Die Geschäftsführer Lars Reufsteck und Marco Abt haben erst vor knapp zwei Monaten ein Abholangebot im Buchhorner Hof ins Leben gerufen – den Pavillon am See gegenüber halten sie weiterhin komplett geschlossen. „Wir wollten nichts anfangen, was wir dann wieder einstellen müssen“, erläutert Reufsteck.

Das könnte Sie auch interessieren

Zudem hätten sie ihre Gäste eher so eingeschätzt, dass diese gar kein Essen für Zuhause abholen würden. „Wir dürfen ja Geschäftsreisende im Hotel begrüßen und haben dort immer wieder abgefragt: Anfangs war keinerlei Interesse an einem Abendessen vorhanden“, erläutert er die Entscheidungsfindung. Erst als die Nachfrage aufgekommen sei, hätten sie dann ein Abholangebot gestaltet. Da die Küche nun auch Hotelgäste bewirte, sei das Abholangebot im Buchhorner Hof beziehungsweise den Buchhorner Stuben (aktuell ist dafür ebenfalls der Hoteleingang der geöffnet) machbar.

Schwierig, für Zuhause dieselbe Qualität zu bieten

„Es ist schwierig, für Zuhause dieselbe Qualität zu bieten, wie man sie à la minute im Restaurant zubereitet und an den Tisch bringt“, ergänzt Abt. Die Abholkarte habe er so gestaltet, dass man die Speisen fertig heiß zubereitet mitnehmen könne oder aber zuhause aufwärmen. „Zu Ostern habe ich eine Anleitung mit Bildern erstellt, damit man die Teller auch so anrichten kann, wie wir es tun würden und wir haben zur Deko auch die Kräutchen beigelegt“, schildert er.

Marco Abt und Lars Reufsteck sind erst vor zwei Monaten mit ins Abholgeschäft während der Coronazeit eingestiegen: „Anfangs war gar keine Nachfrage da, auch nicht bei den wenigen Hotelgästen, die wir beherbergen durften“, schildert Abt.
Marco Abt und Lars Reufsteck sind erst vor zwei Monaten mit ins Abholgeschäft während der Coronazeit eingestiegen: „Anfangs war gar keine Nachfrage da, auch nicht bei den wenigen Hotelgästen, die wir beherbergen durften“, schildert Abt. | Bild: Lena Reiner
„Uns war außerdem wichtig, dass unsere Mitarbeiter ein bisschen mehr verdienen können als das Kurzarbeitergeld.“
Lars Reufsteck, Buchhorner Hof

Reufsteck betont: „Uns war außerdem wichtig, dass unsere Mitarbeiter ein bisschen mehr verdienen können als das Kurzarbeitergeld.“ Die Mitarbeiter in der Gastronomie treffe der Shutdown am härtesten: Das Trinkgeld, das in der Gastronomie einen nennenswerten Anteil der Einnahmen ausmache, werde schließlich nicht in die Berechnungsgrundlage für das Kurzarbeitergeld einbezogen. „Ein paar unserer Mitarbeiter mussten sich daher zusätzlich einen 450-Euro-Job suchen“, weiß er. Auch hätten ein paar Mitarbeiter gekündigt, da sie so nicht weitermachen könnten. „Das ist bei all unseren Kollegen in der Gastronomie genauso der Fall“, ergänzt er.

Startklar seien sie dennoch, sollte die Gastronomie wieder öffnen dürfen, trotz eines Umsatzeinbruchs von mehr als 90 Prozent: „Einen Großteil des Teams konnten wir halten. Das ist das Wichtigste.“

Geschäftsführer Lars Reufsteck findet: „Wir wollten nicht zu früh anfangen und das Angebot dann wieder streichen müssen. Unsere Gäste sollen die Sicherheit haben, dass das Angebot bestehen bleibt.“
Geschäftsführer Lars Reufsteck findet: „Wir wollten nicht zu früh anfangen und das Angebot dann wieder streichen müssen. Unsere Gäste sollen die Sicherheit haben, dass das Angebot bestehen bleibt.“ | Bild: Lena Reiner

Auch Reinhard Klumpp, der in Friedrichshafen unter anderem das Wirtshaus am See betreibt, denkt in der aktuellen Situation vor allem an seine Mitarbeiter. „Sie haben mich auch dazu überredet, überhaupt einen Lieferservice anzubieten“, gibt er ganz offen zu. Gerade seine langjährigen Mitarbeiter hätten direkt zu Beginn des ersten Shutdowns ein solches Angebot zur Sprache gebracht; er sei anfangs skeptisch gewesen.

