Wie fühlt sich Ursula Klink-Eberhard damit, dass wegen der Corona-Pandemie fast das gesamte Geschäft ihrer Catering-Firma Klink-Eberhard weggebrochen ist? Sie denkt einen Moment lang nach und sagt: „Ich bin jetzt ruhiger.“ Die letzten Monate erlebte sie als Achterbahn der Gefühle, sie war „verzweifelt, traurig oder resigniert“, doch irgendwann sei sie zur Ruhe gekommen. „Ich muss es hinnehmen, dass das Geschäft nicht mehr läuft“, sagt sie seufzend.

Einnahmen brechen weg, die Kosten bleiben

Dabei habe das Jahr so gut begonnen. Im Winter war sie noch auf betrieblichen Feiern und Großveranstaltungen gebucht. Doch dann kam Corona und mit der Pandemie eine Absage nach der anderen. Die Einnahmen brachen weg, doch die Kosten blieben. Ihre Mitarbeiter schickte sie in Kurzarbeit und bezog Soforthilfe vom Staat, die jedoch „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“ war, so die Firmenchefin.

Die finanziellen Polster sind aufgebraucht

„Wir machen derzeit nur noch fünf Prozent des normalen Umsatzes“, sagt Klink-Eberhard gefasst, aber ernst. Denn ihr eigentliches Metier sind Großveranstaltungen und Messen – die allesamt abgesagt sind. Auch das Kulturufer- und Seehasenfest, auf dem sie Jahr für Jahr caterte, fand nicht statt.

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Im Industriegebiet in Immenstaad bietet sie an zwei Ständen „Mittagessen to Go“ an, während ihr Sohn versucht, neue Wege einzuschlagen und online frische Grillprodukte verkauft. Doch wirtschaftlich sei das alles nicht. Und das finanzielle Polster, das sich die Familie über die Jahre angelegt hat, „ist fast aufgebraucht.“

Die ganze Veranstaltungsbranche leidet

Auch Joachim Föhr, Geschäftsführer von Föhr Eventcatering, hat an der Krise zu knabbern. Und auch ihn hat die Pandemie nachdenklich gemacht: „Unser ganzer Berufszweig leidet“, sagt er und meint damit nicht nur die Catering-Unternehmen, sondern auch die Veranstaltungs-Agenturen, die Messe-Gesellschaften, die Techniker und die Security-Unternehmen. „Wenn die Krise vorbei ist, wird es die Hälfte davon nicht mehr geben“, prophezeit Föhr. Auch er nimmt mit seinem Catering-Unternehmen aktuell gar nichts ein. „Einmal die Woche beliefern wir noch Supermärkte in der Region mit Pasta und Soße.“ Ansonsten nichts. Kein Auftrag. Keine Veranstaltung.

Joachim Föhr in seinem Restaurant, dem Buffalo Steakhouse, das ihm jetzt noch etwas Umsatz bringt.
Joachim Föhr in seinem Restaurant, dem Buffalo Steakhouse, das ihm jetzt noch etwas Umsatz bringt. | Bild: Georg Wex

Wie lange Föhr durchhalten kann, weiß er nicht. „Ich hoffe, dass nächstes Frühjahr wieder ein bisschen was geöffnet wird. Das Catering-Geschäft dürfte sonst, sollte das zwei Jahre gehen, am Boden sein.“ Über Wasser hält sich Föhr mit seinen beiden Restaurants, dem Buffalo Steakhouse und dem Zeppelin-Hangar am Bodensee-Airport, die mittlerweile wieder gut besucht sind. Föhrs Gesamtumsatz sei trotzdem um 70 Prozent gesunken.

Neue Aufträge sind mit Mehr-und Kostenaufwand verbunden

Optimistischer ist Fabian Scheef von der Zehrer Gastronomie: „Wir sind guter Dinge“, sagt er. Und hat auch schon wieder erste Aufträge im Catering-Bereich: „Es ist natürlich nicht wie vorher, durch Corona ist alles zeitintensiver geworden und wir brauchen mehr Personal.“ Drei statt zwei Köche müssen pro Auftrag nun ausrücken und das Essen nicht nur bereitstellen, sondern ausgeben. Und alles – selbst der Kugelschreiber zur Akkreditierung – muss desinfiziert werden. „Das ist ein erheblicher Mehr- und Kostenaufwand: Aber nur so geht es vorwärts“, weiß Scheef.

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