Das Vorgespräch findet auf dem Kirchplatz statt. Die Marktbeschicker sollen nicht mitbekommen, was geplant ist, die Bedingungen während der Probefahrt mit dem Feuerwehrfahrzeug so realistisch wie möglich sein. Nur Martinshorn und Blaulicht werden nicht eingesetzt. „Wir müssen die Marktbesucher ja nicht unnötig aufscheuchen“, erklärt Stadtbrandmeister Louis Laurösch. Allerdings solle doch getestet werden, wie die Beschicker ihre Stände tatsächlich aufbauten, ohne etwas von der Kontrolle zu wissen.

Stadtbrandmeister Louis Laurösch erklärt, wie weit das Feuerwehrfahrzeug durchfahren können muss, um alle am Adenauerplatz gelegenen Wohnungen bei einem Einsatz erreichen zu können. Neben ihm steht Feuerwehrmann Patrick Schmidt.
Stadtbrandmeister Louis Laurösch erklärt, wie weit das Feuerwehrfahrzeug durchfahren können muss, um alle am Adenauerplatz gelegenen Wohnungen bei einem Einsatz erreichen zu können. Neben ihm steht Feuerwehrmann Patrick Schmidt. | Bild: Lena Reiner

Vor einigen Jahren sei berechnet worden, wie viel Platz die Feuerwehr bei einem Einsatz benötigt und welche Stellen des Marktgeländes, das sich vom Buchhorn- bis zum Adenauerplatz erstreckt, sie erreichen muss: „Wir müssen da nicht in jedes Eck rein, aber eben so stehen können, dass wir alle Häuser erreichen“, so Laurösch. „Die haben ihre Zugänge nämlich an der Seite, an der auch der Markt stattfindet.“

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Los geht‘s von der Karlstraße kommend linkerhand über den Adenauerplatz. Direkt nach ein paar Metern zeigt sich: Hier müssen eilig Schirme abgebaut werden, die mit ihren schweren Standfüßen gar nicht so leicht wegzuschaffen sind. Der Rest der Durchfahrt ist frei. Manche der Stände sind sogar besonders weit hinten platziert, herausragende Schirme und Klappen schnell geschlossen. Wichtig ist, dass der Boden grundsätzlich freibleibt. Schnelle Handgriffe wie das Einklappen eines Schirms oder einer Ladeklappe seien auch im Ernstfall möglich, erläutert Laurösch.

Schirme und Klappen werden zügig geschlossen, um dem Feuerwehrfahrzeug Platz zu machen. Das ist auch im Ernstfall kein Problem, wenn nur wenige schnelle Handgriffe nötig sind.
Schirme und Klappen werden zügig geschlossen, um dem Feuerwehrfahrzeug Platz zu machen. Das ist auch im Ernstfall kein Problem, wenn nur wenige schnelle Handgriffe nötig sind. | Bild: Lena Reiner

Wie können die Marktbeschicker überhaupt wissen, bis wohin ihr Marktstand auf den Platz oder die Straße ragen darf? Das ist schnell erklärt: In den Boden sind kleine Metallknubbel eingelassen, die die freizuhaltende Gasse markieren. „Viele denken, zweieinhalb Meter reichen aus, da das Fahrzeug diese Breite hat. Mit Spiegeln sind es allerdings drei Meter und die seitlichen Stützen machen nochmal 1,20 Meter aus“, erklärt Laurösch. Beim Rundgang verstecken sich manche Markierungen unter Standaufbauten und Autoreifen. Immerhin: Die Mehrheit von ihnen ist sichtbar und der Abstand damit eingehalten.

Bei diesen unscheinbaren Metallknubbeln handelt es sich um die Markierung der Feuerwehrdurchfahrt. Marktstände dürfen eigentlich nicht über sie hinausragen.
Bei diesen unscheinbaren Metallknubbeln handelt es sich um die Markierung der Feuerwehrdurchfahrt. Marktstände dürfen eigentlich nicht über sie hinausragen. | Bild: Lena Reiner

Ein Stand ragt deutlich zu weit auf den Platz hinaus. Hier müssen erst einmal etliche Kisten umgestellt werden, damit das Fahrzeug hindurchpasst. Für die Stadtverwaltung ergibt sich aus dieser Engstelle direkt eine Hausaufgabe: „Die Laterne und die Telefonzelle hier könnten versetzt werden, damit der Markstand weiter hinten aufgebaut werden kann“, erläutert Pressesprecherin Andrea Kreuzer. So werde die Situation für alle Beteiligten vereinfacht.

