Was schon für die großen Lichtspielhäuser, wie das Cineplex, eine Herausforderung ist, trifft die kleinen Kinos umso heftiger. „2021 war ein hartes Jahr voller Unsicherheiten“, sagt Bastian Prieß, Geschäftsführer des Kulturzentrums Linse in Weingarten. „Die ‚Linse‘ leidet in der und durch die Covid-19-Pandemie.“ Der Dezember sei dabei besonders kritisch gewesen.

Das könnte Sie auch interessieren

Das führt er persönlich auch auf das „gigantische Regelchaos“ in Baden-Württemberg zurück. „Die meisten Anrufe, welche uns in dieser Zeit erreichten, kamen von Gästen, welche schlichtweg nicht mehr wussten, welche Regeln mit welchen Ausnahmen nun gelten“, beklagt er.

Mitarbeiter der „Linse“ freuen sich über steigende Besucherzahlen

Mit halbiertem Personaleinsatz und dafür ehrenamtlichen Sonderdiensten wurden die Hygienekonzepte immer wieder aktualisiert, um das Angebot sicher zu gestalten. Dazu fiel durch die Ausweis- und Impfnachweiskontrollen oftmals zusätzliche Arbeit an. Doch sein Team habe durchgehalten und sei optimistisch am Ball geblieben, freut sich der Geschäftsführer. Und seit Januar gingen die Besucher- und Umsatzzahlenzahlen wieder hoch.

Vielleicht auch, weil sich herumgesprochen habe, dass konsequent auf die Hygienevorschriften geachtet werde, was vielen ein Gefühl der Sicherheit gebe, mutmaßt Prieß und gibt zu bedenken: „Doch was die Besucherzahlen und den Tagesbetrieb angeht, sind wir natürlich noch weit von der Normalität früherer Zeiten entfernt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Das sei nun die Aufgabe für 2022, sich Stück für Stück mit viel Geduld wieder dort hinzuarbeiten. Prieß gibt sich optimistisch: „Wir merken unseren Gästen an, dass Kultur und Kino in ihrem Alltag in letzter Zeit zu kurz gekommen sind.“

Claus-Michael Haydt, Geschäftsführer der Kulturhaus Caserne gGmbH und Mitbegründer des gleichnamigen Veranstaltungsorts.
Claus-Michael Haydt, Geschäftsführer der Kulturhaus Caserne gGmbH und Mitbegründer des gleichnamigen Veranstaltungsorts. | Bild: Lena Reiner

Studio 17 zieht ins Karl-Maybach-Gymnasium um

Ein Phänomen, das auch Claus-Michael Haydt beobachten kann. „Die Menschen freuen sich, dass die Kultur präsent ist“, sagt er. Auch während der Corona-Maßnahmen sieht der geschäftsführende Gesellschafter der Kulturhaus Caserne GmbH aus Friedrichshafen keine Probleme für den Kulturbetrieb. Und dass die Hygienekonzepte funktionieren, habe sich bereits im vergangenen Jahr gezeigt. Deshalb soll auch das Kino im Fallenbrunnen, das Studio 17, nicht endgültig von der Leinwand verschwinden.

Arthouse-Kinos

Dort wurde eine Übergangslösung nötig, weil in den nächsten Jahren Sanierungsarbeiten anstehen. „Bürgermeister Andreas Köster hat sich mächtig ins Zeug gelegt“, sagt Haydt. Das Studio 17 hat im Cinéma im Karl-Maybach-Gymnasium Asyl gefunden. Schulleiter Christoph Felder sei offen für die Idee und freue sich über die Synergien, lobt Haydt. Selbstverständlich sei das nicht.

Das Gebäude im Fallenbrunnen, in dem das Studio 17 untergebracht ist, muss saniert werden.
Das Gebäude im Fallenbrunnen, in dem das Studio 17 untergebracht ist, muss saniert werden. | Bild: Anette Bengelsdorf

Während für das Restaurant und das Atrium teilweise temporäre Lösungen geschaffen wurden, werden die baulichen Maßnahmen am Gebäude im Fallenbrunnen 17, dem Ostflügel entlang der Straße, voraussichtlich noch drei Jahre in Anspruch nehmen. „Derzeit läuft die Planung für das gesamte Gebäude mit allen Nutzungseinheiten“, erzählt Haydt. Die Mittel seien teilweise eingestellt, weiß er, und nach dem Gemeinderatsbeschluss werde das Bauvorhaben ausgeschrieben. „Bis mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden kann, wird deshalb sicherlich noch ein Jahr vergehen“, vermutet er. Und so lange wolle niemand auf das Kino verzichten.

Das könnte Sie auch interessieren

Zurück zu den Ursprüngen

Jetzt kehrt das Studio 17 an seinen Anfang und Ursprung zurück: „Als die französischen Besatzer 1993 Friedrichshafen endgültig verlassen hatten, bauten wir die Bestuhlung in ihrem Kino, dem Cinéma, aus und installierten sie im Fallenbrunnen“, erinnert sich Haydt. Selbst die orangegelben Sessel, damals für die höheren Dienstgrade reserviert, wurden eingelagert und sind noch erhalten. Im Cinéma laufen derzeit die nötigen Vorbereitungsarbeiten.

Der Schriftzug des Cinéma ist heute an der Innenwand des ehemaligen Kinos angebracht.
Der Schriftzug des Cinéma ist heute an der Innenwand des ehemaligen Kinos angebracht. | Bild: Anette Bengelsdorf

Da die Leinwand vom Fallenbrunnen im Format nicht passt, muss eine neue installiert werden. Zudem ist die Entfernung zum Projektor größer, sodass dessen Brennweite angepasst werden muss. Claus-Michael Haydt sagt: „Wir sind froh, dass wir dem Arthouse-Kino in Friedrichshafen demnächst wieder eine Heimat bieten können“.