„Click and Meet“ – oder wieder nur „Click and Collect“? Diese Frage haben sich in den vergangenen Wochen viele Einzelhändler immer wieder aufs Neue gestellt. Zunächst, als die Sieben-Tage-Inzidenz im Bodenseekreis um den Wert von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche schwankte. Dies war laut der damaligen Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg die kritische Grenze.

Einzelhandel im Jo-Jo-Modus

Die Bundes-Notbremse brachte in dieser Hinsicht eine leichte Verbesserung: Laut dem seit vergangenem Samstag geltenden Regelwerk dürfen Händler bis zu einem Inzidenzwert von 150 im jeweiligen Landkreis „Click and Meet“ anbieten, vorausgesetzt, Kunden können tagesaktuell einen negativen Corona-Test nachweisen. Auf diese Weise durften Häfler Händler also seit Samstag für Termineinkäufe öffnen.

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Seit Mittwoch heißt es für Händler und Kunden nun aber: wieder zurück zu „Click and Collect“. Am Dienstag teilte das Landratsamt mit, dass der Inzidenzwert im Bodenseekreis am Vortag die 150 Neuinfektionen den dritten Tag in Folge überschritten habe. Geschäfte für den täglichen Bedarf sind von der neuerlichen Verschärfung weiterhin ausgenommen.

Wer bietet mittlerweile überhaupt noch „Click and Meet“ an?

Während die Inzidenzwerte im Landkreis schwanken und sich Händler auf ständig wechselnde Öffnungskonzepte einstellen müssen, stellt sich die Frage: Wer bietet überhaupt noch „Click and Meet“ an? Macht es bei den Schwankungen überhaupt Sinn, sich darauf vorzubereiten?

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Ja, meint Thomas Goldschmidt vom Häfler Stadtmarketing. „In der Vergangenheit haben immer über 90 Prozent der Läden, für die es erlaubt war, bei den entsprechenden Inzidenzwerten ‚Click and Meet‘ angeboten.“ Allerdings nicht immer gleich vom ersten möglichen Tag an, da die entsprechenden Verordnungen mit den Festlegungen oft erst nachts veröffentlicht wurden und der Vorlauf für manche Händler zu kurz war.

„Das eine oder andere Geschäft verzichtet aktuell tatsächlich darauf nur für diese zwei bis drei Tage ‚Click and Meet‘ anzubieten“, schildert Thomas Goldschmidt, Geschäftsführer der Stadtmarketing Friedrichshafen.
„Das eine oder andere Geschäft verzichtet aktuell tatsächlich darauf nur für diese zwei bis drei Tage ‚Click and Meet‘ anzubieten“, schildert Thomas Goldschmidt, Geschäftsführer der Stadtmarketing Friedrichshafen. | Bild: Archivbild

„Das eine oder andere Geschäft verzichtet daher aktuell tatsächlich darauf, nur für diese zwei bis drei Tage ‚Click and Meet‘ die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zu holen und diese dann möglicherweise gleich wieder in Kurzarbeit zu schicken“, so Goldschmidt.

Er weist dabei darauf hin, dass auf der Webseite des Stadtforums, die angepassten Bedingungen einzusehen seien, wo und ob Händler „Click and Meet“ oder „Click and Collect“ derzeit anbieten.

„Das Festhalten an den Inzidenzzahlen ist unverhältnismäßig“

Für Stefan Zimmer spielt es keine Rolle, welches Öffnungskonzept gerade ermöglicht werde. „Der Einzelhandel hat in diesen Zeiten weiterhin keine Perspektive und das Festhalten an den Inzidenzzahlen ist unverhältnismäßig“, sagt der Inhaber des Bekleidungsgeschäfte Heka und Handelsausschussvorsitzender bei der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben.

„‘Click and Meet‘ mit einem negativen Coronatest bietet für die Kunden keine wirklichen Kaufanreize“, sagt Stefan Zimmer, Inhaber der Heka Bekleidungsgeschäfte und Handelsausschussvorsitzender bei der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben.
„‘Click and Meet‘ mit einem negativen Coronatest bietet für die Kunden keine wirklichen Kaufanreize“, sagt Stefan Zimmer, Inhaber der Heka Bekleidungsgeschäfte und Handelsausschussvorsitzender bei der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben. | Bild: Cian Hartung

„Click and Collect“ sei „wirtschaftlich nicht darstellbar“, so Zimmer. „‘Click and Meet‘ mit einem negativen Corona-Test bietet für die Kunden keine wirklichen Kaufanreize.“ Er fordert stattdessen Öffnungsperspektiven und verweist dabei auf Abstands- und Hygienekonzepte vieler Einzelhändler, die sich in der Pandemie bewährt hätten.

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Zimmer argumentiert dabei mit einer Datenerhebung des Robert-Koch-Instituts aus dem vergangenen Jahr. Laut dieser erkrankten zwischen Mitte März und Ende Oktober 2020 etwa 0,6 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel an dem Virus, während 0,8 Prozent der Gesamtbevölkerung erkrankte. Eine weitere Einschätzung des RKI aus dem März dieses Jahres stuft das Infektionsrisiko im Einzelhandel als „niedrig“ ein.

Der Unternehmer zeigt sich trotz dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse nach rund einem Jahr Pandemie resigniert: „Die Politik hört ja nicht auf uns.“