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Laurösch betont: „Jede Minute, die wir im Ernstfall Verzögerung haben, kostet Leben.“ Daher sei es wichtig, dass die markierten Gassen tatsächlich frei blieben. Bei rund 1000 Einsätzen pro Jahr sei es auch nicht ganz unwahrscheinlich, dass sie die Durchfahrt hier nutzen müssten.

Geschafft! Stadtbrandmeister Louis Laurösch hat eben den Seitenspiegel wieder ausgeklappt. Mit ausgeklapptem Spiegel hätte das Feuerwehrfahrzeug nicht zwischen Laterne und dem über die Markierung am Boden hinausragenden Marktstand hindurchgepasst.
Geschafft! Stadtbrandmeister Louis Laurösch hat eben den Seitenspiegel wieder ausgeklappt. Mit ausgeklapptem Spiegel hätte das Feuerwehrfahrzeug nicht zwischen Laterne und dem über die Markierung am Boden hinausragenden Marktstand hindurchgepasst. | Bild: Lena Reiner

Felix Engesser, Abteilungskommandant der Feuerwehrabteilung Friedrichshafen, der an diesem Tag das Fahrzeug durch die Engstellen lenkt, betont: „Und wir löschen ja nicht nur Brände, sondern helfen auch bei Reanimationen oder transportieren Verletzte über die Leiter, die nicht durchs Treppenhaus getragen werden können.“ Letzteres, ergänzt Laurösch, könne etwa bei Verletzungen an der Wirbelsäule der Fall sein.

Stadtbrandmeister und Feuerwehrkommandant Louis Laurösch urteilt nach der Probefahrt: „Da wäre teilweise kein Zentimeter mehr Platz gewesen, aber wir wären einsatzbereit gewesen. Allerdings war das jetzt auch eine Fahrt unter sehr ruhigen Bedingungen. Im Ernstfall kommt die Aufregung der Leute dazu und Schaulustige, die im Weg stehen. Auch sind wir dann meist nicht mit einem, sondern zwei oder drei Fahrzeugen unterwegs.“
Stadtbrandmeister und Feuerwehrkommandant Louis Laurösch urteilt nach der Probefahrt: „Da wäre teilweise kein Zentimeter mehr Platz gewesen, aber wir wären einsatzbereit gewesen. Allerdings war das jetzt auch eine Fahrt unter sehr ruhigen Bedingungen. Im Ernstfall kommt die Aufregung der Leute dazu und Schaulustige, die im Weg stehen. Auch sind wir dann meist nicht mit einem, sondern zwei oder drei Fahrzeugen unterwegs.“ | Bild: Lena Reiner
Marktleiterin Cathrin Batzner zeigt sich mit der Rundfahrt zufrieden: „Ich denke, wir sollten solche Fahrten in unregelmäßigen Abständen immer wieder durchführen. Seit ich Marktleiterin bin, war es die Erste. Ein Marktbeschicker hat mir auch gesagt, dass es ihn freut, dass wir das hier heute gemacht haben. Es helfe ihm dabei, sich das vorzustellen. So ein Feuerwehrauto sieht man ja normalerweise nicht in Relation zu einem Marktstand und kann sich daher schwer vor Augen führen, wie viel Platz es tatsächlich braucht.“
Marktleiterin Cathrin Batzner zeigt sich mit der Rundfahrt zufrieden: „Ich denke, wir sollten solche Fahrten in unregelmäßigen Abständen immer wieder durchführen. Seit ich Marktleiterin bin, war es die Erste. Ein Marktbeschicker hat mir auch gesagt, dass es ihn freut, dass wir das hier heute gemacht haben. Es helfe ihm dabei, sich das vorzustellen. So ein Feuerwehrauto sieht man ja normalerweise nicht in Relation zu einem Marktstand und kann sich daher schwer vor Augen führen, wie viel Platz es tatsächlich braucht.“ | Bild: Lena Reiner

Kann die Feuerwehr nicht einfach über alles, was im Weg steht, fahren, wenn es brenzlig wird? Laurösch verneint diese Frage eines Passanten und erklärt: „Einerseits würde dann vielleicht ein Markstand umfallen und erst recht den Weg blockieren. Andererseits befinden sich sensible Sensoren unten am Fahrzeug, die dann beschädigt werden könnten.“