Gebäude für die Kita und einen länglichen Wohnungsbau mit der Leitstelle im Erdgeschoss.

Gutachter kamen zu dem Schluss: Sanierung wäre nur zum Preis eines Neubaus zu haben

Das Projekt Standortentwicklung beschäftigt das Landratsamt seit 2012. Damals sollte ein Fachbüro ein Gutachten für die energetische Sanierung des Altbaus in der Glärnischstraße erstellen. Dieser wurde gebaut, als Friedrichshafen mit der Kreisreform 1973 zur großen Kreisstadt wurde. „Das war noch vor der Ölkrise, das sagt eigentlich schon alles“, sagte Landrat Lothar Wölfle. Die Gutachter kamen zu dem Schluss, dass eine Sanierung nur zum Preis eines Neubaus zu haben sei. Der Kreistag entschied daher für den Neubau.

Ein weiterer Grund ist die Platznot im Amt, das durch Gesetzesnovellen vor allem in Jugendschutz, Sozialem und Asyl neue Aufgaben übernahm. „Wir stellen uns die Frage, ob wir in Zeiten von mehr Homeoffice den Platz überhaupt brauchen. Aber Serviceorientierung und Teamarbeit kann das Homeoffice nicht ersetzen“, sagte Wölfle. Allerdings lässt die Aufteilung der Planung in einzelne Bauabschnitte zu, bereits mitgeplante Verwaltungsgebäude nicht oder nur bei Bedarf zu bauen.

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Zunächst soll auf einem Grundstück nördlich der Glärnischstraße gebaut werden

Diese modulare Planung sieht so aus: In einem ersten Bauabschnitt entstehen auf einem unbebauten Grundstück nördlich der Glärnischstraße zwölf Wohnungen, eine Kindertagesstätte, die Rettungsleitstelle und eine Tiefgarage. Auf dem nicht mehr benötigten Parkplatz wird im Bauabschnitt zwei ein Verwaltungsgebäude errichtet. Es soll die Service- und Anlaufstellen für Bürger bündeln und Büroflächen bereitstellen. Sind die Beschäftigten umgezogen, wäre an Stelle des Altbaus im Bauabschnitt drei und vier der Bau weiterer Bürogebäude möglich. „Auf diese Weise haben wir ein Grundkonzept für die nächsten Jahrzehnte, um uns bei Bedarf weiter entwickeln zu können“, sagte Harald Betting, der als Leiter des Bau- und Liegenschaftsamts für diese modulare Arbeitsweise verantwortlich ist.

Der Kreistag billigte die Entwürfe und das Vorgehen einstimmig unter der Maßgabe, den Prozess weiter intensiv zu begleiten und über Bau- und Unterhaltskosten informiert zu werden. Läuft alles nach Plan, steht in der letzten Sitzung des Kreistags vor der Sommerpause die Entscheidung für eine Variante an. Danach obliegt es der Stadt Friedrichshafen, Baurecht zu schaffen.

Informationen zu Verfahren und Entwürfen sind auf der Internetseite des Landratsamts zu finden.