Wegen versuchter Nötigung in zwei Fällen, Sachbeschädigung und Vermummung während einer öffentlichen Versammlung hat das Amtsgericht Tettnang einen 40-Jährigen zu sechs Monaten und zwei Wochen Haft auf Bewährung verurteilt. Der Mann hatte im Rahmen eines sogenannten Montagsspaziergangs am 10. Januar in Friedrichshafen zwei Reporter des SÜDKURIER angegriffen, bedroht und eine Kamera schwer beschädigt: Reporter Benjamin Schmidt und Fotojournalistin Lena Reiner, die gerade das Geschehen bei der Demo beobachteten.

In der Verhandlung gezeigte Videoaufnahmen dokumentieren, wie ein Mann die Reporterin anrempelt, eine weiße Plastikmaske vor das Gesicht und einen schwarzen Handschuh über die rechte Hand zieht und erneut auf die Kamera zugeht. Ab dann sind die Bilder verwackelt. Auf einem weiteren Video ist zu sehen, wie er die Reporterin nach Einschreiten ihres Kollegen loslässt und sich nach Eintreffen der Polizei zurückzieht. Zu hören ist, dass er wiederholt ruft: „Filmt mich nicht!“. Einmal droht er: „Ich klatsch dich um!“ Außerdem ist die Erklärung der Journalisten zu hören, dass sie bei einer öffentlichen Versammlung filmen dürfen.

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Lena Reiner schilderte im Zeugenstand, wie der Mann mehrfach versucht habe, ihr die Kamera zu entreißen. „Das ist ihm nur nicht gelungen, weil ich so ein Geschirr habe, das das verhindert“, sagte sie. Einmal habe er den Ellbogen in die Linse gestoßen. Ihr Kollege Benjamin Schmidt wies die Darstellung des Angeklagten zurück, er habe ihn an die Schulter gefasst. „Wir wollten eine körperliche Auseinandersetzung unbedingt vermeiden“, sagte er.

„Massiver Einschüchterungsversuch gegenüber der Presse“

„Es besteht kein Zweifel, dass es sich zugetragen hat wie angeklagt. Die Videoaufnahmen sprechen für sich“, sagte Richter Max Märkle in der Urteilsbegründung. Der Angeklagte habe gewusst, dass es sich um Vertreter der Presse handelte und das auch vorher so geäußert. Wer an einer öffentlichen Versammlung teilnehme, müsse dulden, dort gefilmt und fotografiert zu werden. „Es handelt sich um einen massiven Einschüchterungsversuch gegenüber der Presse“, sagte Märkle.

Der Angeklagte entschuldigte sich bei den Geschädigten. Es tue ihm leid, er sei überfordert gewesen von den vielen Menschen und Geräuschen und „über das Ziel hinausgeschossen.“

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Umlenkung des Umzugs beweist nicht dessen Leitung

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann zudem Vermummung und die Leitung der unerlaubten Versammlung vorgeworfen. Ein Polizist sagte aus, ihn mehrfach mit Maske und dirigierenden Bewegungen an der Spitze des Umzugs gesehen zu haben. Das Auftauchen vorn im Umzug und der Versuch, ihn umzulenken, beweise nicht dessen Leitung, urteilte Märkle. Den Tatbestand der Vermummung sah er als erwiesen an.

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Belastend wirkten sich für den Angeklagten mehrere Vorstrafen wegen Bedrohung, Körperverletzung sowie Betäubungsmittelmissbrauchs und -handels aus. Zu seinen Gunsten wertete das Gericht seine Entschuldigung. Die Freiheitsstrafe wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, der Verurteilte muss zudem 900 Euro an den Bewährungshilfeverein Ravensburg zahlen.