Viele Ideen haben sie bereits: Sarah Hussein möchte sich für bessere Busverbindungen einsetzen, für Sportangebote und für eine Jugendstreife: „Eine von der Polizei angeleitete Jugendstreife könnte andere Jugendliche bei Fehlern ansprechen“, erklärt sie.

Kandidatinnen haben viele Ideen

Jana Schmid hätte gern mehr Platz für Graffiti und 3D-Gemälde. „Außerdem könnte ich mir ein Jugendcafé von Jugendlichen für Jugendliche vorstellen. Dort könnten sich Schüler verschiedener Schulen treffen und wer die Klassenkasse aufbessern möchte, kann Kuchen verkaufen. Wichtig wäre, dass Jugendliche dort wirklich frei wären“, sagt sie.

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Sofija Gizdatullina stimmt zu und ergänzt: „Es sollte jeden Tag geöffnet haben und Platz haben, sodass Schüler da Präsentationen vorbereiten oder zusammen lernen können.“ Außerdem wünscht sie sich für Friedrichshafen mehr Einkaufsmöglichkeiten für junge Leute.

Was motiviert die Jugendlichen, sich zu engagieren?

Sofija Gizdatullina, Sarah Hussein und Jana Schmid kandidieren für das neue Jugendparlament. Sie sind 15 und 16 Jahre alt und wissen, dass im Fall einer Wahl viel Arbeit auf sie zukäme: Arbeitskreise, Ausschuss- und Gemeinderatssitzungen zum Beispiel. „Ich bin gut organisiert und würde das als Hobby ansehen“, sagt Sarah. Sofija arbeitet neben der Schule bereits im Restaurant und würde ihre Zeit entsprechend einteilen: „Wenn ich eine Verantwortung übernehme, dann mache ich das auch.“ Jana Schmid sagt: „Ich würde mich ja für etwas einsetzen, das mir wichtig ist. Wenn wir für Jugendliche etwas verbessern können, wäre das eine Belohnung für den Zeitaufwand.“

Die drei besuchen die Mädchen- und Jungenrealschule St. Elisabeth. Hier interessieren sich besonders viele Jugendliche für einen Sitz im Jugendparlament – sieben Kandidaten haben sich aufstellen lassen. Das sei schon bei früheren Wahlen so gewesen, sagt Simone Waller. Sie ist Lehrerin für Deutsch, Englisch und Gemeinschaftskunde und an der Schule für die Wahl verantwortlich. „Wir haben sehr viele sozial und politisch interessierte und engagierte Schülerinnen und Schüler an der Schule.“

Lehrerin Simone Waller hat die Wahl in St. Elisabeth organisiert.
Lehrerin Simone Waller hat die Wahl in St. Elisabeth organisiert. | Bild: Corinna Raupach

Sie hat einen regelrechten Wahlkampf organisiert: die kandidierenden Jugendlichen füllten Steckbriefe aus und stellten sich in einem Video vor. In der Morgenrunde standen sie ihren Mitschülern Rede und Antwort. „Wir haben auch die jüngeren Klassen eingebunden, damit sie da reinwachsen“, sagt Waller. Ihre siebte Klasse trug die Wahlurne durch die Schule. Seit Montag wurde in den einzelnen Klassen gewählt. „Die Wahlbeteiligung war sehr hoch“, sagt Waller. Jetzt steht die gut gefüllte Urne mit den Stimmzetteln im Lehrerzimmer. Wer zu Beginn der Woche krank war, kann nachwählen.

Die Wahlurne ist gut gefüllt – viele Schüler haben sich an der Wahl zum Jugendparlament beteiligt.
Die Wahlurne ist gut gefüllt – viele Schüler haben sich an der Wahl zum Jugendparlament beteiligt. | Bild: Corinna Raupach

Aus jeder Schule können zwei Vertreter in das Parlament entsandt werden. Die Resonanz ist unterschiedlich: Während an St. Elisabeth sieben Jugendliche zur Wahl stehen und am Graf-Zeppelin-Gymnasium fünf, kandidiert jeweils eine Person an der Bodenseeschule St. Martin, an der Droste-Hülshoff-Schule und an der Swiss International School. An manchen Schulen fand sich niemand, ebenso wenig wie für die acht Plätze für Jugendliche in Ausbildungen oder Freiwilligendiensten. Diese Mandate bleiben im Parlament unbesetzt. Eine Übersicht über alle Kandidaten gibt es auf der Internetseite der Stadt.

Freiwillige können sich über Arbeitskreise einbringen

Seit diesem Jahr hat das Jugendparlament eine vom Gemeinderat beschlossene Geschäftsordnung. Neu ist die auf zwei Jahre festgelegte Amtsperiode und die Beschränkung des Parlaments auf die gewählten Vertreter. Bisher engagierten sich dort auch Freiwillige. Die neue Geschäftsordnung sieht vor, dass diese sich lediglich über Arbeitskreise einbringen.

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Jugendbeteiligung in Jugendtreffs geplant

„Diese Arbeitskreise werden aus der Mitte des Jugendparlaments gebildet und Jugendliche können unverbindlich auch unterjährig an den Treffen der Arbeitskreise teilnehmen“, erklärt eine Sprecherin der Stadt. Zudem seien im neuen Jahr sogenannte Jugendhearings, ein Beteiligungsformat, in Jugendtreffs geplant. Sie sollen Jugendlichen ermöglichen, ihre Anliegen im Beisein von Mitgliedern des Gemeinderats zu äußern und Veränderungsvorschläge einzubringen.

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Wahlergebnis soll am Mittwoch feststehen

Für Sofija, Sarah und Jana heißt es jetzt warten. Sie sind sich aber einig, dass sie ohnehin schon viel gewonnen haben: „Ich habe mir viele Gedanken gemacht über Friedrichshafen und die Jugendlichen hier“, sagt Sarah. Sofija schätzt die Erfahrungen, die sie beim Drehen des Videos, beim Erstellen des Steckbriefs und in Gesprächen mit ihren Mitschülern gemacht hat. Jana ist stolz, dass sie vor der Schule erklärt hat, Verantwortung für die Zukunft ihrer Stadt übernehmen zu wollen. Am Mittwoch werden die Ergebnisse der Wahl vorgestellt. Dann werden sie wissen, ob sie einen Sitz im Jugendparlament haben.