Nein, die Tempo-Box, die neben dem Stuhl von Steffen Rooschüz stand, brauchte niemand. Weder traurig noch rührselig geriet die Abschiedsfeier, die „seine“ Merianschule ihrem Schulleiter mit vielen Gästen aus Stadtpolitik und städtischen Schulen in der mit reichlich Krepppapier dekorierten Turnhalle bereitet hatte. Ganz im Gegenteil: Sie wurde bunt und lustig, kurzweilig und laut.

Rooschüz wechselt ab 1. April ans Staatliche Schulamt Markdorf, wo er als Schulrat tätig sein wird. Auch seinen Posten als Geschäftsführender Schulleiter in Friedrichshafen gibt er ab, ebenso den Vorsitz des Vereins Betreuung an Schulen in Friedrichshafen. An der Merianschule übernimmt ab April zunächst Konrektorin Tanja Betz. Die Stelle für den Geschäftsführender Schulleiter werde ausgeschrieben.

„Einfach spitze, dass du da warst“ sangen die Zweitklässler der Merianschule zum Abschied.
„Einfach spitze, dass du da warst“ sangen die Zweitklässler der Merianschule zum Abschied. | Bild: Cuko, Katy

Dafür sorgten vor allem die Kinder der ersten bis fünften Klassen. An der Videowand standen Schüler-Zitate, die Steffen Rooschüz als Seelenwärmer im neuen Job als Schulrat für Sonderpädagogik am Staatlichen Schulamt Markdorf begleiten werden. Er war ein „kuler Direktor“, stand da, einer der sich „gut an die Schulregeln hält“ und überhaupt „nicht so schlecht gelaunt ist wie ganz viele andere Lehrer“.

Und noch eine Kreppblume: Nach der Abschiedsfeier hatte Steffen Rooschüz über 100 gebastelte Blumen zusammen.
Und noch eine Kreppblume: Nach der Abschiedsfeier hatte Steffen Rooschüz über 100 gebastelte Blumen zusammen. | Bild: Cuko, Katy

Aber es gab auch leise, nachdenkliche Momente. So wie die Rede von Bürgermeister Andreas Köster, der an Zeiten erinnerte, als die Sonderschule für Kinder noch Stigma war. „Was macht das mit einem Kind, wenn es im Diktat 28 Fehler schreibt“, stellte er fragend in den Raum.

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Die ganz große Lobby hätten Sonderpädagogische Schul- und Beratungszentren (SBBZ) wie die Merianschule, die sich um Kinder mit Lernschwächen kümmert, heute immer noch nicht. „Aber es hat sich viel geändert“, stellt Köster fest und verweist auf den Schutzraum Schule, der die Probleme jedes Kindes sehe und ihm Perspektiven gebe. Diesen Anspruch habe Steffen Rooschüz „mehr als gelebt“.

Gerold Ehinger (links) von der Tannenhagschule sprach Dankesworte zum Abschied im Namen der Häfler Schulleiter.
Gerold Ehinger (links) von der Tannenhagschule sprach Dankesworte zum Abschied im Namen der Häfler Schulleiter. | Bild: Cuko, Katy

Diese Anerkennung und Wertschätzung wurde dem Sonderpädagogen mit intrinsischer Motivation, mit Herz und Hirn im montessorischen Verständnis vielfach entgegengebracht. So von Gerold Ehinger, dem Leiter des SBBZ Tannenhagschule, der für alle Schulleiter in der Stadt sprach, deren Sprachrohr Steffen Rooschüz seit 2017 als Geschäftsführender Schulleiter war.

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Ob Schulentwicklungsplan, Baumaßnahmen oder zuletzt Corona: Er habe in dieser Rolle immer für gemeinsame, verbindliche Absprachen der Schulen gesorgt, mit Rathaus und Gemeinderat so einen tragfähigen Mittelweg gefunden und viel erreicht. Viele Baustellen bleiben. „Tschüss, mein lieber Kollege, und herzlich willkommen als neuer Chef.“

Ab sofort kein Team mehr: Konrektorin Tanja Betz übergab Abschiedsbriefe des Kollegiums an Steffen Rooschüz und leitet nun kommissarisch ...
Ab sofort kein Team mehr: Konrektorin Tanja Betz übergab Abschiedsbriefe des Kollegiums an Steffen Rooschüz und leitet nun kommissarisch die Merianschule. | Bild: Cuko, Katy

Rooschüz selbst sieht den Wechsel ins Schulamt als Fortsetzung dessen, was ihm wichtig ist: gemeinsam gute Schule machen – nur eben aus einer anderen Perspektive. In seiner Definition gehören da Mensapersonal, Reinigungskräfte, Sozialarbeiter, freilich Lehrkräfte und mittendrin die Schüler dazu. Ihm geht es um mehr als Unterricht, der in Lehrplänen und Verordnungen geschrieben steht. Es geht um Theater und Musik, Sport und Ganztagsbetreuung. Um einen Ort, wo auch Schwächen ihren Platz haben. Eben nicht nur darum, ob es der, die oder das Butter heißt. „Ich sag‘ immer: Geb mir den Butter“, erklärte er schmunzelnd.