Ein Trauerfall in der Familie ist furchtbar und für die Angehörigen sowieso schon schwer. In Corona-Zeiten wird es für sie noch schwerer, Abschied zu nehmen. Neben all der Bürokratie, die sowieso schon anfällt, müssen die Angehörigen nun auch noch die Vorgaben der Corona-Verordnung beachten. Die gelten auch für Beerdigungen und Todesfälle.

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Als Melanie Urbans Mutter Marlies am 17. November nach langer Krankheit im Hospiz stirbt, kann Marlies Werners Lebensgefährte nicht bei ihr sein, weil er erhöhte Temperatur hatte und keinen Zutritt bekam. Für ihn und Melanie Urban ist das eine bittere Erfahrung. „Er konnte sich auch am nächsten Tag nicht von ihr verabschieden, weil meine Mutter schon vom Bestatter weggebracht worden war. Das war sehr schwierig für ihn und uns“, erzählt sie.

Marlies Werner starb am 17. November.
Marlies Werner starb am 17. November. | Bild: Melanie Urban

100 Gäste sind draußen bei einer Trauerfeier trotz Corona noch erlaubt

Nun musste Melanie Urban die Beerdigung für ihre Mutter organisieren. Was sie nicht wusste: Theoretisch erlaubt die Corona-Verordnung des Landes 100 Trauergäste, solange sie unter freiem Himmel bleiben. In die Aussegnungshalle des städtischen Friedhofs dürfen 36 Menschen. „Aber so viele Gäste haben wir von Anfang an nicht in Erwägung gezogen, allein aus Angst vor Corona sowohl bei den Gästen als auch bei uns“, sagt Urban.

Todesanzeigen ohne Angaben von Zeit und Ort der Bestattung

In Corona-Zeiten finden sich auf Todesanzeigen selten die genauen Angaben zum Begräbnis. Meist heißt es „wird im engsten Familienkreis beigesetzt“, denn nur so können die Angehörigen gewährleisten, dass nicht zu viele Menschen kommen. Melanie Urban löste dieses Problem, indem sie um eine telefonische Anmeldung bat. „So wusste ich, wie viele Menschen kommen wollten“, sagt sie. Aber während der Pandemie bleiben Beerdigungen eher im kleinen Kreis, denn viele Freunde oder Verwandte bleiben vorsichtshalber lieber Zuhause.

Die Todesanzeige von Marlies Werner – statt den Ort und die Uhrzeit der Beerdigung zu nennen, sollen sich die Menschen telefonisch anmelden, damit die Corona-Regeln eingehalten werden können.
Die Todesanzeige von Marlies Werner – statt den Ort und die Uhrzeit der Beerdigung zu nennen, sollen sich die Menschen telefonisch anmelden, damit die Corona-Regeln eingehalten werden können. | Bild: Melanie Urban

Liste mit allen Kontaktdaten muss auch bei Trauerfeiern vorliegen

Für die Behörden musste sie eine genau Liste erstellen mit allen Adressen und Kontaktdaten derer, die zur Beerdigung kommen sollten. „Das war ganz schön aufwendig“, sagt Melanie Urban . Am Ende aber wollte gar niemand diese Liste sehen – sie wäre nur gebraucht worden, wenn eine Kontaktverfolgung nötig geworden wäre.

Auch bei einer Bestattung gilt die Maskenpflicht – auch für Angehörige. „Das war wirklich furchtbar, denn natürlich habe ich viel geweint. Mit einer durchweichten Maske bei der Trauerfeier dabei zu sein ist nicht schön“, sagt Melanie Urban. Sie könne nicht verstehen, warum nicht wenigstens draußen vor dem Grab die Maskenpflicht aufgehoben werde – dort könnten die Menschen ja ganz einfach Abstand halten. „Das kann man schon kritisch hinterfragen, finde ich“, sagt sie.

