„Unsere Tür stand eigentlich immer offen“, schildert Stefanie Leonhard, Leiterin der Herberge in Friedrichshafen. Das sei während einer Pandemie selbstverständlich nicht im wortwörtlichen Sinne möglich. Auch hier werden zum Beispiel Kontaktdaten zur Nachverfolgung im Infektionsfall erfasst. Dennoch versucht die Einrichtung für wohnungslose Menschen, ihren Betrieb so normal wie möglich aufrechtzuerhalten.

Stefanie Leonhard nutzt die Lüftungspause für ein Foto. Bei Kaffee und Essen in der Herberge gelten Personenzahlbegrenzung und ...
Stefanie Leonhard nutzt die Lüftungspause für ein Foto. Bei Kaffee und Essen in der Herberge gelten Personenzahlbegrenzung und Abstandsgebot. | Bild: Lena Reiner

Immer wieder muss jemand draußen warten

„Wir bieten all das an, was wir sonst auch anbieten, nur eben unter strengen Auflagen und erschwerten Bedingungen“, so Leonhard. Ihre ehrenamtlichen Helfer etwa seien aktuell nicht vor Ort, um die Anzahl der Kontakte zu reduzieren. Seit Mitte November gelte auch wieder eine Personenzahlbegrenzung für sämtliche Räume. „Das heißt auch, es muss immer wieder jemand draußen warten.“

Erschwert worden sei auch die Zusammenarbeit mit Behörden: Einige Beratungsangebote gebe es nur mehr telefonisch. „Für die Mehrheit der Menschen, die zu uns kommen, ist das keine Lösung“, erklärt die Leiterin der Herberge. Gerade bei fehlenden Sprachkenntnissen oder anderen Hürden sei die persönliche Ansprache enorm wichtig, das Tätigen eines Anrufs stelle eine zusätzliche Hemmschwelle dar. So nehme nun Telefonieren viel Zeit der Mitarbeiter in Anspruch.

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Bislang fünf Impftermine vor Ort

Immerhin „die Impferei“ hätten sie gut lösen können. “Das Landratsamt war sofort bereit, uns ein mobiles Impfteam zu schicken“, schildert Leonhard. Freilich habe auch dann eine gewisse Skepsis bestanden: „Wir mussten viele Fragen zur Impfung beantworten, es machen ja doch einige Gerüchte die Runde: Ein einfacher Aushang, dass jetzt geimpft wird, hätte nicht genügt.“ Dabei sei die Impfung selbstverständlich ein freiwilliges Angebot, betont sie. Für die Menschen, die hier ihre Anlaufstelle hätten, seien sie da – ganz unabhängig von deren Impfstatus.

Insgesamt sei der Impfbus fünf Mal vor Ort gewesen – für Mitarbeiter, Bewohner und Gäste. Beim letzten Mal sei auch geboostert worden, weiterhin wurden aber auch Erstimpfungen verabreicht. Inzwischen sei die Impfquote im Haus deutlich höher als in der Durchschnittsbevölkerung: „Natürlich handelt es sich dabei nur um eine Momentaufnahme, da die Bewohner auch wechseln.“

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Auch sonst hätten sie es bislang durch die Pandemie „geschafft“, ohne die Einrichtung wegen eines Corona-Ausbruchs schließen zu müssen. „Wir haben strikte Regeln, eine Maskenpflicht für alle etwa, die auch konsequent durchgesetzt wird, wir lüften und desinfizieren häufig.“ Auf Gruppenangebote und Feste sei verzichtet worden. Die Rückmeldung der Menschen, die sie unterstützten, sei dazu ganz klar: „Hauptsache, ihr seid da.“