Alexandros und Piero Ledda hätten sich kaum einen ungünstigeren Zeitpunkt für große Pläne aussuchen können: „Wir hatten Anfang des Jahres die Idee, ein eigenes Restaurant zu eröffnen und dann kam Corona„, erzählt Piero Ledda. Trotzdem – oder vielleicht auch gerade deshalb – sind sie fündig geworden.

Vom Vertreter einer bekannten Biermarke seien sie darauf aufmerksam gemacht worden, dass am Fallenbrunnen ein Pächterwechsel anstehe und hätten sich prompt beworben. „Man kennt das hier oben natürlich: Als wir jünger waren, sind wir zum Feiern ins Metro gegangen“, schildert Alexandros Ledda. Die Brüder sind gebürtig aus Nordrhein-Westfalen.

Alexandros (links) ist laut seinem Bruder Piero „der Star im Haus“. Er hingegen mache eher die Hintergrundtätigkeiten und helfe überall da, wo er kann. Die beiden Brüder kommen aus einer Familie mit langer Gastronomieerfahrung.
Alexandros (links) ist laut seinem Bruder Piero „der Star im Haus“. Er hingegen mache eher die Hintergrundtätigkeiten und helfe überall da, wo er kann. Die beiden Brüder kommen aus einer Familie mit langer Gastronomieerfahrung. | Bild: Lena Reiner

„So ein altes Gebäude hat auch einfach seinen Charme, finde ich“, ergänzt Piero mit Blick auf die Außenfassade mit ihren Bögen und Nischen. Auch der große Außenbereich habe sie von der Attraktivität des Standorts überzeugt. Für das kommende Frühjahr haben sie schon Ideen zur Bepflanzung gesammelt, und außerdem: „Wir denken auch, dass man hier schön einen Brunch anbieten kann; im Frühsommer im Freien ist das sicher eine schöne Sache.“

Die Bauzäune und Banner versperren derzeit lediglich den Zugang zum Metropol. Die dahinterliegende Tür zum Ausstellungsraum Kunsthaus Caserne und zum Restaurant ist nicht von der Sperrung betroffen.
Die Bauzäune und Banner versperren derzeit lediglich den Zugang zum Metropol. Die dahinterliegende Tür zum Ausstellungsraum Kunsthaus Caserne und zum Restaurant ist nicht von der Sperrung betroffen. | Bild: Lena Reiner

Vorerst allerdings soll das Restaurant, das den Namen „Fratelli“ (italienisch für Brüder) tragen soll, erst mittags seine Türen öffnen.

Das heißt, wenn es denn seine Türen öffnen kann. Aktuell rechnen sie mit einem Eröffnungstag irgendwann im Laufe des Novembers: „Wir möchten uns terminlich nicht allzu sehr festlegen, da immer irgendetwas dazwischenkommen kann.“ Aktuell ist der Gastraum eine Baustelle. Der Holzfußboden ist entfernt, da er teilweise feucht war, und die Bühne zeigt ihre Unterkonstruktion, da sie ein wenig umgestaltet werden soll, um mehr Platz für Gäste zu schaffen.

Hinzu kommen notwendige Arbeiten, die beim Gesamtgutachten des Kulturhauses Caserne von der Stadt Friedrichshafen festgelegt wurden. Auch davon sind die beiden überrascht worden, lassen sich aber nicht aus der Ruhe bringen: „Wir wussten ja, dass hier einiges gemacht werden muss.“

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Etwas schwierig gestaltet sich für sie allerdings die ungewöhnliche Pachtsituation: Zwar ist der direkte Verpächter die Kulturhaus Caserne gGmbH, durch das städtische Gemäuer zeichnet gleichzeitig allerdings auch die Stadt Friedrichshafen verantwortlich. So müssen Umbaumaßnahmen, wie etwa die Erneuerung der Toiletten, die die beiden gern vornehmen würden, zeitgleich mit mehreren Stellen abgestimmt werden.

Die Tür zum Restaurant ist derzeit nur für Handwerker geöffnet. Im Laufe des Novembers sollen dann wieder Gäste empfangen werden.
Die Tür zum Restaurant ist derzeit nur für Handwerker geöffnet. Im Laufe des Novembers sollen dann wieder Gäste empfangen werden. | Bild: Lena Reiner

„Da müssen wir uns noch zurechtfinden, wer wo wie wann kontaktiert werden muss“, erklärt Piero und lacht. Insgesamt sind die beiden optimistisch; die jahrelange Gastronomieerfahrung liegt in der Familie und sie freuen sich, hier ihr eigenes Konzept etablieren zu können.

Pizza, Pastagerichte, Antipasti sollen auf der Speisekarte stehen, die um eine Wochenkarte mit Fleisch- und Fischgerichten ergänzt werden soll. Im Bereich hinter der Bühne wird außerdem ein Loungebereich entstehen, dazu passend wird es ein Cocktailangebot geben.

Warum die Tage des „Amicus“ gezählt sind

Doch wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass jetzt Pizza, Pasta und Cocktails serviert werden statt Tapas und Sandwiches? Christian Uhl, der das „Amicus“ in den vier Jahren zuvor betrieben hat, wirkt erleichtert über die Entscheidung, das Restaurant aufzugeben.

Christian Uhl hat das Restaurant Amicus fast vier Jahre lang betrieben und es nicht nur wegen der coronabedingten Krisenzeit abgegeben.
Christian Uhl hat das Restaurant Amicus fast vier Jahre lang betrieben und es nicht nur wegen der coronabedingten Krisenzeit abgegeben. | Bild: Lena Reiner

„Es war nie planbar“, erklärt er. Es habe Tage gegeben, an denen das Lokal voll gewesen sei und Tage, an denen es fast komplett leer geblieben sei. Nicht einmal die Art der Veranstaltung, die nebenan im Kulturhaus stattfand, habe über den Publikumsverkehr Auskunft geben können: „Mal waren wir beim Poetry Slam überlaufen und kamen zu zweit nicht hinterher, dann habe ich extra mehr Mitarbeiter eingeplant und beim nächsten Poetry Slam kam niemand zu uns.“

Aus seiner vorherigen Gastronomieerfahrung habe er eine derartige Unplanbarkeit nicht gekannt: „So extrem waren die Unterschiede da nicht. Es gab hier irgendwie kein Mittelmaß.“

Bei Hochzeitscaterings habe er oft allein gearbeitet, von morgens bis spät in die Nacht hinein: „Ich hätte mir Mitarbeiter dazuholen können, aber ich wollte die Hochzeiten nutzen, um Schulden auszugleichen.“ So sei die Arbeit für ihn besonders stressig gewesen.

Risiko durch Corona-Pandemie zu groß

Vor etwa einem Dreivierteljahr habe sich dann allerdings eine Lösung gefunden: Sowohl der „Culturverein Caserne„ als auch das Kulturhaus hätten begonnen, ihren Gästen nach der Kartenbestellung eine E-Mail zuzusenden mit der Option, direkt auch einen Tisch im Restaurant zu reservieren: „Dadurch wurde es planbarer und das lief wirklich gut.“

Doch dann kam die Zwangspause durch die Corona-Pandemie. Das Risiko, sich weiter zu verschulden, wurde für Christian Uhl zu hoch: „Ich möchte jetzt erst einmal angestellt arbeiten und dann mal sehen, ob ich in zwei, drei Jahren wieder ein Lokal eröffne.“

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