Drei Frauen sind mit drei kleinen Hunden unterwegs. Die fröhlich wirkenden Tiere schnüffeln im Herbstlaub und spielen. Die Szene an einem Novembernachmittag in Friedrichshafen sieht idyllisch aus. Dabei sind zwei der kleinen Hunde derzeit ohne Besitzer. Nur Luna ist bereits vermittelt, an Silvana Haupter, die sie an diesem Tag spazieren führt. Haupter gehört zu den Stamm-Gassigängerinnen des Häfler Tierheims. Seit elf Jahren führt sie hier regelmäßig die Hunde aus, jeden Tag nach der Arbeit. Luna hat sie vor Kurzem adoptiert. Ganz einfach sei das nicht gewesen, schildert Silvana Haupter: „Sie hat ihre Kumpels furchtbar vermisst.“ Daher nehme sie die Hündin nun immer mit zum Tierheim.

Silvana Haupter führt Hündin Luna und Rüde Andy an der Leine. Weiter hinten folgen ihre Schwester Daniela Böhlich (Mitte) und ...
Silvana Haupter führt Hündin Luna und Rüde Andy an der Leine. Weiter hinten folgen ihre Schwester Daniela Böhlich (Mitte) und Tierschutzvereinsvorsitzende Carola Fuchsloch. | Bild: Lena Reiner

Andy, Anna und Hannah, drei von Lunas Freunden, haben noch kein Zuhause gefunden. Überhaupt sei es derzeit schwierig, Tiere zu vermitteln, schildert Carola Fuchsloch. Sie ist die Vorsitzende des Häfler Tierschutzvereins, der das Tierheim leitet. Sie ist überzeugt: Vor Corona hätte sie die kleinen fröhlichen Hunde längst vermittelt.

Hannah gehört zu den Hunden, die derzeit ein neues Zuhause suchen. Sie kommt ursprünglich aus Rumänien und ist etwas mehr als ein Jahr alt.
Hannah gehört zu den Hunden, die derzeit ein neues Zuhause suchen. Sie kommt ursprünglich aus Rumänien und ist etwas mehr als ein Jahr alt. | Bild: Lena Reiner

Schon die Pandemie stellte den Alltag im Tierheim auf den Kopf: Nur das Stammteam war noch im Einsatz, die meisten ehrenamtlichen Helfer aus Gründen der Kontaktminimierung nicht mehr. Die Sorge: Infektionen und Ansteckungen könnten dazu führen, dass gar niemand mehr die Tiere versorgt.

Das könnte Sie auch interessieren

Aktuell sind es andere Krisen, die auch hier umtreiben. „Man merkt, dass die Leute Sorge haben wegen der gestiegenen Preise“, sagt Fuchsloch. „Das Interesse an Vermittlungen ist deutlich zurückgegangen und es werden viel mehr Nachfragen gestellt.“ Häufig kämen Fragen nach dem Gesundheitszustand der Tiere, aus Sorge vor kommenden Tierarztkosten. „Dabei kann man das nie so genau sagen, viele haben eine unbekannte Vorgeschichte“, erklärt sie.

Carola Fuchsloch ist die Vorsitzende des Häfler Tierschutzvereins. Zum ersten Mal im Tierheim war sie auf der Suche nach einem Kaninchen ...
Carola Fuchsloch ist die Vorsitzende des Häfler Tierschutzvereins. Zum ersten Mal im Tierheim war sie auf der Suche nach einem Kaninchen für ihren Sohn. Dann seien sie irgendwie dort hängen geblieben, schildert sie. | Bild: Lena Reiner

Während die Zahl der Vermittlungen zurückgehe, steige die Zahl der Anfragen nach Übernahmen aus anderen Tierheimen. In Polen etwa seien die Heime überlastet durch Tiere aus der Ukraine, sodass im Ausland um Unterstützung gebeten werde. Und auch in Deutschland gebe es vermehrt Abgaben. „Erst vor ein paar Tagen haben wir eine Rassekatze bekommen, da deren Besitzer sich ihr Spezialfutter nicht mehr leisten können“, berichtet die Tierschutzvereins-Vorsitzende. Brauche ein Tier Spezialfutter, könne man nicht einfach auf ein günstigeres Produkt wechseln. Das schade der Gesundheit des Tieres und in der Folge dann auch wieder dem Geldbeutel – durch Tierarztkosten.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch im Tierheim seien sie die gestiegenen Futterpreise spürbar. Auch hier sei es vor allem das Spezialfutter für ältere Tiere, das heraussticht, sagt Carola Fuchsloch: „40 Cent macht das teilweise pro Dose aus.“ Hinzu kämen die hohen Gaspreise, wobei sie diese noch gar nicht genau überblicken könnten: „Wir sind nicht ans öffentliche Gasnetz angeschlossen, sondern haben einen Tank, der immer wieder befüllt werden muss.“ Und sparen könnten sie nur bedingt. Die Unterkünfte der Tiere müssten bis zu einem gewissen Grad dauerhaft beheizt werden und Schildkröten etwa bräuchten ihre Wärmelampe; die könne man nicht einfach abschalten.

Das Katzenhaus wird derzeit ausgebaut, der neue Außenbereich zeigt schon jetzt seine Wirkung. Selbst drinnen scheue Katzen blühen hier ...
Das Katzenhaus wird derzeit ausgebaut, der neue Außenbereich zeigt schon jetzt seine Wirkung. Selbst drinnen scheue Katzen blühen hier an der frischen Luft auf. | Bild: Lena Reiner

Trotz all der Schwierigkeiten gebe es aber auch Positives: Der Ausbau des Katzenhauses ist derzeit in vollem Gange. Der Außenbereich wird von den Samtpfoten bereits fleißig erkundet und manche Fellträgerin entdeckt dabei eine neue Seite an sich. „Sie zum Beispiel ist drinnen ganz scheu und zurückhaltend“, sagt Fuchsloch und deutet auf eine der Katzen, die genüsslich ihre Nase in Wind und Sonnenstrahlen reckt.