Ungewöhnlich früh begannen die Doppelkonzerte, die beim ersten Konzertstrand in Friedrichshafen stattfanden: Um 16.30 Uhr hatte sich am Freitag daher schon eine Schlange vor den Absperrungen in Seenähe vor dem Graf-Zeppelin-Haus gebildet, Masken wurden getragen – zumindest in der Hand – und Handys herausgekramt, um einen Test- oder Impfnachweis am Einlass vorzeigen zu können.

Das Wetter spielte für die Premiere mit: Nach einigen Regenschauern am Mittag kam die Sonne pünktlich hervor, um das Publikum beim Ankommen zu begrüßen. Drinnen gab es gemütliche Sitzgelegenheiten und ein Speisenangebot. So erinnerte die Kulisse zeitweise eher an einen Biergarten.

Der Künstler Maeckes, der die Bühne nach Peter Pux als Zweites bespielte, beschloss daher auch schnell, das Publikum nicht mehr zu bitten, mit den Armen mitzuwippen, denn das sehe irgendwie so aus, als fühle es sich komisch an: „Und ihr sollt euch ja nicht komisch fühlen.“ Dennoch – oder gerade deshalb – kam schnell eine gelöste Stimmung auf; die Pandemie rückte weit in den Hintergrund.

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Peter Pux sang vom Bodensee, der neuen Heimat seiner besten Freunde in Hamburg und spielte auch seine gesellschaftskritischeren Werke, die er einem obdachlosen und einem geflüchteten Menschen gewidmet hatte. „Ich bin kein politischer Musiker“, leitete er ein, um dann an die Würde des Menschen zu erinnern, die unantastbar sei. Er bat sein Publikum darum, dies bei der nahenden Bundestagswahl zu berücksichtigen. So schaffte er einen Spagat zwischen Wohlfühlen und Nachdenklichkeit und hatte dabei viele altbekannte Lieder im Gepäck.

Durch die vertrauten Klänge und die Seenähe kam fast ein bisschen Kulturuferstimmung auf: Hier war Pux, der ursprünglich aus Ravensburg stammt, wiederholt aufgetreten.

Peter Pux greift nicht nur zum Singen zum Mikrofon, er erinnert die Anwesenden auch an die anstehende Bundestagswahl.
Peter Pux greift nicht nur zum Singen zum Mikrofon, er erinnert die Anwesenden auch an die anstehende Bundestagswahl. | Bild: Lena Reiner

Auch Maeckes kam mit seinem Auftritt zurück zu seinen Wurzeln: Wer den Musiker aus seinen Anfangszeiten kennt, zu denen er noch auf kleinen Bühnen in der Region Stuttgart auftrat, wird sich an jene Abende erinnern, an denen er die Bühne mit Gitarre und wenigen Extras betrat. Mit Live-Band waren die aktuellen Stücke eigentlich geplant, die er in Friedrichshafen zum Besten gab. Doch dann sei ihm die Pandemie „dazwischengekommen“, erzählte er. So saß er mit Laptop und Gitarre ganz allein auf der Bühne. Schwierigere Gitarrenmelodien zupfte er nicht selbst, sondern griff alternativ zur Luftgitarre.

Für kompliziertere Gitarrenklänge greift Maeckes zur Luftgitarre.
Für kompliziertere Gitarrenklänge greift Maeckes zur Luftgitarre. | Bild: Lena Reiner

Immer wieder griff er ganz ohne Gitarrenmusik zum Mikrofon, um „runterzukommen“, wie er sagte, rappte er dann einige Zeilen. Da das Publikum sich von den flotteren Stücken schnell zum Tanzen hinreißen ließ, behielt er die musikalische Richtung bei. Genau eine Minute vor 21 Uhr – dem offiziellen Ende des Konzerts im Freien – stimmte er gar zum zweiten Mal seinen Song „Partykirche“ an.

Am Ende performt Maeckes gleich zweimal sein Stück „Partykirche“ und das Publikum tanzt dementsprechend mit; coronakonform mit einigem Abstand.
Am Ende performt Maeckes gleich zweimal sein Stück „Partykirche“ und das Publikum tanzt dementsprechend mit; coronakonform mit einigem Abstand. | Bild: Lena Reiner

Die Biergartenatmosphäre war zu diesem Zeitpunkt komplett vergessen: Stattdessen war das gesamte Publikum auf den Beinen und wippte, hopste und tanzte im Rhythmus. Mit viel Applaus endete ein besonders langer und abwechslungsreicher Konzertabend. Maeckes versprach: „Ich komme wieder, Friedrichshafen!“ Auch für den Konzertstrand könnte dieser stimmungsvolle Auftakt eine Wiederholung nach Corona bedeuten.