Der Zustand sei lediglich vorübergehend gewesen, so die Auskunft der Post-Pressestelle. Manch einer, der auf ein Paket wartete und eine Benachrichtigung im Briefkasten fand, wird sich gewundert haben: Statt Stadtbahnhof 1, die Postbankfiliale mit großem Bereich für Pakete und Briefe, stand als Abholadresse auf einmal Spatenstraße 11 auf der Karte. Die besondere Herausforderung: Die Adresse ist einigen Navigationsgeräten und auch der App der Deutschen Bahn (noch) nicht bekannt.

Ohne Auto ist das von Fischbach aus ein rund einstündiger Ausflug – plus Heimweg

Ortskundige wissen: Die Adresse befindet sich in Allmannsweiler, also unweit des Messegeländes. Wer kein Auto hat, dem stand daher eine Odyssee bevor. Von Fischbach aus etwa braucht der Bus bis zur Messe rund 50 Minuten, hinzu kommt ein Fußweg von knapp einem Kilometer von der Bushaltestelle zum eigentlichen Ziel.

Der Fischbacher Jörg Dutschke machte seinem Ärger über den neuen Abholort für Pakete auf Facebook Luft, vergaß dabei allerdings nicht das Augenzwinkern in seiner Anekdote darüber, wie er mit dem Fahrrad „ans Ende der Welt“ fuhr, um sein Paket abzuholen. Wie ihm wird es vielen weiteren Bewohnern von Ortsteilen ergangen sein, die von Allmannsweiler ein gutes Stück entfernt sind.

Im vergangenen Jahr konnten Pakete vorübergehend in der Möttelistraße im Stadtzentrum abgeholt werden, wenn die Filiale am Stadtbahnhof nicht über ausreichend Lagermöglichkeiten verfügte. Doch auch dieser Abholpunkt ist inzwischen geschlossen worden.

Auch wer zwischen Fallenbrunnen und Landratsamt lebt, musste sein Paket in Allmannsweiler abholen.
Auch wer zwischen Fallenbrunnen und Landratsamt lebt, musste sein Paket in Allmannsweiler abholen. | Bild: Lena Reiner

Was war also los bei der Filiale am Stadtbahnhof? Warum mussten Empfänger, die beim Zustellversuch nicht zuhause gewesen waren, ihre Pakete in Allmansweiler abholen? Die Pressestelle der Deutschen Post erklärte lediglich: „Wir haben in Friedrichshafen die Ausgabe benachrichtigter Pakete (Pakete, die wir dem Empfänger oder Nachbarn als Ersatzempfänger wegen Abwesenheit nicht zustellen konnten) neu organisiert.“

Neue Abholmöglichkeit in der Kitzenwiese

Seit Mittwoch können diejenigen, die zentraler leben, nicht nur wie gewohnt ihre Pakete am Stadtbahnhof abholen. Für die Bewohner der Kitzenwiese gibt es wieder einen Abholpunkt in ihrer direkten Nachbarschaft. Weiterhin werden Pakete auch in der Postfiliale bei Büro Glaser in Allmannsweiler und bei Toto Lotto in Ailingen gelagert.

Zwischen Bäcker und Apotheke ist hier neuerdings auch eine Postfiliale beheimatet.
Zwischen Bäcker und Apotheke ist hier neuerdings auch eine Postfiliale beheimatet. | Bild: Lena Reiner

In der Länderöschstraße 30 liegt eine der beiden kleinen Postfilialen. Sie wurde Mitte September eröffnet und dient seit Mitte Oktober auch als Paketabholstation. Nabil Nassar hat sich für ihre Eröffnung stark gemacht. Er hatte seinen Vermieter vor dem jüngsten Umbau angesprochen, ob nicht eine Postfiliale in den Räumen Platz habe. Und siehe da: „Er hat mir dann tatsächlich 65 Quadratmeter eingerichtet.“ Die Abklärung mit der Post habe außerdem zeitnah funktioniert.

