Nach dreieinhalb Monaten ohne Kita und Schule ist die Freude auf die Sommerferien in vielen Familien eher getrübt. Urlaubstage sind aufgebraucht, lang geplante Jahresurlaube fallen aufgrund schmaler Geldbeutel oder strenger Reisevorschriften ins Wasser. Und dann wird auch noch die Ferienbetreuung zur regelrechten Zitterpartie. Denn besonders für ehrenamtliche Veranstalter, wie die Katholische Gesamtkirchengemeinde, wird es schwierig unter Corona-Bedingungen zu betreuen – und deshalb sagen die ersten ihre Angebote bereits ab.

Von Seiten der Stadtverwaltung gibt es die Zusicherung: „Es sollen in Friedrichshafen so viele Kinder wie möglich betreut werden können. Da die Vorgaben des Landes, die natürlich berücksichtigt werden müssen, noch nicht bekannt sind, können wir aber noch keine Details nennen“, erläutert Stadtsprecherin Monika Blank. Derzeit arbeite die Verwaltung an verschiedenen Konzepten, die mit Eintreffen der rechtlichen Verordnungen angepasst werden könnten. Das sind die vorläufigen Planungen:

Bilder, die es 2020 beim Zeltlager Seemoos so in dieser Form sicher nicht geben wird.
Bilder, die es 2020 beim Zeltlager Seemoos so in dieser Form sicher nicht geben wird.
  • Kitas behalten Schließzeiten bei: „Der Stadtverwaltung und den Trägerschaften ist es sehr wohl bewusst, dass die Eltern in den vergangenen Wochen und Monaten erheblichen Belastungen ausgesetzt wurden“, erklärt Stadtsprecherin Monika Blank. Dennoch sei es aus personeller Sicht sehr schwierig, die Schließzeiten der Kindergärten und Krippen zu kürzen. Da etliche Erzieher zur Risikogruppe gehören, komme es bereits jetzt zu Personalausfällen. „Konsequenz einer grundsätzlichen Kürzung der Schließtage wäre daher eine Überbelastung des im Dienst befindlichen Personals bzw. würden wiederum Gruppenschließungen und Verkürzungen der Betreuungszeiten drohen“, heißt es seitens der Stadtverwaltung. Sollte es allerdings zur „Notfällen“ bei der Betreuung kommen, werde man für betroffene Familien „trägerinterne Betreuungslösungen“ anbieten.
Etliche Schüler konnten per Fernunterricht nicht erreicht werden: sie sollen Hilfe bekommen.
Etliche Schüler konnten per Fernunterricht nicht erreicht werden: sie sollen Hilfe bekommen. | Bild: Robert Kneschke
  • Nachhilfeunterricht für Schüler: Bisher soll es in der letzten Ferienwoche eine Sommerschule an der Ludwig-Dürr-Schule geben, die auch für Schüler der Albert-Merglen-Grundschule und der Pestalozzi-Grundschule offensteht. Geplant sind 25 Plätze. Steffen Rooschütz, geschäftsführender Schulleiter der Häfler Schulen, geht von einem weiteren Angebot aus. Kultusministerin Susanne Eisenmann kündigte an: „Wir planen in diesem Sommer spezielle Förderangebote, damit alle Kinder und Jugendlichen gut in das neue Schuljahr starten können.“ Wie genau das Angebot aussehen soll, ist derzeit noch unklar. Aus dem Kultusministerium heißt auf Nachfrage: Man arbeite unter Hochdruck an einem Konzept, das auf Freiwilligkeit der Schüler beruhe und werde dieses in den kommenden beiden Wochen an die Schulen kommunizieren. „Es wird verschiedene Anreize für Lehrer geben müssen, die so ein Angebot machen sollen, beispielsweise Deputatskürzungen für das neue Schuljahr“, erklärt Rooschütz, „so wie bei den Sommerschulen auch.“
Ferienspaß in der Weilermühle? Das wird in diesem Jahr nix.
Ferienspaß in der Weilermühle? Das wird in diesem Jahr nix. | Bild: Lippisch, Mona
  • Weilermühle ist abgesagt: Die Katholische Gesamtkirchengemeinde hat ihr beliebtes Programm auf dem Freizeitgelände Weilermühle, bei dem normalerweise 400 Kinder teilnehmen, abgesagt. Laut einer Medienmitteillung könnten zum einen täglich nur maximal 70 Kinder bei einer Aktion (sonst 260) betreut werden und es sei schwierig, diese Plätze „gerecht“ zu vergeben. Zum anderen sei es schwierig, auf dem Gelände Abstände und Hygieneregeln einzuhalten. „Wir sehen ein erhöhtes Risiko der Infektionsgefahr, weil alle Kinder und Mitarbeiter abends heimgehen „, erklärt Jessica Schuff. Auch die Unterbringung der Betreuer sei problematisch, da viele nicht aus Friedrichshafen stammen würden. Man habe sich deshalb schweren Herzens entschieden, das beliebte Angebot 2020 abzusagen.
  • Spielehausferien sollen stattfinden: Die Stadtverwaltung plane, dass die Spielehausferien stattfinden, so Blank. Geplant sei, dass das Molke-Team unterstützt und die Räumlichkeiten des Jugendhauses zusätzlich genutzt werden können, so Blank. Laut einem Sprecher des Sozialministeriums in Stuttgart wird am heutigen Dienstag, 23. Juni, über Anpassungen der Landes-Corona-Verordnung abgestimmt. In deren Folge soll es auch Handlungsempfehlungen für Veranstalter von Kinderferienprogrammen geben, heißt es aus dem Sozialministerium.

