Der Fall einer Schlägerei in und vor einem Abendlokal in Friedrichshafen ist bereits abgeschlossen gewesen, als ein anderes Gerichtsverfahren neue Erkenntnisse für diesen Fall brachte. Eine Zeugenaussage belastete jenen jungen Mann, der sich derzeit zusammen mit seinem Bruder wegen einer anderen Schlägerei in und vor einer Diskothek im Fallenbrunnen in Friedrichshafen verantworten muss. Demselben jungen Mann wird zudem vorgeworfen, bei einem weiteren Vorfall am Hafen nach einem Fausthieb vor der Polizei geflüchtet zu sein. In der Anklage heißt es, der Mann habe sich der Personenkontrolle entziehen wollen, sei betrunken gewesen und aggressiv geworden, als die Polizei ihm Handschellen anlegen wollte.

Körperverletzung, gefährliche Körperverletzung und Widerstand gegen Polizeibeamte

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten daher Körperverletzung in drei Fällen und Widerstand gegen Polizeibeamte vor, seinem Bruder gefährliche Körperverletzung vorgeworfen, weil dieser mit einem Stock zugeschlagen haben soll. Bislang wurden 14 Zeugen vernommen.

Schlägereien aus nichtigem Anlass

Alle Auseinandersetzungen trugen sich 2018 zu. Die Schlägereien hatten je einen geringen Anlass, die Beteiligten seien zum Teil erheblich alkoholisiert gewesen. Es gab ausgeschlagene Zähne und Gesichtsfrakturen, Prellungen durch Schläge und Tritte, Schürfwunden, Schnittverletzungen durch Glas und eine Platzwunde am Kopf. Drei Menschen mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Die Angeklagten blieben unverletzt

Die Angeklagten blieben unverletzt. Zugeschlagen wurde mit Fäusten, abgebrochenen Besenstielen, einer Flasche und einem Stock. Wer wann wen geschlagen hat, soll der Prozess klären.

Androhung von Ordnungsgeld schreckt Zeugen nicht

Ein Zeuge hatte bei der Polizei Aussagen gemacht, die er am Tag darauf widerrief. Ein Zeuge erschien nicht vor Gericht. Eine Zeugin wollte nicht aussagen, nicht einmal, wer in der Tatnacht ihr Begleiter gewesen war, obwohl für diese Art Aussageverweigerung ein Ordnungsgeld fällig wird. Die Frau war für den Richter keine Unbekannte, da gegen sie bereits im ersten Prozess ein Ermittlungsverfahren wegen Falschaussage geführt wurde. Auf den Hinweis des Richters, „das müssen Sie aber sagen“, meinte die Zeugin: „Sagt wer?“ Auch ein weiterer Zeuge wollte den Namen seiner Ex-Freundin und seines Freundes nicht nennen und riskierte damit ein Ordnungsgeld, denn ein vollumfängliches Zeugenverweigerungsrecht haben nur die Zeugen, gegen die selbst ein Verfahren anhängig ist.

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Zeugen berufen sich immer wieder auf Erinnerungslücken

Die meisten Zeugen hatten erhebliche Erinnerungslücken, weshalb der Richter immer wieder auf die Vernehmungsprotokolle der Polizei zurückgreifen musste. Nur ein Zeuge sagte vor Gericht, er habe sein Taschenmesser ausgepackt, um damit seine Gegner auf Abstand zu halten.

Angeklagte beantworten ausschließlich Fragen zur Person

Die Angeklagten hüllten sich an allen bisherigen Verhandlungstagen konsequent in Schweigen und ließen ihren Strafverteidigern den Vortritt. Sie beantworten lediglich Fragen zur Person. In diesem Zusammenhang erklärte der Hauptbeschuldigte, er habe früher einmal in den Boxsport „reingeschnuppert“.

Der Prozess im Amtsgericht Tettnang wird am Montag, 6. Juli um 14.30 Uhr fortgesetzt.