Im Vereinsheim der Sportfreunde Friedrichshafen duftet es nach heißen Seelen und im Gastraum sieht es wie auf einem kleinen Wochenmarkt aus. Mit „Speisen to go“ und heimischen Produkten versucht Anja Meissner ihre Sportgaststätte in Jettenhausen doch noch zu retten.

Keine staatliche Hilfe für den Gastronomiebetrieb

Monatelang hat sie sich mit Nebenjobs über Wasser gehalten, Security im Impfzentrum, ein Job auf dem Hopfenfeld und Aushilfe im Getränkemarkt, aber jetzt reicht auch das nicht mehr. Im Hauptberuf ist sie als Flugsicherheitsassistentin am Flughafen Friedrichshafen angestellt. „Da sieht es auch nicht besser aus“, sagt sie, Kurzarbeit seit April – und jetzt nur noch minimale Auslastung mit absolutem Mindestlohn. Trotzdem gibt es genau wegen dieser Anstellung keine staatliche Hilfe für den Gastronomiebetrieb.

Das könnte Sie auch interessieren

Dabei hatte vor Corona alles noch so gut ausgesehen. Die Fußballer der Sportfreunde hatten es wieder auf Tabellenplatz zwei geschafft, die Kegler spielten in der Bundesliga und im Oktober sollten zehn Jahre Vereinsheim in Eigenregie gefeiert werden. „Und wir haben uns dann auch noch ein Haus gekauft“, Anja Meissner holt tief Luft, denn das bedeutet, dass sie nicht endlos privates Geld ins Vereinsheim stecken kann, so gern sie das auch täte.

Die 44-Jährige ist hier fast zu Hause und lebenslang im Verein, der Opa war Linienrichter, der Vater war Trainer, die fünf Kinder und die Schwiegermutter helfen, wo sie können, Mann und Schwiegervater kümmern sich um die Außenanlagen. Anja Meissner war früher selbst 17 Jahre Jugendleiterin, dann hat sie zehn Jahre im Vereinsheim bedient, heute ist sie die Vorsitzende des Vereins und Pächterin der Gastronomie.

Gastronomin: „Alle waren vorsichtig“

„Im Frühjahr hatte es noch staatliche Unterstützung gegeben. Das hat für die Fixkosten bis Juni gereicht“, sagt sie. Als man im Sommer wieder öffnen durfte, lagen die Einnahmen bei etwa 50 Prozent. „Alle waren vorsichtig. Und Sportler, die nicht duschen dürfen, setzen sich auch nicht verschwitzt an den Tisch“, erklärt die Gastronomin.

Das könnte Sie auch interessieren

Seit November hat ihr der Verein jetzt schon die Pacht erlassen und durch eine Spendensammlung, die der Stammtisch im Verein organisiert hat, kamen 900 Euro für Strom, Versicherungen und die Leasingraten für die Kosten im Februar zusammen. Für März sieht es jedoch bescheiden aus. Freunde und Bekannte aus Jettenhausen haben Kommissionsware gebracht, jetzt gibt es in dem kleinen Gebäude an der Ludwig-Dürr-Schule jeden Samstag und Sonntag von 14 bis 20 Uhr Obst von Bauer Baur, Wurst von der Metzgerei Forster, Getränke vom Getränkemarkt Scherz, Markus Kohlers Honig, Blumen von Bluomo und natürlich Hamburger, Wurstsalat, Seelen und mehr aus Anja Meissners Küche zum Mitnehmen.

Das Echo ist ermutigend, so hat das Malergeschäft all seine Angestellten geschickt und der Chef hat die Rechnung komplett übernommen und auch die Arbeitskolleginnen kamen am Samstag mit Hunger von der Frühschicht am Flughafen um Anja Meissner zu unterstützen.

Das könnte Sie auch interessieren

Ob das reicht? Anja Meissner hofft es. „Das Schlimmste ist die Unsicherheit, das geht ja nicht nur mir so, ich weiß, dass in Friedrichshafen ganz viele in der gleichen Situation sind und die haben es nicht so gut wie ich, denen wird die Pacht nicht erlassen“, sagt sie. Aber es ist nicht nur das Finanzielle, das sie drückt. „Alles steht still, uns fehlt allen alles, der Sport, die sozialen Kontakte, das tut mir in der Seele weh“, sagt Anja Meissner, dann holt sie nochmals tief Luft: „Ich will einfach nur mein altes Leben zurück oder wenigstens einen verlässlichen Termin, wann es weitergehen kann.“