Mitten im Start ausgebremst: So sah der Beginn der Amtszeit von Sarah Baltes aus. Sie ist seit gut eineinhalb Jahren Leiterin des Kulturbüros. Doch als sie sich in die Vorbereitung von Bodenseefestival und Abosaison einarbeitete, die Theatertage besuchte und die Region kennenlernte, machte die Pandemie sämtliche Planungen zunichte. Sie befasste sich mit dem Verwalten von Absagen und dem Verschieben von Veranstaltungen. Dabei hatte sie viel vor: „Ich habe gesehen, wie viel Programm es in Friedrichshafen gibt, wie viele Spielstätten und auch, dass Kultur in der Stadt als Thema gesehen wird. Da wollte ich etwas gestalten“, sagt sie.

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Sie selbst fand als Dreijährige zur Kultur, als sie ihrer älteren Schwester in den Kinderchor nachlief. „Singen hat mich immer begeistert. Das Gefühl nach einem gemeinsamen Konzert ist etwas ganz Besonderes“, sagt sie. Sie war Mitglied im Kinder-, Jugend-, Schul- und Hochschulchor. In Friedrichshafen sang sie gleich nach ihrem Umzug im Januar bei Beethovens neunter Sinfonie in der Camerata Serena mit.

Die Planungen von Sarah Baltes und Franz Hoben für die Saison 2020/21 machte der zweite Lockdown zunichte. (Archivbild)
Die Planungen von Sarah Baltes und Franz Hoben für die Saison 2020/21 machte der zweite Lockdown zunichte. (Archivbild) | Bild: Corinna Raupach

Schon früh fand sie in Chören, was sie bis heute an Kultur begeistert: Gemeinschaft, Austausch und grenzüberschreitende Begegnungen. „Ich habe im Robert-Schumann-Chor gesungen, mit Sängern aus Belgien, Frankreich und Luxemburg. Wir sind in der ganzen Grenzregion aufgetreten und auch viel gereist“, erzählt sie. Mit 13 Jahren bekam sie den ersten Gesangsunterricht – und nimmt bis heute ab und an eine Stunde. „Das mache ich nur für mich, es tut immer gut – und es fördert Körperhaltung und Atmung.“ Sogar einen Abstecher in den Jazzgesang hat sie sich geleistet.

Um trotz Pandemie Gemeinschaft und Miteinander zu fördern, gab Sarah Baltes als Kulturchefin nicht auf. „Es ist sehr viel Kreativität entstanden im Team. Das, was ging, haben wir gemacht“, fasst sie zusammen. Sie erfanden neue Formate wie „Kratz- und bissfest“ für Kinder, streamten Konzerte, organisierten das Autokino in der Messe und im Sommer waren mit „Kultur am Ufer“ und „Jazz and More“ immerhin zwei Festivals möglich. „Bei den Streaming-Konzerten haben wir immer auf Regionalität geachtet. Es gibt so viele gute Künstler hier, die wollten wir unterstützen“, sagt sie.

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Neue Formate sollen ein neues Publikum ansprechen

In Zukunft soll sich die Kultur in der Stadt weiter öffnen: „Wir wollen Formate finden, die ein neues Publikum ansprechen“, sagt sie. Ein offenes Chorprojekt wäre eine Idee, auch für Leute, die Lust haben zu singen und keine Noten kennen. Die neue Volkshochschul-Reihe mit Einführungen zu Konzerten im GZH soll Hemmschwellen senken.

Sarah Baltes plant, intensiver mit lokalen und regionalen Kunst- und Kulturschaffenden zusammenzuarbeiten – auch im Sinn der Nachhaltigkeit. Sie stellt sich Kultur im öffentlichen Raum vor, Konzert oder Tanz im Charlottenhof während der Marktzeit zum Beispiel. „Da könnten über die Kultur Treffpunkte geschaffen werden.“

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Das Kulturbüro als Anlaufstelle für Vernetzung

Ein Schwerpunkt wird Kinder- und Jugendarbeit sein. „Schulen wollen wir neben Theater auch Konzerte für Kinder und Teenager anbieten“, sagt sie. Erste Ansätze sind Workshops in der Molke sowie Kinderkonzerte mit dem Ensemble Minifaktur und der Fränkel-Stiftung. „Ein Experiment werden Clubkonzerte im Bahnhof Fischbach und in der Molke. Da wird das Ensemble Minifaktur Tanzmusik auf klassischen Instrumenten für Teenager spielen“, sagt sie.

„Die Frage ist doch: Was kann Kultur für die Dynamik und die Identität in der Stadt tun?“
Sarah Baltes, Leiterin des Kulturbüros

Sarah Baltes sieht das Kulturbüro nicht nur als Veranstalter, sondern auch als Anlaufstelle für Vernetzung und als Treiber von Diskussionen. „Die Frage ist doch: Was kann Kultur für die Dynamik und die Identität in der Stadt tun?“ Daher freue sie sich nicht nur über die rege Beteiligung am Kulturentwicklungskonzept der Stadt und dem Runden Tisch der Kulturschaffenden. Ihre Tür stehe auch bei vollem Terminkalender jedem Häfler offen, der Ideen oder Wünsche hat.