Auf den meisten Baustellen brummt es – trotz Corona. Dass die Pandemie aber auch hier für Zwangspausen sorgen kann, zeigte sich erst jüngst in Singen. Was wird also getan, um Infektionen auf Baustellen zu verhindern? Wie steht es um die hygienischen Bedingungen? Wir haben uns bei Beteiligten an der Großbaustelle in der Regener Straße in Friedrichshafen umgehört.

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Dort, auf dem Grundstück von Robert Baur, entstehen derzeit 78 Wohneinheiten. Die „Prisma Zentrum für Standort- Regionalentwicklung GmbH“ zeichnet als Dienstleister für die Koordinierung der Gewerke verantwortlich. Geschäftsführer Stefan Nachbaur erklärt: „Einen Hygienebeauftragten gibt es sowieso immer. Dieser achtet nun verstärkt auf die Einhaltung der aktuellen Maßnahmen.“ Generell sei die Baustelle „gut durchlüftet“. Nur während der aktuellen Außenputzarbeiten seien die Fenster zugehängt.

Für die Arbeiten am Außenputz müssen die frisch eingebauten Fenster abgehängt werden. Das ist in Sachen Infektionsschutz der heikelste Zeitpunkt. Davor herrschte nämlich Durchzug und danach können die Fenster gezielt zum Lüften geöffnet werden.
Für die Arbeiten am Außenputz müssen die frisch eingebauten Fenster abgehängt werden. Das ist in Sachen Infektionsschutz der heikelste Zeitpunkt. Davor herrschte nämlich Durchzug und danach können die Fenster gezielt zum Lüften geöffnet werden. | Bild: Lena Reiner

Zusätzliche Vorkehrungen bedeuten zusätzlichen Aufwand

„Sobald dieser Schritt abgeschlossen ist, kann wieder gelüftet werden.“ Bei der Größe der Baustelle lasse sich jedoch recht gut aufteilen, dass die Abstände eingehalten würden und Gewerke nicht zu viele Berührungspunkte hätten. Auch verfüge jedes Unternehmen über einen eigenen Baucontainer, sodass keine Gemeinschaftsräumlichkeiten erforderlich seien. Einen größeren Aufwand als üblich bedeuteten die Maßnahmen allerdings schon, und: „Besprechungen in größerer Runde sind derzeit nicht möglich“, sagt Nachbaur. Allerdings lägen die Arbeiten derzeit dennoch im Zeitplan.

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„Bei manchen Schritten müssen Gewerke einfach Hand in Hand arbeiten“

Was das Arbeiten unter Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen konkret bedeutet, erklärt Dirk Binder, Abteilungsleiter der Firma Elektro Stotz innerhalb der Firmengruppe Burk: „Auf der Baustelle in der Regener Straße haben wir einen eigenen Toilettenwagen zum Schutz unserer Leute. Vom Kunden wurde nämlich wie üblich nur ein gemeinsamer für alle Gewerke gestellt.“ Da gebe es zwar auch Desinfektionsmittel, es sei aber dennoch schwierig, mit einem einzigen Toilettenwagen Abstände und die Einhaltung aller Hygienemaßnahmen zu garantieren.

Dirk Binder vor dem Sitz der Verwaltung von Elektro Stotz in Ravensburg: Auch das Pressegespräch findet draußen statt. Besucher kommen derzeit ebensowenig ins Gebäude wie Monteure, denn: „Wenn die Verwaltungsspitze ausfällt, dann wird auch draußen nicht mehr viel gearbeitet.“
Dirk Binder vor dem Sitz der Verwaltung von Elektro Stotz in Ravensburg: Auch das Pressegespräch findet draußen statt. Besucher kommen derzeit ebensowenig ins Gebäude wie Monteure, denn: „Wenn die Verwaltungsspitze ausfällt, dann wird auch draußen nicht mehr viel gearbeitet.“ | Bild: Lena Reiner

Überhaupt sei die Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmen auf Baustellen eine Herausforderung: „Bei manchen Arbeitsschritten müssen Gewerke einfach Hand in Hand arbeiten, da kann man nicht wohnungsweise nach Gewerk aufteilen, wer wo arbeitet.“

Besprechungen nur im Freien – oder in der Tiefgarage

Für die meisten Arbeiten sei eine solche Trennung jedoch möglich und werde auch eingehalten. Besprechungen fänden grundsätzlich im Freien statt, nur bei Regen in der Tiefgarage: „Da ist aber auch viel Platz und es herrscht Durchzug.“ Bisher sei es auf der Baustelle zu keinem einzigen Corona-Fall gekommen.

Im eigenen Unternehmen habe es bisher lediglich einen gegeben: „Und der verlief harmlos.“ Jedoch sei auch für den schlechtestmöglichen Fall vorgesorgt: Die Monteure betreten derzeit den Hauptsitz in Ravensburg nicht, auch Vertreter dürfen nicht nach drinnen, erläutert Binder: „Wenn die Verwaltungsspitze ausfällt, läuft auch außerhalb nicht mehr viel.“

Hier finden Termine mit Besuchern aus Infektionsschutzgründen nur noch draußen statt. Auf Baustellen ist die Umsetzung der Maßnahmen eine größere Herausforderung als am Verwaltungssitz.
Hier finden Termine mit Besuchern aus Infektionsschutzgründen nur noch draußen statt. Auf Baustellen ist die Umsetzung der Maßnahmen eine größere Herausforderung als am Verwaltungssitz. | Bild: Lena Reiner

Auf den einzelnen Baustellen wird in festen Teams gearbeitet

Außerhalb, also auf den Baustellen, würden außerdem feste Gruppierungen eingehalten. So bleibt etwa der zehnköpfige Trupp, der auf der Baustelle an der Regener Straße im Einsatz ist, unter sich. „Sollte es zu einem Infektionsfall kommen, dann ist maximal der eine Trupp betroffen“, erklärt Binder. So könnte größeren Ausfällen vorgebeugt werden.

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