„Mir fällt gerade ein sehr kurioser Vorfall ein“, erinnert sich Peter Rothe ans Frühjahr zurück. Seine Frau habe im Laden gearbeitet, als ein Kunde hereinkam, der sich in den Laden stellte und ohne ein Wort mehr fragte: „Hefe?“ Mit einem 600 PS-Sportauto sei er offensichtlich durch die gesamte Gegend gefahren, um einen Würfel Hefe zu finden.

Video: Lena Reiner

Auch im Bioladen habe man die üblichen Engpässe dieser Zeit gemerkt: „Wir konnten auch kein Klopapier und keine Hefe mehr beibringen.“ Eine zusätzliche Schwierigkeit sei der zeitweise geschlossene Brennerpass gewesen, da bestimmtes Obst im März noch nicht in Deutschland gewachsen sei und auch Bioobst daher importiert werden musste.

Bilder aus der ersten Hochphase der Pandemie: Vorerst war keine Ingwer-Nachlieferung möglich. Ein Video im Internet, das Ingwer eine Heilwirkung gegen Covid 19 nachsagte, hatte zu großer Nachfrage geführt.
Bilder aus der ersten Hochphase der Pandemie: Vorerst war keine Ingwer-Nachlieferung möglich. Ein Video im Internet, das Ingwer eine Heilwirkung gegen Covid 19 nachsagte, hatte zu großer Nachfrage geführt. | Bild: Lena Reiner

Aktuell seien allerdings nicht Lieferengpässe die größte Schwierigkeit, sondern die geschlossene Gastronomie und ein Soforthilfekonzept, das auf ihre Situation nicht zutreffe. Die Soforthilfen der ersten Shutdownphase der Gastronomie seien auch schnell aufgebraucht gewesen.

Auch im Bioladen fehlte während des ersten Teilshutdowns das Desinfektionsmittel.
Auch im Bioladen fehlte während des ersten Teilshutdowns das Desinfektionsmittel. | Bild: Lena Reiner

„Es ist ja nicht so, dass wir kurz zu hatten; das zieht sich ja.“ Erst hatte die Gastronomie ganz schließen müssen, dann gab es Abholangebote, dann Abstandsregeln und mehr. Das bedeutete einen erhöhten Aufwand mit jemandem, der die Gäste platzieren sowie Tische und Speisekarten desinfizieren musste. Die Folge? „Weniger Umsatz, mehr Kosten und in der Gastronomie ist der Deckungsbeitrag so gering, dass es den ganz einfach auffrisst.“

Die Novemberhilfe hätten sie nicht erhalten können, da über den Bioladen, der weiter nennenswerte Umsätze mache, während das Bistro geschlossen sei, im Gesamtdurchschnitt kein Rückgang von 80 Prozent Umsatzeinbruch nachweisbar sei: „Das wird ja verrechnet.“ Der gerade einmal zwei Jahre junge Bioladen sei auch eigentlich noch in einer Phase, in der der Umsatz jährlich zunehmen solle. Wirklich Gewinn werfe der Laden noch nicht ab: „Es ist so, dass wir da gerade so an der Nulllinie herumrutschen.“

Letztlich würden sie aktuell dafür bestraft, investiert zu haben, da sie durch die aktuellen Gegebenheiten für das groß angekündigte Hilfsprogramm für den November nicht empfangsberechtigt seien.

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Wie er und seine Frau, mit der zusammen er Laden und Restaurant betreibt, mit der Situation umgehen? Sie hätten alle ins Boot geholt: Die Vermieterin, die Lieferanten und auch ihre Bank. Dabei handle es sich um eine Bank mit hundertprozentig ethischer Ausrichtung. Die sei nicht wie das klassische Bankensystem, die sagen: „Ich gebe dir im Sommer den Regenschirm und im Regen nehme ich ihn dir wieder weg.“ Für diese vielseitige Unterstützung aus dem (beruflichen) Umfeld sei er sehr dankbar.