Sie wippen mit den Füßen, lächeln sich zwischendurch an und nicken einander zu – den Musikern ist die Freude anzumerken, mitten im Lockdown zusammen zu spielen.

Das neue Ensemble Minifaktur probt unter der Leitung von Musikdirektor Pietro Sarno.
Das neue Ensemble Minifaktur probt unter der Leitung von Musikdirektor Pietro Sarno. | Bild: Corinna Raupach

Als Ekaterina Afanasieva zum Harfensolo ansetzt, hört der Rest des Ensembles entspannt zu, ehe er sich im Walzertakt zurückschleicht. Über freundliches Horn tanzt die Klarinette, Flöte und Oboe tupfen Verzierungen ins Streicherthema, ab und zu meldet sich Torsten Wenz mit Pauke oder Triangel zu Wort.

Musikdirektor Pietro Sarno dirigiert den Blumenwalzer.
Musikdirektor Pietro Sarno dirigiert den Blumenwalzer. | Bild: Corinna Raupach

Unter der Leitung von Pietro Sarno probt das Ensemble Minifaktur den Blumenwalzer aus Tschaikowskis Nussknacker-Suite für das Konzert am zweiten Advent. Es ist das erste Konzert – das Ensemble hat sich gerade erst gegründet. „Die Idee hatten wir seit dem Musiktheater. Da waren so viele junge, großartige Musiker dabei, mit denen wir etwas Neues anfangen wollten“, sagt Pietro Sarno, in Friedrichshafen als Musikdirektor, Dirigent des Stadtorchesters und der letzten Musiktheater-Produktion bekannt.

Zum Gründungstrio gehört auch Torsten Wenz, Schlagzeuglehrer an der Musikschule. „Ich habe das in 25 Jahren Berufstätigkeit noch nicht erlebt: Alle haben begeistert zugesagt, die wir gefragt haben, alle sind gekommen und auch die Unterstützung durch das Kulturbüro hat uns sehr geholfen“, sagt er.

Torsten Wenz ist mit Pietro Sarno Gesellschafter des neuen Ensembles.
Torsten Wenz ist mit Pietro Sarno Gesellschafter des neuen Ensembles. | Bild: Corinna Raupach

Die Idee: Eine flexible Kammermusikcombo, die als kleines Orchester sowie als Duo, Trio oder Quintett auftreten und Musik von Klassik bis Pop aufführen kann. „So etwas gibt es in der Region noch nicht“, sagt Sarno. Jedes Instrument ist einfach besetzt – Orchesterwerke wie der Blumenwalzer bekommen so eine durchsichtige, schlanke Klangfarbe, ohne an Melodiereichtum zu verlieren.

Lea Polanski gehört zum Gründungstrio von Minifaktur.
Lea Polanski gehört zum Gründungstrio von Minifaktur. | Bild: Corinna Raupach

Dritte Mitgründerin ist Flötistin Lea Polanski, Trägerin des Friedrichshafener Künstlerförderpreises. „Die Regionalität ist uns wichtig. Wir wollen mit Musikern aus der Region ein festes Ensemble bilden, so dass wir ohne große Anfahrten Konzerte anbieten können“, sagt sie. Von Trossingen bis Friedrichshafen, Wangen und Vorarlberg reicht das Einzugsgebiet, die Mitglieder sind Musiklehrer, Studenten oder Orchestermusiker.

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Die Gründung im für Künstler schwierigen Herbst 2020 ist kein Zufall. Alle Beteiligten mussten im letzten Halbjahr immer wieder Konzerte ausfallen lassen, das Stadtorchester sagte alle drei Konzerte ab. „Wenn man mir als Musiker sagt, ich kann meinen Beruf, das was ich liebe und wofür ich jeden Morgen aufstehe, nicht ausüben, dann muss ich etwas unternehmen“, sagt Dirigent Sarno. „Profi-Ensembles sind zum Glück vom Probenverbot ausgenommen. Daher dürfen wir hier zusammen spielen“, ergänzt Wenz.

Für dem zweiten Advent plant Minifaktur den ersten Auftritt per Livestream.
Für dem zweiten Advent plant Minifaktur den ersten Auftritt per Livestream. | Bild: Corinna Raupach

Für das erste Konzert hat Sarno einen weihnachtlichen Rahmen gewählt: Das Vorspiel von Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel und Tschaikowskis Nussknackersuite stehen auf dem Programm, dazu Debussys „Prélude à l‘après-midi d‘un faune“. „Diese drei Werke sind in der gleichen Zeit entstanden, sie wurden zwischen 1892 und 1894 uraufgeführt. Dabei könnten sie kaum unterschiedlicher sein“, sagt Sarno. Als Erzähler der Nussknacker-Geschichte tritt Winfried Neumann auf, der ehemalige Leiter des Kulturbüros.

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