Ein vertrauter Duft weht durchs Foyer des Cineplex und weckt die Erinnerung an vergangene Kinoabende. Tatsächlich spuckt die Popcorn-Maschine in hohem Bogen gepuffte Maiskörner in die Wanne. Eine Mitarbeiterin des Cineplex in Friedrichshafen füllt Maiskörner zu Zucker und Fett in die Kessel, der Rest wird bei einer Temperatur von etwa 180 Grad erledigt. Fertig ist der beliebte Kino-Snack.

„Normalerweise produzieren wir das Popcorn tagesfrisch“, erklärt Alexander Ronkartz. Doch heute ist alles anders. Einen Tag vor der Wiedereröffnung seines Kinos kann der Theaterleiter nicht einschätzen, wie das Angebot nach achtmonatiger Abstinenz angenommen wird. „Wir wissen nicht, wie viele Besucher morgen vor der Theke stehen“, sagt er. Deshalb wurde ein kleiner Vorrat gepoppt, um eventuelle Engpässe abfedern zu können.

Ein kleiner Vorrat an Popcorn soll eventuelle Engpässe am ersten Tag abfedern.
Ein kleiner Vorrat an Popcorn soll eventuelle Engpässe am ersten Tag abfedern. | Bild: Anette Bengelsdorf

Manches klappt erst auf den letzten Drücker

Gleich daneben füllt ein Mitarbeiter Softdrinks und Bier in die Kühlschränke, Nachos und Eis werden verstaut. Auf manchen Snack werden Besucher aber zunächst noch verzichten müssen. Der Lieferant, der alle Cineplex-Kinos beliefert, hat mit erheblichen Lieferschwierigkeiten zu kämpfen. Während des Lockdowns war das Haltbarkeitsdatum von Unmengen an Naschwerk abgelaufen. Jetzt, auf die Schnelle, sind die Ressourcen knapp.

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Selbst Kohlensäure scheint derzeit Mangelware zu sein. Erst am Mittwoch, auf den letzten Drücker, wurden die Tanks der Schankanlage befüllt. Ronkartz muss nicht auf die Notration zurückgreifen, damit der Sprudelautomat aus Sirup und Wasser schäumende Limonade zaubern kann. Im November hatten Techniker die Schankanlage in den Ruhemodus versetzt. Die langen Leitungen zwischen Tanks und Theke mussten entleert und gereinigt werden. Jetzt konnten sie die Anlage wieder aus ihrem Tiefschlaf erwecken.

Selbst für Ronkartz, den so schnell nichts aus der Ruhe bringt, ist das alles ein wenig zu sehr auf den Punkt. Auch die letzte Film-Festplatte war erst Mittwoch angekommen. Die riesige Datenmenge musste noch auf den zentralen Server hochgeladen werden. Dabei hatte er mit der Filmbeschaffung schon frühzeitig begonnen. Zum Glück wurden die meisten Filme digital geliefert und konnten bereits heruntergeladen werden.

Mitarbeiter programmierten auf den Servern der einzelnen Säle die entsprechenden Filme, die vorgesehene Werbung, die korrekte Abfolge von Vorhang und Licht. Zur Probe wurde das gesamte Programm in jedem Saal einmal abgespielt.

Endlich können die alten Plakate aus den Rahmen und die neuen kündigen wieder aktuelle Filme an.
Endlich können die alten Plakate aus den Rahmen und die neuen kündigen wieder aktuelle Filme an. | Bild: Anette Bengelsdorf

Im Foyer werden die Spender mit Desinfektionsmittel aufgefüllt, Mitarbeiter wechseln die Filmplakate in den beleuchteten Rahmen aus. Am Eingang machen bereits Trailer aktueller Filme auf einer riesigen digitalen Leinwand Appetit aufs Kino. Die Montage dieses Glanzstücks, sagt Ronkartz mit sichtbarem Stolz, konnte als einziger Bestandteil der ursprünglich geplanten Umbaumaßnahmen umgesetzt werden und ist schon von der Treppe aus zu sehen.

Die neuen Filmplakate sind da, gleich werden sie ausgepackt.
Die neuen Filmplakate sind da, gleich werden sie ausgepackt. | Bild: Anette Bengelsdorf

Alles ist vorbereitet, alles funktioniert. Was bleibt, ist die Unsicherheit. Wenn dieser Tage – seit Donnerstag ist das Cineplex wieder geöffnet – die ersten Filme gezeigt werden, weiß niemand, wie sich das Publikum verhält. Sommer und Badewetter machen das Kino nicht gerade zum Publikumsmagneten und in der Prioritätenliste rutscht es erfahrungsgemäß ziemlich weit nach hinten. Doch wer weiß? Vielleicht haben es viele satt, Filme zuhause auf der Couch zu streamen.

Dazu kommt die Angst vor einer eventuell anrollenden Delta-Varianten-Welle. Das macht Ronkartz die Personalplanung extrem schwer. „Entweder wir werden überrannt oder die Personalkosten sprengen jeden Rahmen“, sagt er. Zum Glück kann er auf ein sehr gutes und flexibles Team setzen, das über die schwierigen Zeiten weiterbezahlt wurde. Jetzt sei die Bereitschaft groß, etwas zurückzugeben, freut sich der Theaterleiter.

„Ich habe ein Hammer-Team, auf das ich mich jederzeit verlassen kann“, sagt Cineplex-Theaterleiter Alexander Ronkartz. (Archivbild)
„Ich habe ein Hammer-Team, auf das ich mich jederzeit verlassen kann“, sagt Cineplex-Theaterleiter Alexander Ronkartz. (Archivbild) | Bild: Anette Bengelsdorf

Am Mittag des letzten Tages vor der Wiederöffnung hatte sich der Großteil der Belegschaft versammelt. Änderungen wurden besprochen und über die lange Pause vergessenes Wissen aufgefrischt. „Ich habe ein Hammer-Team, auf das ich mich jederzeit verlassen kann“, sagte Ronkartz später voller Vorfreude und Zuversicht.