Es ist eigentlich kein Badewetter, die Sonne wird immer wieder von den Wolken verdunkelt und es weht ein kühler Wind. Das Freizeitgelände Manzell ist daher kaum besucht, auf dem offiziellen Parkplatz ist noch ordentlich Platz frei. Familie Hermann – das heißt, die Frauen der Familie – haben es sich an ihrem Lieblingsplatz dennoch gemütlich gemacht. „Wir finden es so eigentlich besonders schön; wir genießen die Ruhe hier“, erklärt Natalja, die auf einem mitgebrachten Stuhl mit Blick auf den See sitzt. Ihre Schwester Margarita ergänzt: „Bei gutem Wetter kommen wir morgens her und gehen wieder, bevor es zu voll wird.“

Maria Hermann (Mitte hinten) mit ihren beiden Töchtern Margarita (links hinten) und Natalja (rechts) sowie Enkelin Sabine mit ihrem Sohn Amias.
Maria Hermann (Mitte hinten) mit ihren beiden Töchtern Margarita (links hinten) und Natalja (rechts) sowie Enkelin Sabine mit ihrem Sohn Amias. | Bild: Lena Reiner

Auch wenn sie ihren Lieblingsplatz am Bodensee jedes Jahr gemeinsam besuchen, ist das normalerweise nicht das, was ihren Sommerurlaub ausmacht. „Wir hatten eine Reise nach Griechenland gebucht“, schildert Natalja, die derzeit in Meckenbeuren lebt. Da ihr Mann zur Risikogruppe zähle, hätten sie die Reise sofort storniert, als „das mit Corona„ angefangen habe: „Dabei war uns auch egal, ob wir unser Geld zurückbekommen.“

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Margarita aus Friedrichshafen hatte ebenfalls eine Reise geplant: Im September sollte es nach Spanien gehen. Mutter Maria, wohnhaft in Friedrichshafen, wäre – wie üblich in den vergangenen Jahren – mit „ihrer Jüngsten“, wie sie sagt, verreist. Für sie sei das in diesem Jahr allerdings auf keinen Fall infrage gekommen: „Ich gehöre ja mit meinen 69 Jahren auch schon zur Risikogruppe.“

Am Bodensee muss man auch ohne Verreisen nicht auf Urlaubsgefühle verzichten.
Am Bodensee muss man auch ohne Verreisen nicht auf Urlaubsgefühle verzichten. | Bild: Lena Reiner

Ein Stückchen weiter hat sich Sandra Glaser wegen des kühlen Windes in ein Handtuch gewickelt. Auf die Frage, ob sie zu denen gehört, die von hier seien und sich dieses Jahr coronabedingt für Heimurlaub entschieden hätten, überlegt sie kurz und sagt dann: „Irgendwie schon, ja. Ich bin in Friedrichshafen geboren.“ Eigentlich hätte sie mit Mann Ralf und Sohn Luca nach Garmisch-Partenkirchen reisen wollen, die Reise war bereits gebucht. „Dann haben wir aber gehört, dass es dort total überlaufen sein soll, weil viele wegen Corona innerhalb Deutschlands verreisen.“

Kurzerhand hätten sie zum Telefonhörer gegriffen und ihre Mutter Christa Weissensteiner gefragt, ob sie sie besuchen könnten. „Das ist ja meine Heimat, da kenne ich mich aus und kenne auch die Orte im Hinterland, auf die man ausweichen kann, wenn es am See zu überlaufen wäre.“

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Mit Sorge beobachte sie, dass die Maskenpflicht auf den Toiletten nicht eingehalten werde, selbst wenn sich dort eine Schlange bildet. „Auch sonst wirkt es so, als würde es die Menschen nicht kümmern mit dem Abstand“, schildert sie. Auch deshalb möchte sie Menschenmengen meiden. Eine Häfler Liegetuchnachbarin kommentiert: „Ich bin richtig erschrocken, als ich aus Portugal wiederkam. Dort haben sich nämlich alle an die Regeln gehalten.“

Macht „Quasi-Heimurlaub“: Sandra Glaser (links) ist gebürtige Häflerin und hat wegen der Corona-Pandemie kurzerhand beschlossen, den Sommerurlaub mit Mann Ralf und Sohn Luca bei ihrer Mutter Christa (hinten im Bild) in Kluftern zu verbringen.
Macht „Quasi-Heimurlaub“: Sandra Glaser (links) ist gebürtige Häflerin und hat wegen der Corona-Pandemie kurzerhand beschlossen, den Sommerurlaub mit Mann Ralf und Sohn Luca bei ihrer Mutter Christa (hinten im Bild) in Kluftern zu verbringen. | Bild: Lena Reiner

Für Andy und Evi Loibl ist dieses Jahr auch Urlaub zuhause angesagt; eigentlich wollten sie nach Italien fahren. „Wir machen Ausflüge in die Umgebung“, erzählt Andy Loibl. Das Freizeitgelände Manzell habe sich spontan auf der Route des Paares aufgetan. Eigentlich hatten sie vor, nach Meersburg zu fahren.

