Es kommt nicht alle Tage vor, dass in öffentlicher Ratssitzung ein städtisches Amt unter „Verschiedenes“ Abbitte leistet für einen Fehler. „Wir bedauern sehr, was passiert ist“, nahm Abteilungsleiterin Renate Gauß vom Amt für Stadtgrün in der Sitzung des Bauausschusses am vergangenen Dienstag klar Stellung zur Fällaktion in einem knapp 400 Quadratmeter großen Wäldchen im Fallenbrunnen, dem damit faktisch der Garaus gemacht wurde. Und mit den Bäumen auch geschützten Tieren ihren Lebensraum zerstört hat.

Dabei wäre an der Fällung mehrerer großer Eschen – darunter eine über 30 Meter hoch – zwischen Zeppelin-Universität und Dualer Hochschule ohnehin kein Weg vorbei gegangen. Durch Brandkrustenpilz, Triebsterben und Wurzelfäule waren die mächtigen Bäume nicht mehr standsicher, so das Urteil der Baumkontrolleure, das sich im Nachhinein auch bestätigte.

Bei der notwendigen Fällung von neun Bäumen kamen sieben weitere so zu Schaden, dass sie ebenfalls gefällt werden mussten. Aber selbst an Bäumen, die stehen blieben, hat die Aktion Spuren hinterlassen.
Bei der notwendigen Fällung von neun Bäumen kamen sieben weitere so zu Schaden, dass sie ebenfalls gefällt werden mussten. Aber selbst an Bäumen, die stehen blieben, hat die Aktion Spuren hinterlassen. | Bild: Cuko, Katy

Doch dass bei der eher unsensiblen Fällung von letztlich neun Bäumen sieben gesunde mit umgehauen und zusätzlich das Unterholz zerstört wurde, sorgte danach beim eigentlich zuständigen Amt für Umweltschutz für großen Ärger. Denn hier, so kam bei den Ausführungen der Abteilungsleiterin zum Ausdruck, wusste vorab niemand von der Aktion Bescheid. „Der Prozess ist nicht gut gelaufen“, räumte sie ein.

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Weiß die rechte Hand im Rathaus nicht, was die linke tut? So einfach ist das in diesem Fall nicht. Seit Anfang 2019 ist das Amt für Stadtplanung und Umwelt für den Wald in der Stadt zuständig. Bäume, die jedoch zum Stadtgrün zählen – im Uferpark etwa – gehören weiter in die Zuständigkeit des Stadtbauamts. Hier werden regelmäßig Baumkontrollen veranlasst, um der Verkehrssicherheitspflicht zu genügen. Wer wofür zuständig ist, regelt das städtische Baumkataster. Nur war das kleine Erholungswäldchen im Fallenbrunnen noch immer nicht „umgetragen“ worden. Der Ablauf bei der Baumüberprüfung müsse überarbeitet werden, so Gauß.

Artenschutz bei der Aktion außer Acht gelassen

Allerdings hätte ein Blick in den Bebauungsplan für den Fallenbrunnen genügt, um festzustellen, das nicht nur der Erhalt des kleinen Erlen- und Eschenwaldes zwischen den Hochschulen festgesetzt ist. Dass hier viele Fledermäuse in den Baumhöhlen ihr Zuhause haben, geht ebenfalls daraus hervor. „Den Artenschutz hätten wir abklären müssen“, erklärte auch dazu die Abteilungsleiterin. Sie verwies jedoch darauf, dass bei nicht mehr standsicheren Bäumen auch im Wald „am Ende trotzdem jemand die Verantwortung übernehmen muss“. Baumkontrolleure hafteten im Schadenfall persönlich dafür.

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Zusätzlich zu diesem Zuständigkeits-Wirrwarr verlief dann auch die Fällung selbst alles andere als planmäßig. Vorgesehen war, die 30 Meter hohe Esche mit einem Autokran von oben Stück um Stück abzutragen. Doch der Baum stand zu weit weg von der Straße. Baumkletterer lehnten den Auftrag ab, weil der Baumriese bereits zu instabil war. So blieb also nur die klassische Fällung übrig. Dabei fiel die Esche allerdings anders als geplant, sodass „einige größere Bäume sowie das Unterholz dadurch zerstört wurden“. Das Ergebnis ist eine Fläche, die eher an einen Kahlschlag erinnert. Das beauftragte Forstunternehmen habe hier nicht das erste Mal „sehr grob“ gearbeitet, bemängelte Regine Ankermann (Grüne) und bat darum, die „alten Strukturen“ bei der Auftragsvergabe diesbezüglich zu hinterfragen.

Der Baumbestand ist merklich gelichtet. Jetzt soll wieder nachgepflanzt werden.
Der Baumbestand ist merklich gelichtet. Jetzt soll wieder nachgepflanzt werden. | Bild: Cuko, Katy

Um den Schaden zu begrenzen, sollen nun geeignete Bäume in dem als „Erholungswald“ deklarierten Areal nachgepflanzt werden. Ob es noch Sinn macht, die 16 Fledermauskästen aufzuhängen, wie es im Bebauungsplan festgesetzt wurde, müsse noch überprüft werden.