Der verkehrsberuhigte Bereich in der Allmandstraße war jüngst erneut Thema bei uns. Hat sich die Anfang des Jahres von einem Anwohner kritisierte Situation inzwischen verbessert? Geschwindigkeitsmessungen zeigen zwar Verbesserungen, Anwohner Reiner Kipp beschreibt die Situation allerdings als immer noch recht frustrierend.

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Nun meldete sich Bernhard Glatthaar zu Wort, der als ADFC-Kreisvorstand einen eigenen Blick auf das Geschehen im umgebauten Straßenzug hat. „Eigentlich kann man den Autofahrern keinen Vorwurf machen“, sagt er direkt zu Beginn eines Vor-Ort-Termins. „Das Straßengefühl widerspricht hier der Beschilderung vollkommen.“ Es sei nachgewiesen, dass die Schilder in diesem Kontext eher eine nachrangige Bedeutung hätten. Ein verkehrsberuhigter Bereich müsse baulich klar erkennbar sein, damit die Autofahrer allein dadurch merken, dass hier besonders langsam gefahren werden solle. „Das ist auch in der Straßenverkehrsordnung festgehalten“, betont Glatthaar.

Und tatsächlich: Lässt man den Blick von der Tempo-30-Zone in die Spielstraße schweifen, ist hier an der Kreuzung mit der Scheffelstraße oder auch ein Stück weiter an der Kreuzung mit der Wendelgardstraße kein Unterschied zwischen den Straßen erkennbar, der darauf schließen ließe, dass die Allmandstraße verkehrsberuhigt ist. Die Spielstraßenschilder an den Einmündungen sind letztlich der einzige Hinweis auf die Schrittgeschwindigkeit, die hier gefahren werden soll.

Wie sich diese widersprüchliche Straßensituation ergeben hat, dazu kann ein Blick in die Vergangenheit helfen. Alles begann mit dem Bebauungsplan, der einen „verkehrsberuhigten Bereich“ vorsah, ganz wichtig: in Anführungszeichen. So ist es der Gemeinderatsvorlage vom 14. Dezember 2018 zum Baubeschluss zu entnehmen.

„Straßenbild eindeutig autofreundlich und nicht fußgängerfreundlich“

Glatthaar erinnert sich: „Ich habe mir damals die Pläne angeschaut und sofort gesehen, dass zwar der Begriff verwendet wird, aber gar keine Spielstraße gebaut werden soll. Die erhöhten Bordsteine etwa waren schon in den Plänen zu erkennen.“ Erhöhte Bordsteine allerdings, also eine Trennung zwischen Gehweg und Fahrbahn widerspreche eigentlich einem verkehrsberuhigten Bereich, der umgangssprachlich auch Spielstraße genannt wird und von blauen Schildern begrenzt wird. In diesem dürfe ein Fußgänger grundsätzlich überall gehen und die Fahrzeuge müssten Rücksicht nehmen: „Das tatsächliche Straßenbild ist allerdings eindeutig autofreundlich und nicht fußgängerfreundlich“, meint Glatthaar.

Das Spielstraßenschild aus Richtung Scheffelstraße wurde deutlich versetzt, um besser sichtbar zu sein.
Das Spielstraßenschild aus Richtung Scheffelstraße wurde deutlich versetzt, um besser sichtbar zu sein. | Bild: Lena Reiner

Weil der Widerspruch bereits in der Planungsphase erkennbar war, wurde er auch in einer Gemeinderatssitzung thematisiert. Gerhard Leiprecht von den Grünen hakte nach, er sehe noch Diskussionsbedarf, da im vorberatenden Ausschuss nicht gesagt worden sei, wie denn der Bereich verkehrsberuhigt aussehen solle; unter verkehrsberuhigt verstehe man eigentlich eine Spielstraße. So ist es der Protokollniederschrift zur öffentlichen Sitzung des Gemeinderats vom 28. Januar 2019 zu entnehmen. Stadtbauamtsleiter Wolfgang Kübler antwortete darauf, dass die Stadtverwaltung dies anders meine. „Deshalb habe man diese Bezeichnung in Anführungszeichen gesetzt“, heißt es im Protokoll.

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Bodenmarkierungen sollen in Kürze aufgebracht werden

Und jetzt? Vielleicht könnte eine Bodenschwelle helfen, wie sie zuvor auch bereits vorhanden war, oder aber tatsächlich eine großflächige Spielstraßenmarkierung auf der Fahrbahn selbst, meint Glatthaar. Eins stehe fest: „Auch wenn ich die Bebauung kritisiere, ist das Letzte, was ich will, dass aus dieser Straße eine normale Tempo-30-Zone wird.“

Die städtische Pressesprecherin Monika Blank erklärt auf Nachfrage zu den im Februar angekündigten Bodenmarkierungen, dass diese beauftragt worden seien: „Je nach Wetterlage und verfügbaren Kapazitäten bei der beauftragten Firma werden die Markierungen voraussichtlich noch im Mai aufgebracht.“