„Ich freue mich, dass ich oft bekannte Gesichter wiedersehe. Da wir zuverlässig für sie da sind, sind sie uns auch in stürmischen Zeiten treu.“
Reinhard Klumpp, Wirtshaus am See

Und heute? „Ich war überrascht, da der Lieferservice deutlich besser anlief, als ich es erwartet hätte“, schildert er. Natürlich gebe es gute und schlechte Tage und gerade bei schlechtem Wetter würde auch das Abholangebot kaum in Anspruch genommen. „Da sehe ich mich dann aber auch als Dienstleister“, betont er. Und ein Dienstleister könne nicht nur die sonnigen Tage mitnehmen, das habe er von seinem Vater gelernt, der eine kleine Gärtnerei im Schwarzwald betrieben habe, die auch dann geöffnet geblieben sei, wenn ein Tag mit zwei Kunden besonders schwach gewesen sei. Die Gäste des Wirtshaus am See jedenfalls dankten es ihnen: „Ich freue mich, dass ich oft bekannte Gesichter wiedersehe. Da wir zuverlässig für sie da sind, sind sie uns auch in stürmischen Zeiten treu.“

Ob eitel Sonnenschein oder strömender Regen: Das Abhol- und Lieferangebot des Wirtshaus am See bleibt bestehen. Das hat Reinhard Klumpp seinen Mitarbeitern und Gästen versprochen. „Zum Lieferservice habe ich mich von meinen Mitarbeitern überreden lassen. Es läuft aber besser, als ich es erwartet hätte“, verrät er.
Ob eitel Sonnenschein oder strömender Regen: Das Abhol- und Lieferangebot des Wirtshaus am See bleibt bestehen. Das hat Reinhard Klumpp seinen Mitarbeitern und Gästen versprochen. „Zum Lieferservice habe ich mich von meinen Mitarbeitern überreden lassen. Es läuft aber besser, als ich es erwartet hätte“, verrät er. | Bild: Lena Reiner

Dabei hätten sie selbst während des Shutdowns neue Gäste dazugewinnen können. „Manche haben unser Angebot beim Spaziergang an der Promenade entdeckt und kommen seitdem immer wieder“, schildert Klumpp. Während sie den Abhol- und Lieferservice während sämtlicher Gastronomieschließungstage des Pandemieverlaufs durchgehalten hätten, hätten sie inzwischen außerdem eine besondere Karte ausgearbeitet. „Die Preise sind um den Betrag vergünstigt, den wir an Gebühren bezahlen müssten, würden wir über Lieferando unser Angebot machen“, erklärt er. So hätten die Gäste einen Mehrwert vom Verzicht auf die Onlineplattform.

Kein Gewinn mit Abhol- und Lieferservice

Allerdings sei natürlich klar, dass als Restaurant, das aufs Geschäft vor Ort auslegt sei, mit einem Abhol- und Lieferservice kein Gewinn gemacht werden könne: „Es dient vor allem dazu, dass meine Mitarbeiter ein bisschen mehr verdienen als in der Kurzarbeit und wir für unsere Gäste da sind.“

Zur Erinnerung: So sah es vor einem knappen Jahr im und um den Biergarten des Wirtshaus am See aus.
Zur Erinnerung: So sah es vor einem knappen Jahr im und um den Biergarten des Wirtshaus am See aus. | Bild: Lena Reiner

Im ehemaligen Amicus, dem Restaurant beim Kulturhaus Caserne im Gebäude des Fallenbrunnen 17, ist die Stimmung ähnlich: Die Motivation im neuen „i Fratelli“ ist hoch, obwohl eine Wirtschaftlichkeit derzeit kaum gegeben sei. Die Brüder Piero und Alexandros Ledda führen das Restaurant, das coronabedingt bislang nie komplett geöffnet sein durfte. Der Pächterwechsel fand während des Gastronomie-Shutdowns statt.