Nabil Nassar leitet seit Kurzem eine kleine Postfiliale direkt neben seiner Apotheke in der Länderöschstraße 30.
Nabil Nassar leitet seit Kurzem eine kleine Postfiliale direkt neben seiner Apotheke in der Länderöschstraße 30. | Bild: Lena Reiner

Nassar betreibt im selben Gebäude schräg gegenüber der kleinen Filiale eine Apotheke und erklärt: „Wir bekommen immer selbst viel Post und ich musste dann immer einen Mitarbeiter in die Innenstadt schicken. Das dauerte oft eine Stunde und war einfach verlorene Zeit.“ Auch von seinen Kunden habe er gehört, dass ihnen eine Postfiliale in der Kitzenwiese fehle. Bis 2016 habe es hier noch eine Filiale gegeben. Danach hätten Anwohner weitere Wege in Kauf nehmen müssen. „Die Leute freuen sich sehr, jetzt wieder in ihrer Nachbarschaft zur Post gehen zu können“, sagt er.

Elisabeta Stergkio ist eine der Mitarbeiterinnen der neuen Postfiliale in der Kitzenwiese.
Elisabeta Stergkio ist eine der Mitarbeiterinnen der neuen Postfiliale in der Kitzenwiese. | Bild: Lena Reiner

Dabei möchte er betonen, dass er durch die Postfiliale nicht etwa profitiere. „Ich stecke da noch was rein.“ Gleichzeitig wüssten seine Kunden, dass die Postfiliale zu seiner Apotheke gehört. Er lacht, als er erzählt: „Wenn jemand eine Frage oder Anmerkung hat – da kommt Positives wie Negatives – kommen die Leute einfach direkt zu mir in die Apotheke.“

Wann es in Fischbach denselben Service wieder geben wird, bleibt unklar. Dutschke kommentiert: „Fischbach ist irgendwie sowieso der Loser, denn nachdem der Laden an der B 31 dichtgemacht hat und die kleine DHL-Filiale im Kaufland Manzell offensichtlich über keine Lagerkapazitäten verfügt, müssen wir im Falle von Nichtzustellbarkeiten stets größere Wege in Kauf nehmen.“

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Auch scheint es zumindest vergangene Woche noch Anlaufschwierigkeiten mit den aktuellen Abholstationen gegeben zu haben: Ein Anwohner aus dem bahnhofsnahen Stadtteil Hofen berichtete, dass er auch am Dienstag noch nach Allmannsweiler fahren sollte, um seine Sendung entgegenzunehmen.

Auf Nachfrage, wie genau Pakete in Friedrichshafen auf die unterschiedlichen Abholorte aufgeteilt werden und die konkrete Frage, wieso Pakete aus dem bahnhofsnahen Stadtteil Hofen ebenfalls nach Allmansweiler gebracht werden, erklärt die Pressestelle der Post lediglich pauschal: „Unsere Paketzusteller haben ein hohes Interesse, Pakete bereits beim ersten Zustellversuch an den Empfänger zu übergeben. Ist die Zustellung nicht möglich, so wird der Kunde benachrichtigt, sein Paket in einer Filiale oder Packstation abzuholen.“

Eines von vier Paketlagern in Friedrichshafen. Der Platz ist hier begrenzt.
Eines von vier Paketlagern in Friedrichshafen. Der Platz ist hier begrenzt. | Bild: Lena Reiner

Die Logistik bezüglich benachrichtiger Pakete bedürfe eines ausgeklügelten Systems, welches standortindividuell erarbeitet werde und – wenn erforderlich – angepasst werde: „Zu berücksichtigen sind unter anderem die Anzahl und Größe benachrichtigter Pakete, die Personal- und Lagerkapazitäten der ausgebenden Filialen, die Anzahl, Kapazitäten und Lage der Packstationen und die Erreichbarkeit der Abholstellen zu Fuß und mit dem Auto.“

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Für die Vorweihnachtszeit seien sie vorbereitet: „Für die Vorweihnachtszeit benötigen wir keinen Notfallplan, die steigenden Paketmengen zu dieser Zeit berücksichtigen wir bereits bei der Planung.“

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