Als der Immenstaader IT-Spezialist Klaus Reiner vom Start-up S4-Analytics als Solo-Selbstständiger im Dezember 2018 mit virtuellen Konzepten gründete, konnte sich niemand vorstellen, wie das in der Praxis funktionieren soll. Heute hat Klaus Reiner zwei fest angestellte Mitarbeiter, eine Teilzeitkraft und ein Dutzend Kunden im Bodenseekreis, in Österreich und in der Schweiz – aber noch immer kein Firmengebäude.

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„Die Idee war von Anfang an, dass wir das, was wir beim Kunden machen – nämlich Systemlandschaften vereinfachen – auch selber leben“, sagt Klaus Reiner. S4-Analytics sei daher bewusst als ein rein virtuelles Unternehmen angedacht – kein Firmengebäude, kein Dienstwagen. Demosysteme und Systemlandschaften lagern in der Cloud und Websessions ersetzen die Gespräche vor Ort beim Kunden. Das erspart beiden Seiten Zeit und Geld. Geld, das sowohl der Produkt- als auch der Mitarbeiter-Entwicklung gezielt zugutekommt.

Zusammenarbeit per Whiteboard und Videotechnik

Die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern funktioniert per Whiteboard und Videotechnik, was sich, das gibt Reiner gerne zu, „erst einschwingen musste“. Aber nur so geht es, wenn einer der Mitarbeiter in Mannheim und ein anderer sogar in Australien sitzt. Im virtuellen Raum entwickeln sie für die SAP-Oberfläche firmenindividuelle Lösungen für Planungsaufgaben und das Berichtswesen der Kunden.

Klaus Reiner ist Gründer und Geschäftsführer von S4-Analytics in Immenstaad. Das digitale Start-up hat Erfolg mit Dienstleistungen wie dem Corona-Dashboard für die SAP-Oberfläche.
Klaus Reiner ist Gründer und Geschäftsführer von S4-Analytics in Immenstaad. Das digitale Start-up hat Erfolg mit Dienstleistungen wie dem Corona-Dashboard für die SAP-Oberfläche. | Bild: S4-Analytics

Neu hinzugekommen ist ein Corona-Dashboard, das Geschäftsführern und Managern den Stand der Pandemie weltweit an ihren Werksstandorten oder Absatzmärkten grafisch anzeigt, sodass ein Nachjustieren der Rahmenbedingungen, bessere Planungen und dadurch noch genauere Prognosen möglich sind. Die Kunden sehen dann beispielsweise, an welchen ihrer Standorte Mitarbeiter gefährdet sind oder ob sich Umsatzeinbrüche auf Corona zurückführen lassen. „Die Daten dafür beziehen wir aus dem Internet, von den entsprechenden Behörden und kombinieren Sie mit firmeneigenen Daten“, sagt Klaus Reiner. Auch die Kunden finden hauptsächlich über Empfehlungen auf Plattformen wie Xing oder Linkedin zu ihm. Das Geschäft läuft so gut, dass bereits Neueinstellungen geplant sind. Physisch begegnen sich die S4-Analytics-Mitarbeiter fast nur zu Team-Building-Maßnahmen wie Betriebsausflug und Weihnachtsfeier.

DoubleSlash: Neues Bürogebäude für 300 Mitarbeiter

Ganz anders läuft es bei der DoubleSlash Net-Business GmbH. Die Welt des Häfler Software-Hauses basiert zwar auch auf Internet-Technologien, aber auf persönliche Zusammenarbeit und einen regen Austausch wird hier größten Wert gelegt. Entgegen des Trends erweitert das Unternehmen die Büroflächen an allen drei Firmenstandorten (Friedrichshafen, München und Stuttgart). In Friedrichshafen wird gerade ein Bürogebäude für rund 300 Mitarbeiter gebaut – das SIZ (Software-Innovationszentrum).

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„Wir sind in den vergangenen Jahren erfreulicherweise stark gewachsen und haben das Glück, dass wir jetzt ein Gebäude bekommen, das auf unsere Bedürfnisse ausgerichtet ist“, sagt Andreas Strobel, als Geschäftsführer verantwortlich für die Bereiche Connected Mobility und Connected Logistics, die durch Corona noch an Bedeutung gewonnen haben.

Passt ein Auftrag nicht zu den internen Werten, wird er abgelehnt

DoubleSlash ist nach Unternehmensangaben unter anderem produktverantwortlich für eines der größten Ladenetzwerke, die es gibt, und engagiert sich auch in Sachen Nutzenoptimierung. „Wir haben den Autoschlüssel digitalisiert und aufs Mobiltelefon gebracht“, nennt Andreas Strobel ein Beispiel. So lässt dieser sich leicht weitergeben und man kann sogar die Höchstgeschwindigkeit aus der Ferne begrenzen, wenn der Nachwuchs das Auto nutzt.

Die Assistenzsysteme für Fahrzeuge sind in einer Phase, in der die Algorithmen so optimiert werden, dass die Systeme anfangen zu lernen. „Aber das ist eine längere Wegstrecke, weil da ethische und moralische Themen sehr wichtig sind“, sagt Andreas Strobel.

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Teamwork liefert immer die besten Ergebnisse

Ethische Grundsätze unterscheiden die Firma auch von vielen Mitbewerbern und sind Teil des Erfolges, sagt der Chef. Passt ein Auftrag nicht zu den internen Werten, wird er abgelehnt. Es gebe kaum Mitarbeiterfluktuation. „Für unsere Talente ist es enorm wichtig, dass sie nicht nur Geld verdienen, sondern einen Sinn in ihrer Arbeit sehen. Sie wollen mit dem, was sie tun, einen gesellschaftlichen Beitrag leisten“, sagt Strobel. Teamwork liefere dabei stets die besten Ergebnisse. Das hat auch im Corona-Lockdown sehr gut funktioniert, als alle Mitarbeiter im Homeoffice blieben.

„Unsere Werte – gemeinsam, offen, nachhaltig und begeistert – haben uns gut durch die Zeit geführt.“
Marketingreferentin Lena Sieber

„Unsere Werte – gemeinsam, offen, nachhaltig und begeistert – haben uns gut durch die Zeit geführt. Wir haben unsere Gemeinschaft jederzeit beibehalten, denn wir haben uns regelmäßig virtuell getroffen, haben abends Teamevents remote organisiert und uns manchmal zum Mittagessen ‚getroffen‘“, sagt Marketingreferentin Lena Sieber. „Offen für Neues zu sein und auszuprobieren. liegt uns im Blut – daher sind schnell kreative Ideen entstanden.“

Zusätzlich habe die Geschäftsführung wöchentlich eine Mitarbeiterinformation zum Stand der Finanzen und der Auftragslage herausgebracht, schließlich sind durch die Beteiligungs-AG 24,9 Prozent der Firma in Mitarbeiterhand.

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