Im Juni vergangenen Jahres hat ein Mann aus Friedrichshafen seine von ihm getrennt lebende Frau in deren Wohnung eingesperrt und den Wohnungsschlüssel mitgenommen. Die Frau konnte mit ihrem Handy die Polizei rufen und nach knapp einer Stunde mit dem Hausschlüssel der Tochter befreit werden. „Bei Freiheitsberaubung hat man immer vor Augen, dass jemand gefesselt in einem Keller liegt“, sagte Richter Max Märkle in der Begründung eines erstaunlich milden Urteils.

Zutritt zur Wohnung verschafft

Er verhängte im Gesamturteil eine Geldstrafe in Höhe von 4800 Euro – denn da war noch mehr. Der Mann ist einer Haftstrafe nicht zuletzt deshalb entkommen, weil die Frau zwei andere Anzeigen zurückgezogen hat. Der Mann hatte sich mit einer Plastikkarte Zutritt in die ehemals gemeinsame Wohnung verschafft, um ein Bild von seiner Frau zu holen und hat bei der Gelegenheit den Schmuck mitgenommen, den er ihr geschenkt hatte. Ein andermal verschaffte er sich Zutritt zum Keller, um einen Koffer und Arbeitshandschuhe zu holen. Inzwischen hat er alles zurückgegeben.

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Er sei durch die Trennung psychisch in einer schlechten Verfassung gewesen, sagt er. Schlimmer als diese wirkte sich aber die langjährige Alkoholabhängigkeit des Angeklagten aus, die auch zur Trennung von seiner Ehefrau geführt hatte. Nach einem Unfall habe er mit dem Alkohol die ständigen Schmerzen betäubt, gab der 54-Jährige an.

Wenige Tage nach der Freiheitsberaubung hat der Mann auf einem Friedrichshafener Supermarktparkplatz alkoholisiert einen Transporter gerammt und Fahrerflucht begangen. Es sei ein Fahrfehler gewesen, sagte der in allen Punkten geständige Mann, er habe nur zwei oder drei Bier gehabt. Als er drei Stunden später Besuch von der Polizei bekam, hatte er allerdings 2,65 Promille Blutalkohol und keine Hemmungen die Beamten übel zu beleidigen.

Einsicht und Reue des Angeklagten

Strafverteidiger Gerd Pokrop konnte das Gericht davon überzeugen, dass „Nachtrunk“ mit dem Mitbewohner zu diesem Ergebnis geführt hat. Die Beiden hätten vor Aufregung eine Flasche Wodka geleert. Einsicht und Reue des Angeklagten, die Tatsache, dass er inzwischen nicht nur die Finger vom Alkohol lässt, sondern freiwillig eine stationäre Therapie so gut wie abgeschlossen hat und, dass er weiter bei seinem Arbeitgeber beschäftigt ist, stimmten das Schöffengericht milde.

Da er in der Vergangenheit bereits mit Alkohol im Straßenverkehr auffällig geworden ist, forderte die Staatsanwaltschaft ein Jahr und zwei Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Richter Märkle berücksichtigte, dass die Vorfälle viele Jahre zurücklagen. Seinen Führerschein, so Richter Märkle, wird er frühestens in vier Monaten und nicht problemlos wiedersehen und die Schulden wachsen durch das Verfahren und den Unfall. Trotzdem ist der Richter zuversichtlich: „Sie sind auf dem besten Weg die Kurve zu bekommen.“