Was war Ihr erster Gedanke, als Sie erfuhren, dass Sie für die Bürgerliste Pro Kluftern im Ortschaftsrat nachrücken?

Das war für mich sehr überraschend. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet. Ich habe 2019 kandidiert, um die Bürgerliste Pro Kluftern zu unterstützen und war nach der Wahl bereits überrascht, dass ich auf dem fünften Platz gelandet bin. Damit war klar, dass ich bei vier Sitzen unserer Fraktion nachrücke, falls einer von ihnen aus dem Gremium ausscheidet. Und das ist jetzt passiert. Natürlich freue ich mich, dass ich mich jetzt in den Ortschaftsrat miteinbringen kann.

Welchen Bezug haben Sie zu Kluftern?

Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Mit knapp 30 bin ich weggezogen und habe 20 Jahre in Rheinland-Pfalz gelebt. Den Bezug zu Kluftern habe ich aber nie verloren. Hier leben meine Mutter, meine Schwestern und viele alte Freunde und Bekannte. Die Kontakte und Freundschaften hatten über all die Jahre Bestand. Auch der Bezug zum See war für mich immer da. Mit 50 habe ich die Weichen für mich nochmals neu gestellt und bin zurück in die Heimat gezogen. An der Realschule des Bildungszentrums Markdorf, die ich selbst besucht habe, unterrichte ich seit neun Jahren als Lehrerin.

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Welches sind in Ihren Augen die wichtigsten Aufgaben, die in Kluftern angegangen werden sollten?

Als erstes denke ich an die Aufgabe, günstigen Wohnraum für Familien zu schaffen. Dafür halte ich eine verdichtete Bebauung und das Schließen von Baulücken Stück für Stück für notwendig. Die Gestaltung der Klufterner Ortsmitte sollte ebenso auf dem Plan stehen wie der weitere Ausbau der Radwege. So ist es insbesondere für die radelnden Grundschüler wichtig, dass die Verbindung zwischen Kluftern und Efrizweiler sicherer wird. Die Gestaltung des eher kahlen Platzes vor der Brunnisachhalle ohne jegliches Grün sollte ebenso angegangen werden wie eine bessere Taktung der Linienbusse. Richtig toll finde ich aber die Klufterner Infrastruktur mit Lebensmittelmarkt, Ärzten und Apotheke, Metzgerei und Bäckerei. Das ist für eine Ortschaft dieser Größe eine Besonderheit und bereichert unseren Alltag.

Wenn Sie einfach mal träumen – was wünschen Sie sich für Kluftern?

Sehr schön fände ich einen Gemeindegarten, in dem jeder von Blumen über Obst und Gemüse anbauen und ernten kann. Kluftern als ökologisches Solardorf wäre eine weitere Vision. Schritte in diese Richtung können wir gehen, indem wir noch mehr auf erneuerbare Energien setzen und zum Beispiel das Car-Sharing weiter ausbauen.

Mit was für einem Arbeitsaufwand rechnen Sie als frisch gebackene Ortschaftsrätin?

In Stunden kann ich das zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Es ist aber schon so, dass zur Teilnahme an den monatlichen Sitzungen des Ortschaftsrats auch die Vorbereitung und das Lesen der Sitzungsunterlagen hinzukommen. Außerdem treffen wir uns vor jeder Sitzung in der Fraktion, um die verschiedenen Themen mit ihren eventuellen Knackpunkten durchzugehen. Ich vermute, dass der Aufwand höher sein wird, als ich ursprünglich gedacht habe.

Haben Sie sich vor dem Ehrenamt als Ortschaftsrätin bereits anderweitig ehrenamtlich engagiert?

Als Jugendliche war ich Mitglied im Klufterner Kirchengemeinderat und in der KJG aktiv, danach für einige Jahre in der Markdorfer Umweltgruppe.

Welchen Stellenwert hat das Ehrenamt für Sie?

