Knie aufgeschürft, Busfahrkarte verloren, verlaufen? Gerade für Kinder können sich in einer Stadt viele herausfordernde Situationen ergeben. Das beginnt bei ganz kleinen Sorgen und Nöten und reicht bis hin zu größeren Problemen wie dem Gefühl, von jemandem verfolgt oder bedroht zu werden. In all diesen Situationen soll ein neues Projekt, das der Kinderschutzbund etablieren will, Sicherheit bieten: der Kinderschutzschirm. Sichere Orte werden dabei mit einem blauen Logo – zwei Kinder unter einem Schirm – kenntlich gemacht. Unterstützt wird das Projekt vom Polizeipräsidium Ravensburg und der Stadt mit Sozialbürgermeister Andreas Köster als Schirmherr.

„In Großstädten gibt es solche Projekte bereits; sie sind evaluiert und absolut wirkungsvoll“, berichtet Florian Suckel, stellvertretender Leiter des Präventionsreferats beim Polizeipräsidium Ravensburg. Natürlich sei es wünschenswert, dass Kinder es bei Sorgen und Ängsten auch wagen, sich an einen „Schutzmann an der Ecke“ zu wenden. Da seien die Eltern gefragt, führt Suckel aus. „Wenn du nicht brav bist, kommt die Polizei“: Flapsige Drohungen wie diese hören der Polizist und seine Kollegen gar nicht gern, schaffen sie ihm zufolge doch ein falsches Bild und eher Angst als Vertrauen gegenüber den Beamten.

„Kinder sind das Schützenswerteste, das wir haben“, sagt Florian Suckel, stellvertretender Leiter des Präventionsreferats ...
„Kinder sind das Schützenswerteste, das wir haben“, sagt Florian Suckel, stellvertretender Leiter des Präventionsreferats beim Polizeipräsidium Ravensburg. „Kinderschutz ist daher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ | Bild: Lena Reiner

Suckel jedenfalls äußerte – auch im Namen des Polizeipräsidiums und stellvertretend für Polizeipräsident Uwe Stürmer, der selbst Mitglied im Kinderschutzbund sei – seine Freude über das Projekt: „Kinder sind das Schützenswerteste, das wir haben. Kinderschutz ist daher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Er wünsche dem Projekt daher, dass es als Blaupause dienen könne, um eine größere Verbreitung des Ansatzes zu erreichen.

An diesem Aufkleber sollen Kinder sichere Orte erkennen können.
An diesem Aufkleber sollen Kinder sichere Orte erkennen können. | Bild: Lena Reiner

Einer der Gründe, aus denen es ein solches Projekt erst jetzt in Friedrichshafen gibt: Zunächst mussten ein eigenes Logo und ein eigener Projektnamen her. Eine Übernahme anderer Logos wurde den Initiatorinnen zufolge aus Urheberrechtsgründen abgelehnt. Im Hinterkopf hatten Ingrid Pfannkuchen und Kirsten Bauermeister vom Kinderschutzbund die Idee aber bereits seit zehn Jahren. „Damals haben wir uns mit Mitgliedern anderer Kinderschutzbünde ausgetauscht und das Konzept kennengelernt“, sagt Pfannkuchen. Baumeister ergänzt: „Und jetzt haben wir einen neuen Vorstand und alle wieder mehr Motivation und Schwung, werden unterstützt in unseren Ideen und dürfen einfach machen.“ So sei es nun Zeit geworden, die Idee auch in die Tat umzusetzen.

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Schirmherr Andreas Köster betont in seinem Grußwort, wie wichtig es sei, dass eine Gesellschaft aufeinander achtgibt. Für Kinder selbst sei es oft eine große Hürde, sich Hilfe zu holen. Daher sei es wichtig, dass die Gesellschaft hier ihre Verantwortung auch wahrnehme und entsprechende Angebote bereitstelle oder auch Hinweise gebe, wenn sie etwas Auffälliges bemerke. „Wir haben in der Vergangenheit Testungen gemacht und gemerkt, dass Passanten, wenn sie etwas bemerken, oft weggehen und es ignorieren“, so Köster. Hier müsse sich etwas verändern und dazu könnten Projekte wie der Kinderschutzschirm einen Beitrag leisten.

Sozialbürgermeister Andreas Köster ist Schirmherr des Projekts Kinderschutzschirm. „Wir haben in der Vergangenheit Testungen ...
Sozialbürgermeister Andreas Köster ist Schirmherr des Projekts Kinderschutzschirm. „Wir haben in der Vergangenheit Testungen gemacht und gemerkt, dass Passanten, wenn sie etwas bemerken, oft weggehen und es ignorieren“, schildert er. Hier müsse sich etwas ändern. | Bild: Lena Reiner

Köster möchte die Idee des Kinderschutzschirms mit ins Stadtforum und -marketing nehmen. Denn zu diesem Zeitpunkt seien alle gefragt. Der Vorsitzende des Kinderschutzbunds Friedrichshafen, Norbert Büchelmaier, begründet damit auch den Schritt, mit dem Kinderschutzschirm an die Öffentlichkeit gegangen zu sein, bevor das Projekt tatsächlich etabliert sei. Es sei nun wichtig, Kinder und Einzelhändler zu erreichen, damit alle wüssten, dass es das Projekt überhaupt gibt: „Wie bekommen wir es hin, dass alle Kinder wissen, dass es den Kinderschutzschirm gibt? Allein schaffen wir das nicht; deshalb gibt es die heutige Veranstaltung.“ Auch die sozialen Medien, in denen sich die Eltern kleiner Kinder aufhielten, müssten erreicht werden. Hier freuten sie sich über jede Art der Unterstützung.