„Es hilft ja nichts, jetzt nichts zu machen. Am liebsten würden wir natürlich das Restaurant öffnen, aber das geht nunmal nicht. Durch den Lieferservice und das Abholangebot haben wir aber immerhin etwas zu tun“, erklärt Alexandros Ledda. Auch könnten so Mitarbeiter etwas mehr Geld erhalten als den Kurzarbeiterlohn.

„Es hilft ja nichts, jetzt nichts zu machen.“
Alexandros Ledda, „i Fratelli“ im Fallenbrunnen
Piero Ledda sagt: „Wenn das aktuelle Angebot kostendeckend ist, ist schon viel erreicht.“ Gemeinsam mit Bruder Alexandros (links) führt er das Restaurant „i Fratelli“ am Fallenbrunnen 17, das coronabedingt bislang nie komplett geöffnet sein durfte. Der Pächterwechsel fand während des Gastronomie-Shutdowns statt.
Piero Ledda sagt: „Wenn das aktuelle Angebot kostendeckend ist, ist schon viel erreicht.“ Gemeinsam mit Bruder Alexandros (links) führt er das Restaurant „i Fratelli“ am Fallenbrunnen 17, das coronabedingt bislang nie komplett geöffnet sein durfte. Der Pächterwechsel fand während des Gastronomie-Shutdowns statt. | Bild: Lena Reiner

Sein Bruder Piero, mit dem gemeinsam er die Pacht des Restaurants übernommen hat, stimmt zu und ergänzt: „Das Mittagsgeschäft läuft auch ganz gut. Abends ist es mal mehr und mal weniger gut.“ Dabei wirke sich etwa das Wetter auf die Nachfrage aus. „Ist das Wetter gut, sind die Leute tagsüber länger unterwegs und haben dann abends eher keine Lust zu kochen. Ist das Wetter schlecht, sind sie sowieso zuhause und kochen dann auch meist selbst“, schildert er.

Grundsätzlich wären die beiden bereit, ihr Restaurant „i Fratelli“ sofort zu eröffnen. Eigentlich hatten die Brüder, Gastronomen in der dritten Generation, bereits 2020 eröffnen wollen. Nicht nur Corona bremste sie damals aus, sondern auch die im vergangenen Jahr festgestellten Brandschutzmängel im gesamten Gebäude. „Inzwischen ist im Restaurant alles geklärt und umgebaut“, erklärt Piero.

Wind und Regen haben zwar ihre Spuren hinterlassen, aber bis auf die heruntergefallenen Zapfen von den Bäumen wartet der Außenbereich des Restaurants frisch herausgeputzt auf seine ersten Gäste nach dem Pächterwechsel.
Wind und Regen haben zwar ihre Spuren hinterlassen, aber bis auf die heruntergefallenen Zapfen von den Bäumen wartet der Außenbereich des Restaurants frisch herausgeputzt auf seine ersten Gäste nach dem Pächterwechsel. | Bild: Lena Reiner

Doch nicht nur der Innenraum ist nun modernisiert, auch im Außenbereich sind die Bodenplatten von jedem Schimmer Moos befreit. Der Biergarten wäre ideal für die Bewirtung in Corona-Zeiten: Die Sitzmöglichkeiten sind auf kleine Einheiten verteilt – getrennt von Grünstreifen und Pflanzen.

„Das Restaurant mit seinem Außenbereich sollte eigentlich unser Kerngeschäft sein. Ein Lieferservice war nur als Zusatzangebot geplant“, schildert Piero Ledda. Beim Liefern sei auch die Gewinnmarge deutlich geringer, da ein Fahrer und Benzin bezahlt werden müsse. Gleichzeitig sei gerade das Lieferangebot aktuell wichtig, um das neue Restaurant bekannt zu machen: „Hier draußen haben wir ja keine Laufkundschaft. Die Hochschulen sind derzeit auch geschlossen.“

Das könnte Sie auch interessieren