Kaum jemand war während der Corona-Pandemie so in seinem Hobby eingeschränkt wie Chorsänger. Große Zwangspausen lagen zwischen wenigen Wochen, in denen in Präsenz geprobt werden konnte. Online-Proben waren für manche Chöre zwar besser als gar keine Probe, aber jetzt sind alle froh, dass sie sich wieder live treffen und gemeinsam singen können. Seit Ende Februar darf nun auch wieder ohne Maske gesungen werden. Vertreter des Philharmonischen Chors Friedrichshafen, des Jungen Chors St. Columban, des Chors Mundwerk aus Ailingen und des Gospelchors Immenstaad Voices berichten von ihren Erfahrungen und Plänen.

Singen mit Maske besser als gar nicht

Mit Beginn der Proben nach den Weihnachtsferien hat beim Philharmonischen Chor Friedrichshafen etwa die Hälfte der Sänger pausiert. „Wenige hatten Angst vor einer Infektion. Manche konnten sich aber nicht vorstellen, mit Maske zu singen“, berichtet die Vorsitzende Andrea Wesener. Viele hätten jedoch festgestellt, dass es besser sei, als überhaupt nicht zu singen.

Probe des Philharmonischen Chors Friedrichshafen im Graf-Zeppelin-Haus: Das Tragen einer Maske ist nicht mehr vorgeschrieben, manche ...
Probe des Philharmonischen Chors Friedrichshafen im Graf-Zeppelin-Haus: Das Tragen einer Maske ist nicht mehr vorgeschrieben, manche Sängerinnen fühlen sich mit ihr aber nach wie vor sicherer. | Bild: Claudia Wörner

Wichtig während der langen Zwangspausen sei gewesen, in Kontakt zu bleiben, sei es über E-Mails, mit Aufnahmen vergangener Konzerte, über eine Probe im Freien oder telefonisch. „Nur so konnten wir dem auch altersbedingten Mitgliederschwund begegnen“, sagt Wesener.

Gastsänger bei Operngala willkommen

Planen ließen sich Konzerte nur mit sehr viel Hoffnung und Engagement. Nicht zu unterschätzen sei das finanzielle Risiko. Am 8. Mai steht ein mehrmals verschobenes Konzert in der Kirche St. Magnus in Fischbach auf dem Plan. Für November hat der Philharmonische Chor eine Operngala im Graf-Zeppelin-Haus im Blick, bei der Gastsänger willkommen sind. „Vielleicht gefällt es ihnen ja so gut bei uns, dass sie bleiben“, hofft die Vorsitzende. Aktuell überwiege die Freude darüber, dass der Chor wieder durchstarten konnte. „Das Singen ohne Maske ist jetzt das Sahnehäubchen.“

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Spezielle Software ermöglicht Online-Proben

Ohne Pause setzte der Junge Chor St. Columban aus Friedrichshafen während der Corona-Pandemie seine Proben fort. Die Software Jamulus ermöglichte das Online-Singen mit dem großen Vorteil, sich gegenseitig zu hören. „Auch jetzt probt ein Teil des Chores noch von zu Hause aus mit“, sagt Marita Hasenmüller, die den Chor leitet. Die Technik sei zwar eine ziemliche Herausforderung, aber dank der Unterstützung aus dem Chor zu meistern. Insgesamt 23 neue Sänger zählt Hasenmüller in ihren sechs verschiedenen Chören. „Das hat mich sehr verblüfft, aber es hatte sich wohl herumgesprochen, dass wir proben.“

Es gibt noch keine Planungssicherheit

Nach wie vor gebe es jedoch keine Planungssicherheit. An Ostern steht die Bruckner-Messe in kleinerer Besetzung auf dem Programm, zu Pfingsten die „Misa Criolla“. Hasenmüller sagt: „Wir hangeln uns von einem Hochfest zum anderen.“ Noch immer fahre man quasi mit angezogener Handbremse. „Leider mussten wir schon vieles absagen.“ Im Proberaum in der „Arche“ von St. Columban dürfen bis zu 35 Leute mit Abstand singen. Der Rest schalte sich nach wie vor online dazu.

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Zusammenhalt des Chors ist eine Aufgabe

Für sie als Vorsitzende sei es eine Aufgabe gewesen, alles zu stemmen, sagt Anita Imgrund vom Chor Mundwerk aus Ailingen. Neben dem Zusammenhalt des Chors gab es auch noch einen Nachfolger für Dirigentin Adriana Lang zu finden. Mit Bernhard Graf ist das gelungen. Am 2. März traf sich der Chor zur ersten Probe in Präsenz in diesem Jahr.

Erste Probe in Präsenz in diesem Jahr: Für den Chor Mundwerk aus Ailingen war das Singen mit Maske keine Option.
Erste Probe in Präsenz in diesem Jahr: Für den Chor Mundwerk aus Ailingen war das Singen mit Maske keine Option. | Bild: Claudia Wörner

Man habe zwar auch online geprobt. „Auch wenn nicht alle mitgemacht haben, war es ein Angebot“, so Imgrund. Das Singen mit Maske sei für Mundwerk kein Thema gewesen. Die Zahl der Sänger halte sich seit Pandemiebeginn die Waage. Manche würden pausieren, es seien aber auch neue Mitglieder dazugekommen.

Zum Singen gehört die Gemeinschaft

Das Planen von Aufführungen hält Imgrund für ganz wichtig. „Wir müssen im Chor ein Ziel haben“, erklärt sie. „Das trägt zur Motivation und zur Freude bei.“ Ende November soll es ein Konzert im Graf-Zeppelin-Haus geben. „Es ist schön, die Leute nach so langer Zeit wieder zu sehen“, stellt Henriette Müller bei der ersten Probe im Berger Dorfgemeinschaftshaus fest. Zum Singen gehöre die Gemeinschaft einfach dazu.

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Gospelchor brennt auf Beginn der Proben

Beim Gospelchor Immenstaad Voices habe sich während der Pandemie niemand abgemeldet, informiert dessen Vorsitzende Lydia Remmels. „Es gibt schon wieder zwei Interessenten, die ebenso wie wir auf den Beginn der Proben brennen.“ Auf Proben mit Masken habe der Gospelchor verzichtet. „Sie erschweren doch erheblich das schnelle und tiefe Luftholen“, sagt Remmels. Über die ganze Pandemie-Zeit sei der Vorstand in ständigem Kontakt zu den Chormitgliedern geblieben. „Die Transparenz und das Miteinander sind uns wichtig und die Gemeinschaft liegt uns sehr am Herzen“, betont Remmels.

Erinnerung an einen schönen Ausflug vor Pandemiebeginn: Beim Gospelchor Immenstaad Voices wird neben dem Singen auch die Gemeinschaft ...
Erinnerung an einen schönen Ausflug vor Pandemiebeginn: Beim Gospelchor Immenstaad Voices wird neben dem Singen auch die Gemeinschaft groß geschrieben. | Bild: Immenstaad Voices

Aktuell stünden die Sänger der Immenstaad Voices in den Startlöchern. „Wir können es kaum erwarten, endlich wieder zu singen“, sagt Remmels. Als Nächstes steht im Mai die Begleitung der Konfirmation auf dem Programm. Vorfreude gibt es schon jetzt auf die Feier des 25-jährigen Bestehens im kommenden Jahr.