Wie schafft man es, dass Autos und Lastwagen künftig die B 31-neu auch nutzen? Und wie kann es gleichzeitig gelingen, Radfahrern und Fußgängern mehr Platz zu gewähren, ohne viel Geld ausgeben zu müssen? Und wie könnte man all das in nur wenigen Monaten realisieren?

Diese Fragen hat sich der ADFC in Friedrichshafen gestellt und ein umfangreiches Maßnahmenkonzept erarbeitet. „Wir haben unsere Ergebnisse an den Gemeinderat, an die Stadtverwaltung, an Oberbürgermeister Andreas Brand, an das Regierungspräsidium, an das Landratsamt und viele weitere Stellen geschickt“, berichtet Bernhard Glatthaar vom ADFC Kreisverband Bodenseekreis.

Alte Ortsdurchfahrt soll für Autos unattraktiv werden

Er hofft, dass seine Ideen Gehör finden und auch umgesetzt werden, denn es dauert nicht mehr allzu lange, bis die B 31-neu mit einer Länge von 12,7 Kilometern ganz für den Verkehr freigegeben wird. Geplant ist das im zweiten Quartal 2021. Bisher ist nur ein sechs Kilometer langes Teilstück zwischen Fischbach und Schnetzenhausen befahrbar, da der Anschluss an den Colsman-Knoten und der Waggershauser Tunnel noch nicht fertig gestellt ist.

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„Ein Armutszeugnis für die Stadt“

„Es ist wichtig, dass schon am Tag der Verkehrsfreigabe die Nutzung der alten Ortsdurchfahrt für Autofahrer möglichst unattraktiv wird“, meint Bernhard Glatthaar. Bisher habe sich die Stadtverwaltung dazu aber keine Gedanken gemacht – für den ADFC-Vorsitzenden nichts anderes als ein „Armutszeugnis“.

Dafür hat der Häfler Fahrrad-Aktivist sich selbst die Mühe gemacht, die gesamte Strecke zu untersuchen. Und hat insgesamt 15 Maßnahmen aufgelistet, die mit wenig Aufwand gleich zwei Probleme auf einmal lösen könnten: „Sollten die Vorschläge umgesetzt werden, bekommen Radfahrer und Fußgänger viel mehr Platz und Autos und Schwerlastverkehr weichen auf die neue Bundesstraße aus“, erklärt der ADFC-Mann.

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Durchgängig Tempo 30

Eine zentrale Forderung des ADFC ist es, auf der gesamten B 31-alt (Meersburger Straße, Zeppelinstraße, Albrechtstraße, Maybachstraße, Maybachplatz) die Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer zu reduzieren. Zudem müsse es ein Lastwagen-Fahrverbot geben. „Das dient sowohl der Verkehrssicherheit als auch dem Lärmschutz und führt zu einer Reduzierung der Attraktivität für Autofahrer“, argumentiert Glatthaar.

Nur noch zwei statt drei Spuren für Autos

An vielen Stellen auf der B 31-alt, etwa auf der Zeppelinstraße in Fischbach, aber auch auf der Albrecht- und Maybachstraße, gibt es derzeit drei Fahrspuren. „Der ADFC fordert, die Fahrbahn für Kfz umgehend auf zwei Fahrstreifen zu reduzieren und dadurch frei werdende Flächen mit temporären Maßnahmen konsequent dem Rad- und Fußverkehr zu widmen“, heißt es in der 53-seitigen Präsentation.

Radfahrstreifen sollen überall dort entstehen, wo genug Platz ist – das ist die Hoffnung des ADFC, wenn es um die alte Ortsdurchfahrt auf der B31-alt geht.
Radfahrstreifen sollen überall dort entstehen, wo genug Platz ist – das ist die Hoffnung des ADFC, wenn es um die alte Ortsdurchfahrt auf der B31-alt geht. | Bild: Graf, Svenja

Dazu könnten sowohl Radfahrstreifen oder so genannte geschützte Radfahrstreifen ganz einfach auf der Fahrbahn markiert werden. „Und so wäre es dann auch möglich, den geforderten Sicherheitsabstand von 1,50 Meter zu Fahrrädern überhaupt einzuhalten“, erläutert Glatthaar. Die Fahrbahnen für die Autos wären trotzdem mit 3,25 Meter Breite noch völlig ausreichend.

Vorrang für Busse statt für Autos

Auch in Sachen ÖPNV hat sich der ADFC Gedanken gemacht. „Die Bushaltestellen der Seelinie sollten als Bus-Caps auf der Fahrbahn angelegt werden“, heißt es in dem Konzept. Busse würden also mitten auf der Straße halten. So könnten Gefährdungen der Fahrgäste beim Ausstieg auf den Radweg verringert werden, zudem werde klar, dass der ÖPNV im Straßenverkehr Priorität genieße.

Bus-Caps auf der Straße gibt es etwa in Immenstaad an der Alten Ziegelei. Mit diesem Konzept wäre genug Platz, um daneben Radschutzstreifen auch auf der B31-alt zu bauen.
Bus-Caps auf der Straße gibt es etwa in Immenstaad an der Alten Ziegelei. Mit diesem Konzept wäre genug Platz, um daneben Radschutzstreifen auch auf der B31-alt zu bauen. | Bild: Adfc

Auch die Fußgänger sollen profitieren

Bisher wird entlang der B31-alt an vielen Stellen der Rad- und Fußverkehr auf gemeinsamen Wegen geführt. Doch dabei kommt es oft zu Konflikten. „Deshalb ist die Trennung durch eigene Radwege wichtig“, erklärt Bernhard Glatthaar. Zudem fordert der ADFC neue Querungsinseln, die einfach auf der Straße installiert werden könnten.

Mehr Querungshilfen für Fußgänger und Radfahrer, wie hier am Ortseingang von Fischbach, fordert der Radverband.
Mehr Querungshilfen für Fußgänger und Radfahrer, wie hier am Ortseingang von Fischbach, fordert der Radverband. | Bild: Lena Reiner

Zuschüsse aus dem Landeshaushalt möglich

Der ADFC hofft nun, dass die Stadtverwaltung sowie die Verkehrsbehörden ein offenes Ohr für die Vorschläge haben. Bernhard Glatthaar weist darauf hin, dass es für Maßnahmen wie den Umbau innerörtlicher Straßen sowie die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse für den Rad- und Fußverkehr Zuschüsse nach dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG) geben könne.

„Daher sollten diese kurzfristigen Maßnahmen dringend in den Haushalt 2021 aufgenommen werden“, empfiehlt der ADFC. Die Stadt habe sich zudem dem Klimaschutz verschrieben: „Jetzt ist es an der Zeit, die richtigen Prioritäten zu setzen“, mahnt Glatthaar. Die B31-alt wäre dafür geradezu prädestiniert.

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