Begegnung und Austausch pflegen und fördern: Dieses Vereinsziel war auch für die Zeppelin-Universitätsgesellschaft (ZUG) in den vergangenen anderthalb Jahren durch die Corona-Pandemie schwierig bis unmöglich. Man habe „neu gelernt, was selbstverständlich ist und was nicht“, begrüßte ZUG-Vorstand Andreas Schell die Gäste beim Empfang, der nach einem Jahr Pause und reiflicher Überlegung am Mittwochabend doch stattfand. Die Spendengala ist für den Verein wichtig, um einen Teil des Jahresbudgets von rund 40 000 Euro zu akquirieren, mit dem vor allem studentische Projekte gefördert werden. 14 sind es diesmal.

Aus dem Nähkästchen geplaudert

Mit dem früheren „Spiegel“-Chefredakteur, Buchautor und „Welt“-Herausgeber Stefan Aust wurde einmal mehr ein Redner engagiert, der Zugkraft hat. Aust hat die deutsche Medienlandschaft unzweifelhaft mit geprägt. Es gäbe unzählige Ansätze, sich mit ihm als Person und seinem Wirken auseinanderzusetzen. Für diese Gala schien den Veranstaltern der Plauderton jedoch passender. Und so unterhielt sich ZUG-Vorstandsmitglied Philipp Gotterbarm mit dem 75-Jährigen über sein jüngstes Werk, die TV-Dokumentation „Frau Bundeskanzlerin“ über die 16-jährige Kanzlerschaft von Angela Merkel, die in diesen Wochen zu Ende geht.

Lebendig und amüsant erzählte Stefan Aust manche Anekdote aus den Hinterzimmern der Politik.
Lebendig und amüsant erzählte Stefan Aust manche Anekdote aus den Hinterzimmern der Politik. | Bild: Cuko, Katy

Nein, einen Vortrag wolle er nicht halten, sagte Aust, und ließ sich auf ein Frage-Antwort-Duett ein, bei dem er letztlich doch den Takt vorgab. Trotzdem entstand ein durchaus spannender Einblick in die Produktion der fünfteiligen Doku. Die ursprüngliche Idee war, Angela Merkel in ihrem letzten Jahr als Kanzlerin zu begleiten und so auch Protagonisten an ihrer Seite zu befragen, erzählte Aust.

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Doch dieses Konzept kollidierte mit der Pandemie und ihren (Reise-)Beschränkungen. So reifte die Idee, vorhandenes Filmmaterial zu verwenden, dass es bei „Spiegel TV“ in Hülle und Fülle gebe. Als Geniestreich erwies sich, so der Gründer des Magazin-Formats im Fernsehen, von der ersten Sendung an das Rohmaterial für jeden Beitrag zu archivieren.

Anekdoten aus den Hinterzimmern der Politik

Stefan Aust stieg also in dieses Archiv, als alle anderen im Homeoffice arbeiteten, und verbrachte allein 20 Tage mit der Sichtung von Material. Welche Fundstücke er hier zutage förderte, daran ließ er die ZUG-Gäste mit lebendigen und amüsanten Schilderungen teilhaben. Dass – der ihm bis heute freundschaftlich verbundene – Alt-Kanzler Gerhard Schröder genau genommen Angela Merkel zur Kanzlerin gemacht habe, weil die SPD-Spitze damals eben keine Ampelkoalition wollte, floss in die Erzählung ebenso beiläufig ein wie manch andere Anekdote aus den Hinterzimmern der Politik.

„Ich wollte nichts anderes, als ihre Geschichte mit Bilder rekonstruieren“, sagte Stefan Aust. Doch er wäre nicht jener streitbare Journalist, wenn er nicht auch im Foyer des See-Campus der Zeppelin-Universität seine Meinung über 16 Jahre Angela Merkel zum Besten gegeben hätte.