Bunte, leuchtende Laternen, gemeinsames Liedersingen, vielleicht sogar ein Reiter hoch auf dem Pferd, ein kleines Schauspiel – und anschließend wärmenden Punsch und süße Martinsgänse aus Hefeteig. So oder so ähnlich wurde das Martinsfest am 11. November bis zur Corona-Pandemie in vielen Häfler Kindergärten und Schulen mit hunderten Kindern, Eltern und Geschwistern gefeiert. Nachdem die öffentlichen Feste und Umzüge vergangenen Herbst nahezu komplett ausgefallen sind, dürfen sich Kinder und Familien in diesem Jahr wieder auf Veranstaltungen freuen, wenn sie auch aufgrund der Hygieneregeln nicht in gewohnter Form stattfinden werden.

St. Martin

In Fischbach haben sich der Kindergarten- und Familienausschuss der katholischen Kirchengemeinde St. Magnus mit Pfarrer Michael Benner sowie der dazugehörige Kindergarten St. Christophorus mit Kindergartenleiterin Brigitte Saupp etwas ganz Besonderes ausgedacht. Dort findet am 10. November ein Stationenweg für Familien mit verschiedenen Lichterstationen am See statt. Zwischen 17 und 19 Uhr können die Fischbacher Familien – jeweils innerhalb ihres eigenen Hausstands – vom Freibad-Parkplatz weiter in Richtung Fildenplatz laufen. Anschließend treffen sich alle auf dem Fildenplatz, um – unter Einhaltung der Abstandsregeln – mit Pfarrer Benner zu singen.

Brigitte Saupp leitet seit 1. Januar den Kindergarten St. Christophorus in Fischbach. Hier steht sie vor einem Erzählkreis über den heiligen St. Martin, den die Kinder in der Gruppe gestaltet haben.
Brigitte Saupp leitet seit 1. Januar den Kindergarten St. Christophorus in Fischbach. Hier steht sie vor einem Erzählkreis über den heiligen St. Martin, den die Kinder in der Gruppe gestaltet haben. | Bild: Sabine Wienrich

„Am Martinstag selbst feiern wir dann mit den Kindern alleine abends im Kindergarten“, erklärt Kindergartenleiterin Brigitte Saupp. Dort gibt es einen kleinen Laternenumzug, einen Laternentanz und die Vorschulkinder führen das Martinsspiel auf. „Die Kinder haben in dieser Pandemie am allermeisten zurückgesteckt, jetzt sind sie endlich an der Reihe“, sagt Saupp.

Ähnlich planen es auch die Kindergärten St. Antonius, St. Maria und Dorfwiesen in Waggershausen und Jettenhausen. Dort lädt die Kirchengemeinde St. Maria die Familien rund um den Martinstag an verschiedenen Terminen zu einem Stationenweg ein – mit anschließendem Singen im Garten von St. Maria. „An St. Martin spielen und feiern wir dann ein Fest mit den Kindern in der Gruppe im Kindergarten“, berichtet Sybille Kraus, die den Kindergarten St. Antonius leitet. Andere Kindergärten wiederum feiern ausschließlich innerhalb der Gruppen, so beispielsweise der Kindergarten Raderach oder das Kinderhaus Riedlepark.

In anderen Kitas gibt es Laternenfeste

Doch auch in den städtischen und evangelischen Kitas gibt es St.-Martins-Feste, die dann meistens Laternenfest oder Lichterfeste genannt werden. So feiert zum Beispiel die Kinderkrippe Lummerland mit einem kleinen Martinsumzug mit Kindern und Eltern. Dabei werden die Gruppen geteilt, sodass nicht zu viele Menschen miteinander in Kontakt kommen. Im Kindergarten St. Katharina feiern die Kinder am Vormittag – für die Familien gibt es eine kleine Tasche „St. Martin to go“. Im Kinderhaus Wiggenhausen gibt es an separaten Tagen ein eigenes Laternenfest auf dem Außengelände des Kindergartens mit Eltern und Geschwistern. Ähnlich läuft es auch in der Kita Klinikum ab.

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Den Kindern ein schönes Fest bereiten – ohne dabei die pandemische Lage zu verschärfen – das ist es, was alle Häfler Einrichtungen wollen. „Uns war es schon ein besonderes Anliegen, den Martinstag zu feiern, denn das ist eines der schönsten Feste im Jahr der katholischen Kindergärten“, erklärt Kirchenpflegerin Ulrike Weiß. Gleichzeitig gebe es von der Diözese Rottenburg-Stuttgart, angelehnt an die Corona-Verordnung, auch klare Regeln für St. Martin, die verbindlich für die katholischen Kindergärten seien.

So rät die Diözese von öffentlichen Feiern innerhalb der Einrichtung ab – und empfiehlt nicht-öffentlich in den jeweiligen Kindergartengruppen zu feiern. Grundsätzlich sei ein öffentlicher St.-Martins-Umzug, zu dem die Kirchengemeinde einlädt, laut Corona-Verordnung möglich, heißt es in dem Papier. Allerdings gelte ein St.-Martins-Umzug als Prozession – und damit sind Mindestabstände von 1,5 Metern und teilweise auch Masken notwendig.

Große Umzüge fallen auch in diesem Jahr aus

Das wiederum bedeutet für manche Einrichtungen einen so großen Aufwand, dass sie den Umzug abgesagt haben. So beispielsweise in Kluftern, wo traditionell Schule und Kindergarten abwechselnd einen Gottesdienst vorbereiten und gemeinsam einen großen Umzug mit Schauspiel und Feuer veranstalten.

Beim großen Martinsumzug durch Kluftern gab es in früheren Jahren (das Bild stammt von 2017) sogar einen reitenden St. Martin auf dem Pferd. Ob das 2022 wieder möglich ist?
Beim großen Martinsumzug durch Kluftern gab es in früheren Jahren (das Bild stammt von 2017) sogar einen reitenden St. Martin auf dem Pferd. Ob das 2022 wieder möglich ist? | Bild: Claudia Wörner

„Uns war das Risiko bei einer solchen Veranstaltung mit Verköstigung zu groß, die Verantwortung wollen wir einfach nicht übernehmen“, erklärt Schulleiter Tilo Weisner. Deshalb feiern die Klufterner Schul- und Kindergartenkinder in diesem Jahr erneut in ihrer „Kohorte“ – also Gruppe – ohne Geschwister und Eltern. „Unsere Priorität sind offene Schulen und Kitas und 2022 sieht es sicher anders aus“, so der Schulleiter.

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