Ich finde es toll, wenn sich Menschen ehrenamtlich engagieren. Je nach Bereich nehmen sie einen hohen Zeitaufwand auf sich. Insbesondere wenn sie Entscheidungen zu fällen haben, bekommen sie in der heutigen medienorientierten Zeit nicht nur nette Kommentare ab. Das Ehrenamt hat meines Erachtens eine große Bedeutung für unsere Gesellschaft, egal ob im sozialen, politischen oder kirchlichen Bereich. Ich glaube, dass einen das Ehrenamt aber auch persönlich weiterbringt. Vieles in unserer Gesellschaft ist auch in finanzieller Hinsicht nur möglich, weil sich Menschen ehrenamtlich einbringen.

Als Lehrerin haben Sie das Auf und Ab im Zuge der Corona-Pandemie hautnah miterlebt. Wie sind Sie durch das vergangene Jahr gekommen?

Es war das anstrengendste Jahr meines Berufslebens! Von Online-Unterricht über Wechselunterricht mit Präsenzphasen bis hin zu den Corona-Schnelltests hat uns das Thema in Atem gehalten. Anstrengend war, parallel Fernlernunterricht und Unterricht vor Ort in der Schule zu halten und zwei Prüfungsklassen auf den Abschluss vorzubereiten. Persönlich habe ich ebenso wie viele andere die privaten Treffen, Familienfeiern und Feste schmerzlich vermisst. Aktuell befinde ich mich – zum Glück zum ersten Mal – in Quarantäne und kann nicht mal zum Joggen gehen.

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Gab es in Ihren Augen auch positive Effekte?

Positiv für die Schule ist mit Sicherheit, dass die Digitalisierung deutliche Fortschritte gemacht hat. Es wurde innerhalb eines Jahres sehr viel dazu gelernt und die Schulen wurden technisch aufgerüstet. Davon profitieren Schüler und Lehrer sicher auch in Zukunft. Persönlich habe ich wieder gelernt, die einfachen Dinge zu schätzen, beispielsweise Freunde und Familie zu treffen oder einfach mal ins Kino oder zu einer Kulturveranstaltung zu gehen. Das werde ich künftig nicht mehr für so selbstverständlich halten wie vor Corona. Mein Bezug zur Natur ist eher gewachsen. Ich habe noch mehr Spaziergänge gemacht und bin noch mehr gejoggt als früher. Das hat natürlich gut getan.

Was wünschen Sie sich für das kommende Schuljahr?

Normalität! Am besten wäre ein Jahr ohne Corona und dass die Schüler wieder ganz regelmäßig zum Unterricht in die Schule kommen können. Außerdem hoffe ich, dass wieder Veranstaltungen in der Schule möglich sein werden. Dazu gehören auch Abschlussfahrten, Arbeitsgemeinschaften, Ausflüge oder Exkursionen. Schule ist ein sozialer, kommunikativer und kultureller Lernort. Das hat während Corona nicht stattgefunden. Ich wünsche mir ein ganz normales Schuljahr, in dem unsere Schülerinnen und Schüler wieder ganz normale Kinder und Jugendliche sein können. Ich habe keine Ahnung, ob das ein Traum ist. Im September wissen wir mehr.

Und was wünschen Sie sich für Kluftern und seine Bürger?

Eine große Stärke von Kluftern ist das gute Miteinander, das lebendige Vereinsleben und das große Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Für die Ortschaft erhoffe ich mir, dass alle geplanten und immer wieder verschobenen Veranstaltungen bald wieder stattfinden können. Dazu gehört zum Beispiel auch der Kaffeenachmittag, auf den die Senioren so lange verzichten mussten. Es wäre schön, wenn die Vereine wieder aktiv werden könnten. Da kann man nur hoffen, dass die Mitglieder bei der Stange geblieben sind. Ebenso wie für die Schule wünsche ich mir auch für unsere Ortschaft einfach die Normalität zurück.

Fragen: Claudia Wörner