Wie geht es mit der Zeppelin-Universität (ZU) weiter? Das war die zentrale Frage, mit der sich der Gemeinderat bei seiner Sitzung am Montagabend befassen musste. Schon vor zwei Jahren, im Dezember 2018, hatten die Stadträte einer Erhöhung der Förderung durch die Zeppelin-Stiftung zugestimmt. Da die Uni nun aber unter der neuen Leitung von Professor Klaus Mühlhahn ein neue Strategie entwickelt hatte, kam das Thema noch einmal auf die Agenda.

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Stiftungsrat empfiehlt Neuausrichtung der Hochschule

Peter Gerstmann, Vorsitzender des ZU-Stiftungsrates, erläuterte den Stadträten zunächst, welche Optionen die ZU in ihrer derzeitigen Situation habe. Die vier Vorschläge reichten von einer kompletten Neuausrichtung über eine operative Neuausrichtung bis hin zur Umwandlung in eine Fachhochschule oder gar die Abwicklung. Gerstmann empfahl den Stadträten schließlich, das eine Neuausrichtung der Uni die beste Möglichkeit wäre. Dazu müssten Studienangebote an die Nachfrage angepasst werden, die Studentenzahl steigen und die Uni sich neu positionieren. Das würde drei Millionen Euro an Einmalkosten beinhalten. „Voraussetzung dafür ist aber eine jährliche Grundförderung in Höhe von 8,3 Millionen Euro, die schon einmal beschlossen worden waren“, so Gerstmann. Seit 2019 zahlt die Zeppelin-Stiftung bereits rund sechs Millionen Euro jährlich an die private Hochschule.

Peter Gerstmann, Vorsitzender des ZU-Stiftungsvorstandes.
Peter Gerstmann, Vorsitzender des ZU-Stiftungsvorstandes. | Bild: Zeppelin Gmbh

ZU will mit neuer Strategie zum Erfolg

ZU-Präsident Klaus Mühlhahn stellte die neue Strategie vor, mit der er die ZU wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen will. „Für die Reakkreditierung für das Promotionsrechts brauchen wir mehr Zeit als angenommen“, sagte Mühlhahn. Grundsätzlich fehlen der Hochschule noch acht Lehrstühle, die dafür nötig sind. „So fehlen etwa noch die fünf Lehrstühle, die von den Stiftungsbetrieben eingerichtet werden sollen“, so Mühlhahn. Grundsätzlich wolle sich die Uni internationalisieren, etwa mit englischsprachigen Studiengängen.

Prof. Klaus Mühlhahn, Präsident der Zeppelin Universität Friedrichshafen.
Prof. Klaus Mühlhahn, Präsident der Zeppelin Universität Friedrichshafen. | Bild: Fotograf: ZU/Ilja Mess
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Neue Studiengänge zu Zukunftsthemen geplant

Mittelfristig sollen auch Studienangebote wie Jura oder Psychologie geprüft werden. „Ich wünsche mir, dass die ZU ein wichtiges Tor wird, um internationale Arbeitskräfte in die Region zu holen“, sagte der Präsident. Auch die Studiengebühren sollen nach seiner Ansicht alle zwei Jahre um fünf Prozent steigen und die Verwaltung effizienter werden. „Mittelfristig, also ab 2022, wollen wir neue Studiengänge zu Zukunftsthemen einrichten“, so Mühlhahn. Bis 2025 könne es dann gelingen, die geforderten 38 Lehrstühle zu haben.

Zeppelin-Uni will bis 2024 schwarze Null schreiben

Mit der Förderung von 8,3 Millionen Euro pro Jahr durch die Zeppelin-Stiftung will die Uni all dies bewerkstelligen. „Wenn alles gut läuft, könnten wir dann schon ab 2024 weniger Förderung brauchen“, so Mühlhahn. Er berichtete auch, dass die ZU insgesamt gut durch die Coronakrise gekommen sei. „Wir werden in diesem Jahr sogar ein besseres Ergebnis haben, als geplant“, so Mühlhahn.

Eine neue Strategie soll die Zeppelin-Uni erfolgreicher machen als heute.
Eine neue Strategie soll die Zeppelin-Uni erfolgreicher machen als heute. | Bild: Hurst, Carina

Fraktionen stimmen der Förderung zu

Alle Fraktionen waren sich darin einig, dass die weitere Förderung der ZU nötig sei und gaben ihre einstimmige Zustimmung. Zwar betonte Achim Brotzer (CDU), dass „dieser stolze Zuwendungsbetrag keine Selbstverständlichkeit“ sei angesichts knapper werdender Kassen. Anna Hochmuth, Fraktionsvorsitzende der Grünen und selbst ZU-Studentin, wünschte sich künftig mehr Studenten aus dem Bodenseekreis an der ZU und bescheinigte der Uni eine „immense Strahlkraft über Friedrichshafen hinaus“. Wolfgang Sigg (SPD) bekannte sich klar zur Hochschule, die „das geistige Leben in Friedrichshafen„ befruchte. Auch Dagmar Hoehne von den Freien Wählern betonte, dass die ZU ein wichtiger Baustein in der Bildungslandschaft der Stadt sei. „Mittel, die für Bildung ausgegeben werden, sind immer gut“, sagte Philipp Fuhrmann vom Netzwerk. Auch die FDP und die ÖDP befürworteten die erhöhte Förderung für die private Hochschule.