Der Schutz der Berge war schon den Gründungsvätern des Deutschen Alpenvereins (DAV) ein Anliegen. Bis 2030 will der Bundesverband komplett klimaneutral werden. Die Häfler Sektion ist an einem Pilotprojekt beteiligt, bei dem es um die Bilanzierung der CO2-Emissionen erster Ortsvereine geht. „Wir sind eine von zwölf Pilot-Sektionen deutschlandweit, die vorne mit dabei sind und wir stecken bereits mitten in der Rebilanzierung“, erklärt Jörg Zielke. Zurzeit nimmt der stellvertretende Vorsitzende der Häfler Sektion mit seinem Team und einem Generalunternehmer die letzten Anpassungen für das klimaneutrale Alpinzentrum vor. Dieses Zentrum soll zwischen Sportbad, ZF-Arena und Tanzschule gebaut werden.

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Um dabei den höchsten Energieeffizienzstandard zu erreichen, bedarf es Fotovoltaik auf dem Dach und an den Wänden. Für Heizung und Brauchwasser soll eine Wärmepumpe sorgen, die mit regenerativem Strom betrieben wird. Die Spitzen im Warmwasserverbrauch soll eine biogasbetriebene Gastherme auffangen. Auf die CO2-Bilanz gehört natürlich auch das Baumaterial, das nach Möglichkeit aus der Region kommen soll. „Aber es muss auch bezahlbar bleiben. Wir wollen etwa 6,7 Millionen Euro ausgeben“, sagt Jörg Zielke. „Holz wäre eine gute Sache, denn es bindet CO2 über Jahrzehnte im Gebäude, aber es muss für den Verein machbar sein“, erklärt auch Naturschutzreferent Rudolf Zahner.

Das geplante Alpinzentrum ist zwar ein großer Brocken, auf dem Weg in Richtung Klimaneutralität gibt es für den Verein aber natürlich noch andere Dinge zu berücksichtigen. Andere Liegenschaften der Sektion etwa sind das DAV-Haus, die Lankhütte am Bödele und die Friedrichshafener Hütte im Paznaun. Letztere wird schon seit 2002 regelmäßig mit dem Umweltgütesiegel der Alpenvereine ausgezeichnet.

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Ökologisch vorbildlich ist die Hütte nach Vereinsangaben nicht nur in den Bereichen Abwasser und Abfall, sondern auch durch die Stromerzeugung mittels Wasserturbine und die Speicherung von zu viel erzeugtem Strom für die Verbrauchsspitzen. Fotovoltaik sorgt dafür, dass auch in Zukunft genügend Energie zur Verfügung steht und das internetfähige Energiemanagement kann von Friedrichshafen aus überwacht und gesteuert werden. Gekocht wird auf der Hütte nur mit Kräutern und Fleisch aus dem Paznauntal.

Die Friedrichshafener Hütte ist nach Vereinsangaben bereits ökologisch vorbildlich und wird seit 2002 regelmäßig mit dem ...
Die Friedrichshafener Hütte ist nach Vereinsangaben bereits ökologisch vorbildlich und wird seit 2002 regelmäßig mit dem Umweltgütesiegel der Alpenvereine ausgezeichnet. | Bild: Timm Humpfer/DAV

Auch die Berücksichtigung der bestehenden Liegenschaften sind nur ein weiterer Schritt. „Jetzt sind wir soweit, dass die Gruppen ihre Treffen und Ausfahrten bilanziert haben und es geht jetzt daran, das Kursprogramm, Gremiensitzung und den Materialeinkauf zu bilanzieren“, erklärt Rudolf Zahner.

„Die größte Herausforderung ist es unseren Mitgliedern klarzumachen, dass nicht jeder einzeln in die Berge fahren muss.“
Thomas Huber, kommissarischer Vorsitzender des DAV Friedrichshafen

Den dicksten Brocken vermutet Zahner in der Mobilität, denn das hinterste Alpental mit dem Bus zu erreichen ist eine Herausforderung. „Unsere Jugend wird schon seit drei Jahren bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln zu 100 Prozent gefördert und nimmt dies gerne an, aber die Erwachsenen springen noch leicht ab, wenn es schwierig wird“, weiß auch der designierte Vorsitzende Thomas Huber. „Die größte Herausforderung ist es unseren Mitgliedern klarzumachen, dass nicht jeder einzeln in die Berge fahren muss.“ Auch bei diesem Thema wurde aber bereits Vorarbeit geleistet: Seit Jahren gibt es eine Planungshilfe für Touren, die so gut ist, dass sie vom Bundesverband aufgenommen wurde. Faktisch arbeitet die Sektion also schon seit Jahren an der Verbesserung der CO2-Bilanz.

Ab 2022 sollen alle Sektionen in Deutschland tun, wofür die Häfler derzeit die Vorarbeit leisten: Bilanz ziehen. Ab 2023 plant der DAV dann eine CO2-Abgabe, die sich nach dem Verbrauch richtet. Das Geld soll dann an die Sektionen für kostenintensive Maßnahmen zur CO2-Reduzierung zurückfließen.