Für die Kirchengemeinde in Ailingen ist es ein Schock. Die Gläubigen dürfen ihr Gotteshaus nicht mehr betreten. Anfang Juli hat ein Statiker festgestellt, dass die katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Ailingen einsturzgefährdet ist. Die Dachkonstruktion der Kirche, die in der sogenannten Kämpfträgerbauweise errichtet ist, entspricht derjenigen der Eissporthalle in Bad Reichenhall, die 2006 eingestürzt ist. Kämpfträger sind verleimte Hölzer, die eigentlich zur Stabilität eines Gebäudes beitragen sollen.

„Wir haben unheimliches Glück gehabt, dass bei den Stürmen der vergangenen Jahre nichts passiert ist.“
Ulrike Weiß, die Leiterin des Verwaltungszentrums

„Aber der Leim hat sich verabschiedet, die verleimten Teile gleiten einfach auseinander“, sagt Ulrike Weiß, die Leiterin des Verwaltungszentrums und Gesamtkirchenpflegerin. Jetzt ist das Gotteshaus für unbestimmte Zeit geschlossen. „Wir haben unheimliches Glück gehabt, dass bei den Stürmen der vergangenen Jahre nichts passiert ist“, sagt Ulrike Weiß.

Gottesdienste werden an andere Orte verlegt

Vorerst werden die Wochentagsgottesdienste in das benachbarte Roncalli-Haus in Ailingen verlegt und die Eucharistiefeiern am Wochenende finden in St. Martinus in Oberteuringen statt. Diese Kirchengemeinde zählt, wie Ailingen und Ettenkirch, zur Seelsorgeeinheit von Pfarrer Reinhard Hangst.

Das könnte Sie auch interessieren

„Es sind auch einige Hochzeiten in der Pipeline gewesen, die immer wieder wegen Corona verschoben wurden“, sagt Ulrike Weiß, die keine Ahnung hat, wie es jetzt weitergehen soll. Gesamtkirchengemeinde und Architekt Oberschelp suchen fieberhaft nach einem Sanierungskonzept für das denkmalgeschützte Gotteshaus aus dem Jahre 1959. „Wir holen jetzt alle möglichen Holzfachleute aufs Dach“, sagt Ulrike Weiß.

Mit einem Innengerüst könnte die Kirche wieder genutzt werden

Parallel dazu wird nach einem Innengerüst Ausschau gehalten, das man aufstellen kann, um das Dach abzustützen, damit die Kirche wenigstens wieder genutzt werden kann. „Uns allen ist klar, dass man die Sanierung vermutlich nicht in zwei Jahren hinkriegt“, sagt Ulrike Weiß.

Die Kirchengemeinde steht sowieso schon vor großen finanziellen Herausforderungen

Für Ulrike Weiß war die Hiobsbotschaft vom einsturzgefährdeten Gotteshaus auch finanziell gesehen „ein richtiger Schock“, denn seit zwei Jahren macht das Flachdach von St. Maria Jettenhausen schon Kummer. Eine Dachsanierung käme dort auf 700.000 Euro und jetzt kommen auch noch die Kosten für die Ailinger Kirche hinzu. „Ich hab das Geld nicht annähernd“, sagt die Kirchenpflegerin. Kirchenaustritte sorgen für sinkende Steuereinnahmen, durch Corona fehlen Einnahmen aus den Gemeindesälen, die Unterhaltslast für die Kirchen steigt und die Besucherzahlen sinken. In Jettenhausen wünscht sich der Pfarrer bereits eine Verkleinerung der Kirche, selbst ein Abriss sei im Gespräch, so Weiß.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Leiterin des Verwaltungszentrums sucht nach Lösungen, doch das gestaltet sich nicht einfach: „Wir wollten die Friedhofskirche St. Maria in Ailingen der Stadt geben, weil sie ja als Aussegnungshalle dient, aber jeder lässt die Finger von einem denkmalgeschützten Gebäude, dadurch wird der Strick um unseren Hals aber immer enger.“