Marian Riederle und Leon Beck engagieren sich schon länger für den Klimaschutz: Riederle ist bei „Fridays for Future“ aktiv und lernt Elektriker, um zum Ausbau der Photovoltaik beizutragen. Beck gehört in Markdorf zu den Gründern der Gruppe Klimaplan Markdorf, einer Ortsgruppe der Initiative Germanzero. „Wir verstehen uns als überparteiliche Lobbyorganisation für Klimaschutz. Wir wollen konstruktiv zusammenarbeiten mit allen Akteuren in Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft“, sagt er.

Eine solche Gruppe wollen die beiden auch in Friedrichshafen ins Leben rufen. „Wir wollen möglichst vielen Bürgern die Möglichkeit geben, selbst teilzunehmen an dem Prozess. Die Klimakrise betrifft ja auch alle, zum Beispiel durch steigende Kosten für Versicherungen und die größere Wahrscheinlichkeit von Katastrophen wie im Ahrtal“, sagt Marian Riederle.

Erste Gespräche mit Mitgliedern der Verwaltung

Für die Ortsgruppen sehen die Klimaplan-Gruppen von Germanzero einen Dreischritt vor: Erst müssen Gemeinderat und Verwaltung überzeugt werden, sich mit einem offiziellen Beschluss auf Klimaneutralität bis 2035 festzulegen. „Friedrichshafen hat sich bereits das Ziel gesetzt, dass die städtischen Liegenschaften bis 2050 klimaneutral sein sollen. Wir wollen, dass die ganze Stadt schon 2035 klimaneutral wird“, sagt Riederle. Erste Gespräche mit Mitgliedern der Verwaltung und anderen Umweltgruppen haben sie nach eigenen Angaben schon geführt.

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In der zweiten Phase legt die Stadt ihre Schritte auf diesem Weg fest. Hier stehen die Klimaplangruppen für Beratung und Begleitung bereit. Sie können dabei auf einen Maßnahmenkatalog zurückgreifen, den Germanzero für die lokale Ebene erarbeitet hat. „Da kommt zum Beispiel in Frage eine kommunale Wärmeplanung, Verkehrskonzepte, die Förderung lokaler Landwirte und Förderprogramme, die Betriebe und Privatpersonen bei Ansätzen für Klimaneutralität unterstützen“, erklärt Beck.

Den Überlegungen zugrunde liegen Berechnungen des Umweltbundesamts: Es setzt Wohlfahrtseinbußen durch den Klimawandel für heutige und zukünftige Generationen ins Verhältnis und kommt so auf einen Kostensatz von 698 Euro pro Tonne Kohlendioxid. „Im Grunde bedeutet das, dass wir entweder 700 Euro für die Reparatur der Schäden durch CO2-Emissionen zahlen werden oder jetzt 700 Euro zu ihrer Vermeidung ausgeben können. Die Frage ist also: Vermeide ich heute etwas oder repariere ich später“, erklärt Beck. Der Charme der Methode sei, dass sie Klimaschutz berechenbar und damit planbar mache.

Sofortiges Handeln für den Klimaschutz

In der dritten Phase werden diese Schritte implementiert. Sofortiges Handeln für den Klimaschutz ist nötig und möglich, davon sind beide überzeugt. „Wenn man sich ein Ziel setzt, das zwischen 2030 und 2035 liegt, ist das ein sehr knapp bemessener Zeitraum. Unsere Maßnahmen kann man jetzt schon in die Haushaltspläne einstellen, sodass der Klimaschutz in Politik und Handeln umgesetzt wird“, sagt Beck. Jetzt hoffen sie auf viele Gleichgesinnte. „Jeder ist herzlich willkommen. Auch Menschen, die sich nicht bei Fridays for Future sehen, ist der Klimawandel bewusst“, sagt Riederle.

Die Auftaktveranstaltung für die Friedrichshafenzero-Gruppe findet am Dienstag, 29. November um 18.30 Uhr online statt. Interessierte können sich anmelden unter instagram.com/friedrichshafenzero oder unter https://germanzero.de/events/218