Jugendliche, die vom Zeltlager Seemoos ins Lager Benistobel wandern und von dort aus nach Schwende weiterziehen? Das wird in Corona-Zeiten ein Ding der Unmöglichkeit.
Jugendliche, die vom Zeltlager Seemoos ins Lager Benistobel wandern und von dort aus nach Schwende weiterziehen? Das wird in Corona-Zeiten ein Ding der Unmöglichkeit. | Bild: Wolf-Dieter Guip
  • Losverfahren für Zeltlager Seemoos: Die Veranstalter von Zeltlagern haben bereits eine Handlungsempfehlung des Sozialministeriums bekommen. Diese sieht vor, die Lager auf maximal 100 Teilnehmer (inklusive Betreuer) zu beschränken, die in Gruppen von bis zu 20 Teilnehmer eingeteilt werden dürfen. Die Gruppen sollen möglichst den Mindestabstand von 1,5 Meter einhalten und dürfen sich nicht untereinander mischen. „Unsere Lager finden statt, allerdings mit viel weniger Teilnehmern“, erklärt Helmut Bender vom Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ), der die Lager Seemoos, Benistobel und Schwende veranstaltet. Im Lager Seemoos dürfen beispielsweise statt 330 Kinder nur 70 kommen. „Es gibt ein Losverfahren“, so Bender, „und nur die, die kommen, zahlen.“
  • Zeltlager Baierz steht auf der Kippe: Während hinter den BDJK-Lagern hauptamliche Betreuer stehen, wird das beliebte Zeltlager Baierz nur von Ehrenamtlichen der KJG St. Nikolaus betrieben. 140 Kinder und 40 Betreuer nehmen normalerweise teil, in diesem Jahr dürften insgesamt maximal 100 mit. „Für uns wäre das ein extremer Aufwand und wir wissen noch nicht, wie es mit der Haftung aussieht“, erklärt Lagerleiter Benjamin Gebauer. Eigentlich wolle man das Lager auch unter Corona-Bedingungen stattfinden lassen, aber eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefällt worden.
Auch die Spielehausferien sollen 2020 stattfinden. Unklar ist jedoch noch in welcher Form, denn das Land Baden-Württemberg hat dazu noch keine Bestimmungen herausgegeben.
Auch die Spielehausferien sollen 2020 stattfinden. Unklar ist jedoch noch in welcher Form, denn das Land Baden-Württemberg hat dazu noch keine Bestimmungen herausgegeben. | Bild: Lippisch, Mona
  • Betreuungsverein kann Angebot verstärken: „Bisher schließt die Corona-Verordnung eine weitere Nutzung der Schule aus, aber ich gehe davon aus, dass diese Regelung für die Sommerferien nicht mehr gilt“, sagt Rooschütz, der den Betreuungsverein leitet. Dann will er sowohl an der Albert-Merglen-Schule, als auch an der Ludwig-Dürr-Schule 25 Ferienbetreuungsplätze in der ersten und den letzten beiden Ferienwochen anbieten. „Wir könnten auch an weiteren Schulen weitere Plätze schaffen, wenn der Bedarf da ist“, erklärt Rooschütz. So könnten dann mindestens 75 Kinder betreut werden.
  • Kleine Anbieter haben es schwer: Besonders schwierig ist es in diesem Jahr für alle Veranstalter aus dem ehrenamtlichen Bereich und auch für kleinere, private Anbieter. Der Familientreff Insel hat seine Betreuung bereits abgesagt. Als Gründe nennt Vorständin Natascha Acikgöz zum einen die Corona-Pandemie, zum anderen eine schwierige Personalsituation. Auch das Sportcamp Rovo-Camp findet nicht statt, da laut Veranstalter der VfB Friedrichshafen die Kooperation jüngst aufgelöst hat. Die Sommercamp-Woche der Kindersportschule (KISS) des VfB hingegen soll wie geplant stattfinden, Auch der private Tenniscamp-Anbieter „Power the Ball“, der auf dem Vereinsgelände der Tennisvereine Kluftern und Ailingen Wochencamps anbietet, will unter Corona-Bedingungen starten. „Das ist ein erheblicher Mehraufwand für uns, aber vorausgesetzt wir dürfen, machen wir es auch“, sagt Veranstalter Mathias Messmer. Rund 70 von 200 Plätzen seien noch frei.

