Früher hatte der Treffpunkt Teestube in Friedrichshafen, abgesehen vom Sonntagnachmittag, jeden Tag von morgens bis abends geöffnet. Die Ehrenamtlichen, die Schwester Baptista Ebenhoch um sich geschart hat, arbeiteten zu zweit in zwei Schichten. Dadurch fanden monatlich zwischen 900 und 1000 einsame oder gestrandete Menschen einen warmen Ort, an dem es für wenig Geld einen Kaffee, ein Vesper und Gesellschaft gab. Auch den Ehrenamtlichen gab es viel, dass sie hier „etwas zurückgeben“ konnten – an die, denen es weniger gut geht. Viele Gäste kamen täglich. Dann kam Corona und mit dem Lockdown im März das vorläufige Ende für die Teestube.

Start mit drei Nachmittagen pro Woche

„Inzwischen haben wir wieder geöffnet, aber nur Dienstag, Mittwoch und Donnerstag jeweils nachmittags“, sagt Jürgen Kegelmann, der Vorsitzende des Vereins Teestube Friedrichshafen. Viele der Ehrenamtlichen wollen oder können derzeit nicht kommen, weil sie entweder selbst im Rentenalter sind, einer Risikogruppe angehören oder Angehörige haben, die sie nicht gefährden möchten.

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Personalmangel herrscht dank der eingeschränkten Öffnungszeiten nicht. Auch deshalb nicht, weil es sich unter den Gästen erst wieder herumsprechen muss, dass die Teestube geöffnet hat. „Längere und regelmäßige Öffnungszeiten wären jetzt also ganz wichtig“, sagt Jürgen Kegelmann. Wer von den 35 Mitarbeitern nach Corona noch übrig bleiben wird und ob es wieder so wie vorher wird, lässt sich nicht abschätzen, aber dass jetzt jüngere Ehrenamtliche gebraucht werden, steht fest.

Schwester Baptista will warme Mahlzeiten anbieten

Schwester Baptistas Herzenswunsch wäre es noch immer, regelmäßig eine warme Mahlzeit anbieten zu können, am liebsten in neuen Räumen. „Wir haben hier keine Kochgelegenheit und bekommen für unsere Gäste zweimal im Monat etwas Warmes vom Ailinger Hof gespendet. Wie wichtig eine warme Mahlzeit ist, hat man in der Zeit, in der wir zu hatten, bei der Essensausgabe an St. Canisius sehen können.“

Die Ordensschwester hat keine Angst vor Corona. Schlimmer wäre für sie, wenn man sie ins Mutterhaus abberufen würde, solange sie hier gebraucht wird. Jürgen Kegelmann glaubt nicht, dass man Senioren aufgrund ihres Alters das Ehrenamt verbieten könne, schon deshalb nicht, weil es für viele mehr ist als einfach nur ein Amt. „Stellen sie sich vor, ich wollte Schwester Baptista untersagen, hierher zu kommen, nur weil sie schon 86 ist“, sagt er und muss bei der Vorstellung, wie sie darauf reagieren würde, lachen.

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