Seit Juni zeigt der Konzern bunte Flagge: Vor dem ZF-Forum in Friedrichshafen weht die sogenannte Progress Pride Flag. Diese trägt die klassischen Regenbogenfarben der queeren Community, wurde allerdings um weitere Töne erweitert: Einerseits mit einem schwarzen und einem braunen Streifen, um auf die Marginalisierung von Menschen nicht weißer Hautfarbe aufmerksam zu machen. Andererseits die Farben Pink, Hellblau und Weiß, die für die Transgender-Community stehen. Doch warum wurde die Flagge gehisst?

Zeichen im Pride Month

Ein ZF-Sprecher schreibt auf Anfrage: „Die Flagge wurde bei uns Anfang Juni zu Beginn des Pride Month gehisst.“ Im Juni finden weltweit zahlreiche Partys, Paraden und Protestaktionen statt, bei denen auf die Rechte und Themen der queeren Community hingewiesen wird. Auch in Friedrichshafen wurde demonstriert, allerdings erst im Juli beim Christopher Street Day. Weiter schreibt der ZF-Sprecher: „Vielfalt/Diversity ist eines der fünf Leitprinzipien unserer Konzernstrategie Next Generation Mobility.“ Damit sollen Diversität und unterschiedliche Denkansätze im Unternehmen gefördert werden.

Scal Duong engagiert sich ehrenamtlich als Ansprechpartner für Jugendliche, die Fragen zu ihrer Geschlechteridentität haben.
Scal Duong engagiert sich ehrenamtlich als Ansprechpartner für Jugendliche, die Fragen zu ihrer Geschlechteridentität haben. | Bild: Benjamin Schmidt (Archiv)

Der SÜDKURIER wollte wissen: Wie finden Menschen aus der Community die Aktion? Scal Duong setzt sich ehrenamtlich für junge Transmenschen in der Region ein. Er schreibt auf Anfrage: „Grundsätzlich freue ich mich über jede Form der Repräsentation, die dafür sorgt, dass Menschen an die Existenz unserer Community erinnert werden.“ Doch er ist auch ein bisschen misstrauisch.

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Aktivisten: Hissen der Flagge reicht nicht

„Viele große Firmen scheinen zu denken, dass das Hissen einer Regenbogenflagge – oder das Ändern des Logos auf Instagram – genug ist“, so Duong. Wenn er die Flagge irgendwo wehen sehe, frage er sich stets, was die Verantwortlichen darüber hinaus tun. Konkret geht es ihm um die Firmenpolitik, wenn es um die Transition, also um eine Geschlechtsangleichung von Mitarbeitern, gehe. Oder auch, welche Schritte unternommen würden, um Queerfeindlichkeit innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu bekämpfen. Duong resümiert: „Für mich ist das Hissen dieser Flagge an die Bedingung geknüpft, sich auch wirklich um die Belange der Community zu kümmern.“

Jonathan Oremek setzt sich für Toleranz und die Rechte queerer Menschen ein. Das Bild entstand beim Christopher Street Day in ...
Jonathan Oremek setzt sich für Toleranz und die Rechte queerer Menschen ein. Das Bild entstand beim Christopher Street Day in Friedrichshafen. | Bild: Andrea Fritz

Ähnlich sieht das Jonathan Oremek, der sich in der queeren Szene am Bodensee engagiert. „In allererster Linie macht uns die Flagge in Friedrichshafen sichtbarer“, lobt Oremek. „Der nächste Schritt ist, Akzeptanz zu schaffen, damit wir keine Angst mehr haben müssen, zur Arbeit oder in die Schule zu gehen.“ Es könne dabei nicht bei einer Flagge bleiben. Oremek fordert Aufklärungsarbeit und Schulungen, um Akzeptanz zu stärken und gegen Diskriminierung vorzugehen. Wichtig sei das besonders bei der ZF, die aus einer kulturell bunten Belegschaft bestehe.

ZF verweist auf Angebote für Sensibilisierung

Und was tut die ZF nun konkret? Auf erneute Rückfrage verweist der ZF-Sprecher darauf, dass es zahlreiche Offerten im Unternehmensalltag gebe. „Das Diversity Management organisiert regelmäßig Angebote und Trainings für die ZF-Beschäftigten weltweit, um sie für Diversität, Koexistenz, Teilhabe und Inklusion zu sensibilisieren.“ Dazu zählten etwa Vorträge, Workshops und Dialogformate. Der Sprecher verweist auf die Zusammenarbeit mit erfahrenen externen Partnern, etwa der Charta der Vielfalt oder der Organisation Prout at Work.

Der Sprecher schließt: „Eine wichtige Rolle spielen darüber hinaus Communities, in denen sich die Beschäftigten in Eigeninitiative ein Netzwerk schaffen können.“ Die Flagge soll übrigens vor dem ZF-Forum bleiben. Aus dem Konzern heißt es: „Sie wird bis auf Weiteres dort wehen, da wir dieses Thema über den Pride Month hinaus als wichtig erachten.“

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