Die Corona-Zeit war auch für die Blaue Blume – Begegnungs- und Ermöglichungsort, wie ihn Bewohnerin Laetitia Lüke bezeichnet – eine Herausforderung. Sie seien sehr vorsichtig an die Sache herangegangen, über Veranstaltungen, wann immer diese erlaubt gewesen seien, immer nur einen kleinen Verteiler informiert, damit nicht zu viele Besucher aufs Gelände strömen. „Wir hingen ständig zwischen den Stühlen und wussten nicht: Welche Verordnung gilt jetzt für uns? Die für Vereine? Die für Veranstalter?“

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Die Studentin ist im Winter kurz vor Beginn der Pandemie in einen der Bauwagen auf dem Gelände vor dem denkmalgeschützten alten Heizhaus am Fallenbrunnen gezogen. So etwas wie Hochbetrieb auf dem Gelände, das Wohnen und Kultur verbindet, kennt sie daher nur von einem Besuch vor Beginn ihres Studiums. Auch seien während der Corona-Zeit nur ein Teil der normalerweise bewohnten Bauwagen belegt gewesen.

Der Veranstaltungsbus „Wedding“ bildet die Grenze zwischen öffentlichem und privatem Bereich der Blauen Blume, also Kultur- ...
Der Veranstaltungsbus „Wedding“ bildet die Grenze zwischen öffentlichem und privatem Bereich der Blauen Blume, also Kultur- und Wohnprojekt. | Bild: Lena Reiner

Inzwischen habe das Wohnprojekt, das einen Teil der Vereinsarbeit ausmacht, wieder seine übliche Bewohnerzahl: sieben. Und im Team der Kulturschaffenden finden sich Lüke zufolge inzwischen acht bis zehn Interessierte regelmäßig zusammen, um das Programm auf dem Gelände auszuarbeiten. Seit März finde auch die Eckkneipe wieder regelmäßig statt: ein lockeres Beisammensein bei ein Kaltgetränk im öffentlichen Bereich des Geländes, das vor Corona zur Tradition gehört hat.

Um richtig durchstarten zu können und das Gelände fit für den Sommer zu machen, soll aber zunächst eine Bauwoche beziehungsweise die nächste „Baublume“ stattfinden, erklärt Lüke. Dann soll unter anderem ein neues Kunstwerk her, da der „Apfelstrudel“ über die vergangenen Jahre und Stürme fast gänzlich zerfallen sei, heißt es in der Ankündigungsmail.

Besagtes Kunstwerk hatte in der Vergangenheit einigen Wirbel ausgelöst und das nicht etwa wegen seiner geschwungenen Form. Ob es sich dabei nicht eher um eine Sichtschutzwand denn ein Kunstwerk handle, stand zur Debatte. Eine solche sei nie genehmigt worden und verstelle außerdem die Sicht aufs historische Heizhaus, hieß es damals von Seiten der Stadtverwaltung.

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Jetzt jedenfalls ist von dem Gebilde aus alten Apfelkisten kaum noch etwas übrig. Auch sonst stehen Veränderungen an. „Unser Pachtvertrag läuft Ende des Jahres aus“, erklärt Lüke. Wie es im neuen Jahr weitergehe, sei noch unklar. Sie hofften natürlich, dass sie im Rahmen der Neuplanung des Fallenbrunnen einen geeigneten Standort erhalten würden. Denn eigentlich gibt es im kommenden Jahr etwas zu feiern: Die Blaue Blume, sowohl das Projekt als auch der gleichnamige gemeinnützige Verein, wird zehn Jahre alt.

Die Außenküche (links im Bild) musste nach einem Sturm wieder aufgebaut werden. Auch sonst stehen Arbeiten an, um den Platz wieder ...
Die Außenküche (links im Bild) musste nach einem Sturm wieder aufgebaut werden. Auch sonst stehen Arbeiten an, um den Platz wieder sommerfertig zu machen. Daher ist Ende Mai eine „Baublume“ geplant. | Bild: Lena Reiner

Um den runden Geburtstag würdig zu begehen, sind der Bewohnerin zufolge einige Programmpunkte geplant. „Wir möchten in diesem Sommer anfangen, ein Archiv zusammenzutragen, da uns aufgefallen ist, dass viele die Geschichte von Anfang an gar nicht mehr überblicken oder kennen“, erklärt sie. Durch die Erzählungen von Besuchern, ehemaligen und aktuellen Mitwirkenden der Blauen Blume solle ein „oral history“-Projekt entstehen. Außerdem würden Fotos und Erinnerungsstücke gesammelt, vermutlich solle daraus dann auch eine Ausstellung entstehen.

Auf der Tafel am Eingang der Blauen Blume werden die kommenden Veranstaltungen angekündigt.
Auf der Tafel am Eingang der Blauen Blume werden die kommenden Veranstaltungen angekündigt. | Bild: Lena Reiner

Obendrein soll die Fahrradwerkstatt wieder ins Leben gerufen werden, damit auf dem Gelände Zweiräder repariert werden können. „Wir haben aktuell einen Förderantrag gestellt, um das notwendige Werkzeug und Materialien anschaffen zu können“, ergänzt Lüke. Geplant sei auch, Experten einzuladen, die etwa zeigen könnten, wie man aus alten Fahrradteilen Neues zusammenschrauben könne.