Seit Jahren schwelt eine Auseinandersetzung zwischen zwei jungen Männern, die in Friedrichshafen im selben Haus leben und seit Jahren landen diese Streitigkeiten immer wieder vor Gericht. Im jüngsten Fall wurde dem 21-jährigen Angeklagten vorgeworfen, er habe seinem 26-jährigen Kontrahenten aus dem Treppenhaus einen Stoß von etwa zwölf gebündelten Telefonbüchern an den Kopf geworfen, als dieser im Begriff war, sein Fahrrad in den Keller zu bringen.

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„Er behauptet immer Sachen, die nicht stimmen“, sagte der 21-Jährige in der Verhandlung. „Ich weiß gar nicht, das wievielte Mal ich schon wegen ihm hier bin und die Anklage wird immer fallen gelassen.“

Beamte bringen Angeklagten ins Gericht

Diesmal war er zunächst überhaupt nicht im Amtsgericht Tettnang erschienen, woraufhin Rechtsreferendarin Clarissa Beisler für die Staatsanwaltschaft die Vorführung des Angeklagten beantragt hatte. Polizisten trafen den 21-Jährigen an dessen Anschrift an und lieferten ihn mit 80-minütiger Verspätung im Gerichtssaal ab.

„Ich wusste nichts von der Anklage, ich war im Urlaub“, entschuldigte sich der junge Mann, der sich wortreich selbst verteidigte. Ja, er sei ein böser Junge gewesen, aber jetzt sei er ein anderer, er habe einen Ausbildungsplatz und eine Freundin. Der Ankläger sei hier vielmehr der Aggressor, so der Angeklagte.

Zur Polizei, aber nicht zum Arzt

Dieser konnte sich im Zeugenstand nicht mehr genau an den Vorfall vom 12. August vergangenen Jahres erinnern. Der Stapel Telefonbücher sei gegen 19 Uhr geflogen gekommen und habe ihn am Hinterkopf und Rücken getroffen. Weil er dann Kopfschmerzen bekommen habe, sei er gegen 22 Uhr zur Polizei gegangen. Ein Beamter schilderte vor Gericht, dass der Mann gegen null Uhr Anzeige erstattet und gesagt habe, es sei um 21 Uhr passiert. Er habe ihm auch geraten, einen Arzt aufzusuchen, was der 26-Jährige nach eigenen Angaben aber nicht getan hat.

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Ein Auszug aus dem Bundeszentralregister zeigte, dass der Angeklagte bereits 16 Einträge wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung und ähnlicher Delikte hat. Der 26-Jährige hat elf Einträge wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Betrug und Diebstahl.

Was sich wirklich zugetragen hat, konnte in der Beweisaufnahme nicht geklärt werden. Der Angeklagte bestritt die Tat. „Es kann nicht festgestellt werden, welche Aussage stimmt“, begründete die Staatsanwaltschaft ihren Antrag auf Freispruch für den Angeklagten, dem Richterin Franziska Fischer-Missel folgte. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.