Die Beerdigung von Marlies Werner fand unter Coronabedingungen statt. Nicht einfach für die Angehörigen.
Die Beerdigung von Marlies Werner fand unter Coronabedingungen statt. Nicht einfach für die Angehörigen. | Bild: Melanie Urban

Ein Zusammenkommen nach der Trauerfeier ist in diesen Zeiten nicht möglich

Besonders schmerzhaft aber war, dass es keinen Leichenschmaus geben konnte, denn die Corona-Verordnung erlaubt ja nur Zusammenkünfte zweier Haushalte. „Das hat ganz definitiv gefehlt, weil wir eine Patchworkfamilie sind. Es war für uns sehr traurig, dass wir nicht zusammen sein konnten“, erzählt Melanie Urban. Stattdessen lud sie die aller engsten Familienmitglieder zu sich nach Hause ein. „Da haben wir uns gemeinsam noch einmal Fotos und Erinnerungsstücke meiner Mutter angeschaut. Das war wirklich wichtig und fast schöner als die eigentliche Trauerfeier.“

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Abschiede finden nur im engsten Familien- und Freundeskreis statt

Thomas Pohl ist Bestatter in Friedrichshafen. Er hat im Laufe dieses Corona-Jahres die Erfahrung gemacht, dass sich die Angehörigen schon an die vielen Einschränkungen gewöhnt haben. „Den meisten ist klar, dass in diesen Zeiten keine Trauerfeiern mit 200 Menschen stattfinden können“, sagt Pohl. Er habe die Erfahrung gemacht, dass es für manch eine Familie auch eine Entlastung sei, wenn der Abschied eben nur im engsten Freundes- und Familienkreis stattfindet.

Bestatter Thomas Pohl.
Bestatter Thomas Pohl. | Bild: SK

Thomas Pohl bestattete bereits zwei Corona-Opfer

Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern achtet er darauf, dass die Angehörigen die Listen für das Kontaktmanagement auch richtig machen. „Ich schicke dann auch meistens einen Mitarbeiter zur Beerdigung, der dann kontrolliert, falls noch Menschen kommen, die vorher nicht angemeldet waren“, so der Bestatter. Bisher war er für die Beerdigung zweier Menschen, die an Corona verstarben, zuständig. Das war im Frühling. Bei diesen Toten durften die Angehörigen sie nicht noch einmal am Sarg verabschieden, so hatte es die Landesregierung vorgegeben. Bei solchen Toten muss Pohl noch ein bisschen mehr als sonst auf die Hygiene achten. „Den Corona-Toten haben wir eine Maske angezogen, falls sie noch einmal ausatmen“, erzählt Pohl.

Unter freiem Himmel dürfen trotz der Corona-Pandemie 100 Menschen zusammenkommen. Sie müssen aber Maske tragen und Abstand halten.
Unter freiem Himmel dürfen trotz der Corona-Pandemie 100 Menschen zusammenkommen. Sie müssen aber Maske tragen und Abstand halten. | Bild: Mommsen, Kerstin

Seelsorge ist in Pandemie-Zeiten wichtiger denn je

Martina Kleinknecht-Wagner, Pfarrerin der Martin-Luther-Gemeinde Tettnang und langjährige Seelsorgerin an der Klinik Tettnang, beobachtet gegenwärtig bei der Begleitung von Menschen große Ängste, Gefühle wie Ohnmacht und Verzweiflung. Für viele Patienten in den Kliniken sei es schwer, dass die Kontakte nach außen aufgrund der Pandemie sehr minimiert sind. „Das ist für die Betroffenen, die Patienten und ihre Angehörigen sehr schmerzlich. Die Pflegekräfte leisten neben der Pflegearbeit auch kostbare menschliche Begleitung. Ich habe größten Respekt gegenüber allen, die in dieser schweren Zeit Menschen in den Kliniken und Heimen pflegen, heilen und begleiten“, erzählt die Pfarrerin. „Dabei gilt es auch Gefühle wie Ohnmacht, Wut und Verzweiflung mit auszuhalten.“

Pfarrerin Martina Kleinknecht-Wagner.
Pfarrerin Martina Kleinknecht-Wagner. | Bild: Jost Wünsche

Bei der Begleitung von Trauernden macht die Pfarrerin folgende Erfahrungen: „Herausfordernd ist dazu für viele, die einen Menschen verloren haben, dass die Teilnehmerzahl bei Trauergottesdiensten zur Zeit begrenzt ist und entschieden werden muss, wer beim Abschied dabei sein kann. Viele Trauergottesdienste finden aktuell auf den Friedhöfen oft im Freien statt. Ich selbst erlebe es als tröstlich, wenn der Abschied in mitten der Schöpfung Gottes geschieht.“

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