„Meinem Unternehmen hätte wirklich nichts Kurioseres beziehungsweise Dümmeres passieren können als Corona“, sagt Carola Dambach von Carosmart. Ihre Erfindung, ein Rucksack, der als Sitz- und Arbeitsplatzalternative für überfüllte Wartehallen, Terminals, Uni-Säle, Messehallen und Züge entwickelt wurde, war „von heute auf morgen wegen Corona kein Thema mehr“, erzählt die Friedrichshafenerin.

Carola Dambach mit ihrem mobilen Büro, das in einem Rucksack steckt.
Carola Dambach mit ihrem mobilen Büro, das in einem Rucksack steckt. | Bild: Carosmart

Kälter hätte die Dusche nicht ausfallen können, betont die Gründerin. Doch wie das Leben so spiele: „Es kamen auf einmal wieder Bestellungen rein“, sogar von einem ganz neuen Kundenkreis. „Die Umsätze sind klar verbesserungswürdig – doch es geht weiter“, so Carola Dambach.

Das Team der Yuri GmbH (von links): Mark Kugel, Christian Bruderrek, Maria Birle, Philipp Schulien.
Das Team der Yuri GmbH (von links): Mark Kugel, Christian Bruderrek, Maria Birle, Philipp Schulien. | Bild: Jud, Marcel

Für die Gründer von Yuri sind die Folgen der Corona-Krise weniger spürbar. Das Start-up mit Sitz in Meckenbeuren wurde im Juni 2019 gegründet. „Corona ist für unser Geschäft beziehungsweise den Markt eigentlich nicht ausschlaggebend gewesen“, sagt Mark Kugel vom Yuri-Gründerteam. Das Start-up organisiert und begleitet Experimente im Bereich der Mikrogravitation, dem „Zustand annähernder Schwerelosigkeit“. Dazu plant und organisiert es Missionen zur internationalen Raumstation, Parabelflüge, Experimente in Falltürmen und mehr. „Die Raumfahrt ist ein sehr langfristiges Geschäft“, erläutert Kugel. Biotech- und Pharmaunternehmen würden einen Aufschwung erleben, durch die Zusammenarbeit profitiere davon auch das Start-up. „Für Beeinträchtigungen sorgt die Corona-Krise eher bei der Akquise und der Durchführung von Projekten.“

Bettina Arnegger
Bettina Arnegger | Bild: Mona Lippisch

„Die Newbility GmbH haben wir mitten in der ersten Corona-Welle gegründet“, erzählt Bettina Arnegger. Das Unternehmen soll der elektrischen Mikromobilität zum Durchbruch verhelfen. Dazu haben Bettina Arnegger, Julián Murmis und Christoph Müller ein intelligentes Softwaremodul entwickelt, die Kunden beim Kauf von E-Bikes, E-Scootern oder E-Cityrollern berät und unterstützt. „Seit der Gründung haben wir sehr viele Fortschritte gemacht“, sagt die Tettnangerin. Die Geschäftsidee der drei Gründer sei von Corona sogar getrieben worden – dank des Booms in der Fahrradbranche und einem digitalen Geschäftsmodell.

Gründer Moritz Wobith.
Gründer Moritz Wobith. | Bild: privat

Und bei www.travelwell.io? „Wir sind in der Reisebranche aktiv“, sagt Moritz Wobith. Natürlich ist gerade hier die Krise noch lange nicht überwunden. Dennoch „sehen wir unsere Situation im Moment mehr als Chance, um uns in der Post-Corona Zeit gut am Markt positionieren zu können“, so der Student und Gründer. Was das Produkt anbelangt, „mussten wir umdenken“. Die Grundidee, einen intelligenten Algorithmus zu schaffen, der für unsere Nutzer die perfekte Reise plant, sei schwer umsetzbar gewesen, als sich die Zahl der Reisebuchungen im April dem Nullpunkt näherte. „Entstanden aus dieser Not ist unser Reiseplanungstool, mit dem man ganz einfach und übersichtlich Schritt für Schritt seine Reise planen und strukturieren kann.“

Was bereitet Gründern aktuell Probleme?

Bettina Arnegger glaubt, dass es gerade für Gründer, die momentan in großen Finanzierungsrunden stecken, problematisch werden kann. Insgesamt sei die Existenzsicherung gerade in der Krise für Gründer ein ganz wichtiges Thema. Für Carola Dambach liegt das Hauptproblem „ganz klar in der fehlenden Planungssicherheit“.

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Bei Yuri sieht man im eigenen Arbeitsalltag derzeit vor allem logistische Schwierigkeiten. „Bei komplexen Projekten sind erste Absprachen sicherlich per Videokonferenz möglich. Wenn es dann allerdings ins Detail geht, dann sind wir darauf angewiesen, die Kunden vor Ort zu treffen“, sagt Mark Kugel. Auch bei der Umsetzung von Projekten komme es auf die internationale Zusammenarbeit an. „Für einen Raketenstart müssten wir im November in Florida sein, das ist aktuell schwierig. Auch unsere Partner aus Australien können derzeit nicht das Land verlassen.“

Wo gibt es Chancen für die Gründerszene?

Carola Dambach sieht auch Chancen: „Als der Lockdown kam, war es für mich zwar bitter, doch ich habe auch sehr die Zeit mit meinen Söhnen zu Hause genossen“, sagt sie. Zudem sei die Digitalisierung eine Riesenchance, wenn man bereit sei, sich damit auseinanderzusetzen. Die Karten werden neu gemischt, glaubt Moritz Wobith: „Die Chance in der Reiseindustrie besteht für uns darin, dass die Big-Player nicht mehr die Marktmacht haben, die sie in der Hochphase vor Corona hatten.“

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Auch Bettina Arnegger sieht, dass sich in der Corona-Krise neue Trends und Themen entwickelt haben. „Die Branche, die wir mit unserer Beratung ansprechen wollen, war bisher noch nicht so digital, wie sie es sein könnte.“ Bei manch einem Händler, der sich bisher vielleicht noch etwas gesträubt habe, habe sich das Bewusstsein geschärft, dass sich das Kaufverhalten der Kunden verändert und es daher neue digitale Kanäle braucht. „Schön finde ich, dass trotz der Corona-Krise das Bewusstsein für die Klimakrise nach wie vor vorhanden ist“, sagt die 31-Jährige.

Was brauchen Start-ups jetzt?

Bettina Arnegger wünscht sich, dass die Klimakrise durch die Pandemie in der Priorisierung nicht nach unten rutscht. „Für die Mobilitätswende brauchen wir politische Maßnahmen und einen wissenschaftlichen Diskurs“, sagt die 31-Jährige. Sie kämpfe außerdem dafür, dass für wertortientierte Unternehmen das passende Wachstumskapital bereitgestellt wird.

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In den kommenden Monaten wird entscheidend sein, wie sich die wirtschaftliche Lage weiterentwickelt, sagt Moritz Wobith.“Wenn wir nach der Coronakrise in eine Rezession laufen, wird es nicht nur für eingesessene Unternehmen, sondern auch für uns Start-ups schwer, uns am Markt zu behaupten. Er hofft auf sinnvolle Förderpakete. Laut Mark Kugel (Yuri GmbH) müsste vor allem die „unfassbare Bürokratie“ erleichtert werden. „Gerade wenn die Krise länger andauert, braucht es unbürokratische Wege“, ist er sich sicher.

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