Knapp 90 Prozent der ZF-Mitarbeiter in Friedrichshafen machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz oder den ihrer Kollegen. Das ergab eine Blitzumfrage der IG Metall in den Pfingstferien. Nicht ohne Grund: Ende Mai hatte der Konzernvorstand seinen Mitarbeitern per E-Mail mitgeteilt, dass er bis 2025 bis zu 15 000 Stellen im Unternehmen abbauen will, davon die Hälfte in Deutschland.

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Geht es nach den Gewerkschaftern, endet am Donnerstag die vierwöchige Sprachlosigkeit der Belegschaft, die den Pfingstferien, Kurzarbeit und der Corona-Situation zuzuschreiben war. Es sei Zeit für Protest gegen die Sparpläne der Konzernspitze, meint Helene Sommer, zweite Bevollmächtigte der Gewerkschaft in Bodensee-Oberschwaben. Gestern informierte sie mit Franz-Josef Müller, einem der beiden Betriebsratschefs am Standort, über ihre Pläne.

Gemeinsam durch die Krise

Am Donnerstag ruft die IG Metall alle ZFler auf die Straße. Motto: Gemeinsam durch die Krise. „Das hat 2009 auch schon mal funktioniert“, so Helene Sommer. Allerdings findet keine klassische Kundgebung statt, wie sie zuletzt Ende September vor dem ZF-Forum rund 5000 Mitarbeiter mobilisiert hatte. Da ging bereits die Angst vor Jobverlagerung und Stellenstreichungen um.

5000 ZF-Mitarbeiter demonstrieren am 25. September 2019.
5000 ZF-Mitarbeiter demonstrieren am 25. September 2019. | Bild: Mommsen, Kerstin

Eine klassische Kundgebung mit mehreren tausend Mitarbeiter „trauen wir uns nicht“ wegen der Corona-Situation, erklärte Sommer gestern bei einem Pressegespräch. Die Alternative ist ungewöhnlich: Die Gewerkschaft lädt zur ersten „Mobilitäts-Demonstration“ ein. ZFler können mit Autos, Fahrrädern oder Rollern daran teilnehmen. Dass der Korso in der Innenstadt wahrscheinlich zu einem Verkehrschaos führen wird, wissen die Organisatoren: „Wir müssen ein starkes Signal setzen“, bitte Helene Sommer die Häfler um Verständnis.

Kein Konzernbereich von Sparplänen ausgenommen

Nach Aussage von Franz-Josef Müller sei diesmal kein Konzernbereich bei ZF von den Sparplänen ausgenommen. Auch wenn Betriebsrat und IG Metall noch keine Details kennen, nannte Müller gestern erste Zahlen. So habe man vernommen, dass allein die Hauptverwaltung bereits bis nächstes Jahr 200 Millionen Euro einsparen soll. Beim Budget für Forschung und Entwicklung sollen sogar 400 Millionen Euro gestrichen werden. „Das geht nicht ohne Personalabbau“, so Müller.

Davon sind zumindest Leiharbeiter bei ZF schon konkret betroffen. Die Hälfte der Ingenieure ohne Festvertrag im Forschungs- und Entwicklungszentrum sind schon weg, so Müller. Von den bisher verbliebenen 300 Leiharbeitern im FEZ müssten bis Jahresende wohl weitere gehen. Auch rund 200 Kollegen mit befristeten Verträgen in der Produktion stünden auf der Liste. „Wir versuchen alle zu halten“, so Müller, der erklärte, dass die Mitarbeiter bei den zentralen Diensten und in der Entwicklung wohl am meisten betroffen sein werden.

Helene Sommer: „Es lohnt sich zu kämpfen“

„Wenn wir nicht glauben würden, dass es sich lohnt, würden wir es nicht machen“, antwortete Helene Sommer auf die Frage, ob der geplante Stellenabbau noch aufzuhalten ist. „Wir müssen was machen, wenn der Vorstand solche Zahlen raushaut“, pflichtete Franz-Josef Müller bei. Üblicherweise hätte der Betriebsrat dann umgehend zu einer Betriebsversammlung eingeladen, nur lassen die Corona-Regeln keine Großveranstaltung zu. „Deshalb sind wir froh, dass die IG Metall was macht.“

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Da eine „normale“ Demonstration zu Fuß derzeit auch nicht geht, soll nun der Autokorso durch die Stadt ein Achtungszeichen der ZF-Belegschaft setzen, „zusammen Stärke zeigen“, so Helene Sommer. Mit mindestens 1000 Fahrzeugen rechnet die Vize-Gewerkschaftschefin, die um die Mittagszeit wohl mindestens zwei Stunden lang die Innenstadt verstopfen.

Der geplante Umzugsweg der ZF-Demonstration im Autokorso am Donnerstag, 25. Juni.
Der geplante Umzugsweg der ZF-Demonstration im Autokorso am Donnerstag, 25. Juni. | Bild: Stadt Friedrichshafen

„Könnte sein, dass es fette Staus gibt“, ist sich Helene Sommer sehr wohl bewusst. Auch wenn es viel verlangt sei: „Gesteht uns diesen einen Tag zu, um unseren Protest zu formulieren“, bittet sie die Häfler Bevölkerung.“ In so einer Situation mit Wattebäuschchen zu schmeißen bringt nichts“, pflichtet Franz-Josef Müller bei. Die Polizei arbeite an einem Verkehrskonzept, aber zwei bis drei Stunden Chaos sollte man einplanen.

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