Hier gibt es noch Ferienbetreuung

Für viele große Kinderferienangebote ist die Anmeldefrist bereits abgelaufen, zum Beispiel für die Spielehausferien oder die Weilermühle. Doch wer kurzfristig noch Betreuung benötigt, bekommt hier Hilfe:

Kindergärten: Da die Einrichtungen sehr unterschiedliche Schließzeiten und Wochen haben, wird hier trägerintern nach Notbetreuung gesucht, falls die nötig ist. Das heißt aber, dass Kinder während der Kitaferien auch in einer anderen Einrichtung des Trägers betreut werden müssen, die gerade nicht zu ist. Hier müssen sich Eltern direkt an die Kitaleitung wenden.

  • Betreuungsverein: Der Betreuungsverein hat noch freie Plätze für seine Ferienbetreuung an der Albert-Merglen-Schule und der Ludwig-Dürr-Schule und kann bei Bedarf auch an weiteren Schulen Kindern zwischen 6 und 10 Jahren betreuen – in der ersten und den letzten beiden Ferienwochen. Zeiten sind von 8.30 bis 13.15 Uhr (50 Euro/Woche, inkl. Mittagessen) oder von 8.30 bis 15.30 Uhr (70 Euro/Woche, inkl. Mittagessen). Anmeldung online unter: http://www.be-fn.com
  • Sommer-Sport-Camps: Tennistrainer Mathias Messmer bietet einwöchige ganztägige Tenniscamps (7.45 Uhr bis 17 Uhr, Kosten 259 inkl. Essen) auf den Vereinsgelände der Tennisvereine Kluftern und Ailingen. Hier gibt es noch 70 Plätze. Anmeldung unter: http://www.power-the-ball.de
  • Wissenswerkstatt: Als tolle Abwechslung für zwischendurch bietet die Wissenswerkstatt für kleine Forscher kostenlose naturwissenschaftliche Kurse, die auch online stattfinden. Reinschauen lohnt sich: http://www.wiwe-fn.de
  • Komplettes Programm: Die Stadt veröffentlich hier das gesamte Programm und ist in erster Linie Ansprechpartner bei Engpässen und Notfällen: http://www.friedrichshafen.de/buerger-stadt/bildung-betreuung/kinderbetreuung/ferienbetreuung