Evi und Andy Loibl machen in diesem Jahr Heimurlaub in ihrem bayerischen Zuhause. Den Bodensee besuchen sie für einen kleinen Zwei-Tages-Ausflug. Das Freizeitgelände Manzell haben sie dabei zufällig auf dem Weg nach Meersburg entdeckt. „Auf dem Navi habe ich gesehen, dass der See und ein Parkplatz direkt neben der Straße sind. Da dachten wir uns, wir schauen uns das mal an“, sagt er.
Evi und Andy Loibl machen in diesem Jahr Heimurlaub in ihrem bayerischen Zuhause. Den Bodensee besuchen sie für einen kleinen Zwei-Tages-Ausflug. Das Freizeitgelände Manzell haben sie dabei zufällig auf dem Weg nach Meersburg entdeckt. „Auf dem Navi habe ich gesehen, dass der See und ein Parkplatz direkt neben der Straße sind. Da dachten wir uns, wir schauen uns das mal an“, sagt er. | Bild: Lena Reiner

Ebenfalls bei kleinen Ausflügen bleibt es auch für Familie Jahnel. Die lebt im Häfler Ortsteil Jettenhausen und nutzt die freie Zeit zu Hause für Arbeiten am Haus und Pflanzexperimente im Garten. Die 16-jährige Leonie hat ihren grünen Daumen entdeckt, pflanzt Zitronenbäumchen an und hat es sogar geschafft, Wassermelonen zu ziehen. Die sind zwar noch wirklich winzig, aber immerhin zwei sind an der Maserung schon eindeutig als solche erkennbar.

Leonie hat durch die viele Zeit daheim ihren grünen Daumen entdeckt und so wachsen im Garten nun selbstgezogene Wassermelonen.
Leonie hat durch die viele Zeit daheim ihren grünen Daumen entdeckt und so wachsen im Garten nun selbstgezogene Wassermelonen. | Bild: Lena Reiner

„Außerdem lerne ich gerade das Spätzleschaben“, schildert sie. Ein Besuch bei ihrer Großmutter sei der Anlass dazu gewesen. „Das erinnert mich an sie“, freut sie sich. Zur Zeit koche sie jede Woche ein Mal Spätzle, um zu üben. Wie gut es gelingt? Sie lacht und sagt: „Naja, sie sind schon noch etwas dick, aber sie schmecken.“ Da ihre Großmutter recht weit entfernt wohne, sei es schön, etwas Verbindendes zu haben. Auch sonst hat sie ein vielseitiges Programm in den Ferien: Sie hilft bei den Ferienspielen als Betreuerin mit.

Leonie (vorn), Matthias, Biggi (beide hinten) und Anton Jahnel (auf dem Liegestuhl) genießen den eigenen Garten.
Leonie (vorn), Matthias, Biggi (beide hinten) und Anton Jahnel (auf dem Liegestuhl) genießen den eigenen Garten. | Bild: Lena Reiner

Eigentlich hatten Jahnels bereits zu Pfingsten eine Reise geplant: Nach Hamburg und London wollten sie reisen. „Das war uns dann aber zu heikel“, erklärt Matthias Jahnel. Seine Frau Biggi ergänzt: „Die Unterkunft war aber so kulant, dass wir einfach um ein Jahr verschieben konnten.“ Für den aktuellen Sommerurlaub haben sie keine großen Pläne mehr gemacht. Sie grillen mit Freunden im Freien oder machen Tagesausflüge ins nähere Umland.

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„Wir stellen fest, dass wir manche Orte noch gar nie besucht haben, obwohl sie eigentlich ums Eck sind.“ Dazu biete die aktuelle Situation nun eine Chance. Nur an den Bodensee direkt gehen sie selten: „Da ist es uns zu voll.“

Bienen beobachten gehört zu den entspannenden Tätigkeiten im Garten der Jahnels.
Bienen beobachten gehört zu den entspannenden Tätigkeiten im Garten der Jahnels. | Bild: Lena Reiner

Fast normal ist es für Claudia Fischer geworden, ihre Sommerferien im Häfler Strandbad zu verbringen. „Ich bin früher mehr verreist.“ Schwer falle ihr das daher nicht, jetzt keine weiten Reisen zu machen.

Claudia Fischer verbringt ihren Sommer im Häfler Strandbad.
Claudia Fischer verbringt ihren Sommer im Häfler Strandbad. | Bild: Lena Reiner

Nur eines ist anders als in den vergangenen Jahren: „Unser Café Miteinander kann derzeit nicht stattfinden, weil das mit Personenzahlbegrenzungen nicht funktioniert.“ So verbringe sie dieses Jahr noch mehr Zeit im Strandbad. Voll sei es hier trotz der Personenzahlobergrenze: „Es sind nicht alle Liegeflächen gleich beliebt. Daher verteilen sich die Leute nicht gleichmäßig.“

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