Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, tätlicher Angriffe, versuchter Körperverletzung und Beleidigung in mehreren Fällen hatte sich ein 27-Jähriger aus Friedrichshafen jüngst vor dem Amtsgericht Tettnang zu verantworten. Dabei ging es um zwei Vorfälle im Herbst 2020.

Mann rastet bei Kontrolle und im Polizeirevier aus

Am Bahnhof in Langenargen sollte der Angeklagte im September 2020 einer Polizeikontrolle unterzogen werden. „Er war so aggressiv, dass wir eine Streife anforderten“, berichtete ein Polizeibeamter im Zeugenstand. Beim Versuch, den Mann zum Fahrzeug zu bringen, habe dieser sich gewunden, gewehrt und getreten.

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Ein Beamter habe den Mann ins Auto geschoben, ein anderer versucht, ihn von der anderen Seite aus hineinzuziehen. Dabei habe der Angeklagte einem Polizisten den Daumen verdreht. „Ich hatte Schmerzen, aber nach zwei Tagen war es wieder ok“, erinnerte sich der betroffene Beamte. Nach einer einigermaßen ruhigen Fahrt zum Polizeirevier Friedrichshafen habe sich der Angeklagte erneut massiv gewehrt. Auch von einem versuchten Kopfstoß, der an der Schutzweste des Beamten endete, war im Zeugenstand die Rede.

Angeklagter kann sich an beide Tattage nicht mehr erinnern

Rund einen Monat darauf, am 9. Oktober 2020, war die Polizei zum Bahnhof in Fischbach gerufen worden, da sich der Angeklagte im Bereich der Gleise aufhielt. „Wir wurden massiv beleidigt“, erinnerte sich der dritte Zeuge an jenen Einsatz. An beiden Tagen stand der Angeklagte unter massivem Alkoholeinfluss. Zur Sache äußern konnte er sich während der Gerichtsverhandlung nicht, da er sich an die Tattage nicht mehr erinnere.

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18 Einträge und mehrere Haftstrafen

Richterin Franziska Fischer-Missel verlas den Auszug aus dem Bundeszentralregister mit 18 Einträgen seit 2011. Sie reichen von Diebstahl, Drogendelikten und Fahren ohne Fahrerlaubnis bis zu Körperverletzung. Bereits 2013 war der Angeklagte zum ersten Mal zu neun Monaten Jugendhaft verurteilt worden.

Die beiden Delikte, mit denen Fischer-Missels aktuelles Urteil zusammengefasst wurde und wegen denen der Angeklagte bereits in Haft ist: tätlicher Angriff auf einen Schaffner, welcher anschließend neun Tage arbeitsunfähig war, und aggressives Verhalten mit gezielten Tritten gegen Polizeibeamte nach einer Randale in einem Markdorfer Grillimbiss.

Aus Pflegefamilie in Heim, später obdachlos

„Der Angeklagte war bei einer Pflegefamilie und kam mit 17 ins Heim“, sagte Hans Knoblauch, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. „Dann hat ein sehr unstetes Leben begonnen und er konnte nirgendwo Fuß fassen. Ab 2017 war er obdachlos.“

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Seit 2018 werde zwar erstmals von psychotischem Erleben berichtet, sodass eine paranoide Schizophrenie denkbar sei. „Zum Tatzeitpunkt gibt es aber keine konkreten Anknüpfungspunkte dafür, dass psychotisches Erleben eine Rolle gespielt hat“, fasste der Gutachter zusammen. Auch Hinweise auf mangelnde Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit waren seiner Meinung zum Tatzeitpunkt nicht gegeben.

„Wenig Zweifel, dass es erneut zu Straftaten kommt“

„Es gibt wenig Zweifel, dass es bei dem Angeklagten erneut zu solchen Straftaten kommt“, so Knoblauch. Frage sei, wie man ihm helfen könne. Seiner Meinung nach wäre eine medikamentöse Behandlung im Krankenhaus einer Justizvollzugsanstalt das Beste für den 27-Jährigen.

Richterin Fischer-Missel folgte in ihrem Urteil der Forderung der Staatsanwaltschaft, die sich für eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten ausgesprochen hatte. „Wegen der vielen Vorstrafen war kein milderes Urteil möglich“, begründete Fischer-Missel. Die Kosten des Verfahrens hat der Angeklagte zu tragen.