Als Hornist Ferdinand Fremerey das Klavierquintett von Zdenek Fibich zum ersten Mal hörte, war er völlig begeistert. „Das ist fantastische Musik, hochromantisch, es hat viel Tiefe und wird nie langweilig, wie ein tschechischer Brahms. Ich wundere mich, dass es nicht viel bekannter ist“, sagt er. Er schlug das Stück dem Tettnanger Pianisten Jürgen Jakob für die Lange Nacht der Kammermusik vor und der stimmte sofort zu: „Das ist eine sehr interessante Besetzung mit zwei Bläsern, zwei Streichern und Klavier.“

Ein weiterer Vorschlag kam von Saxofonist Frank Schüssler: drei Songs von George Gershwin in einer Bearbeitung für Saxofonquartett. „Gershwin war wohl mit einer der ersten Komponisten, der Idiome der Symphonik und des Jazz kombinierte. Das Saxofon ist da bei den meisten musikinteressierten Menschen gedanklich nicht allzu weit weg“, sagt Schüssler. Sein „Lago Quartett“ wird zudem mit Jürgen Jakob am Klavier Variationen von Gershwins „I got rhythm“ spielen. „Das Quartett übernimmt in dieser kammermusikalischen Fassung den Orchesterpart und fügt sich aufgrund der Nähe zum Jazz wunderbar ein“, sagt er.

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Aus diesem Musikerwünschen entwickelte Jürgen Jakob eine Programmidee für den Abend: „Es wird eine Reise von Böhmen im 19. Jahrhundert zu George Gershwin – sozusagen von der damals alten in die neue Welt“, sagt Jakob. Im Zentrum steht ein Satz von Dvoráks „Sinfonie aus der neuen Welt“, die Jakob für die beteiligten Musiker passend arrangiert hat.

Der Tettnanger Pianist Jürgen Jakob organisiert die Lange Nacht der Kammermusik.
Der Tettnanger Pianist Jürgen Jakob organisiert die Lange Nacht der Kammermusik. | Bild: Corinna Raupach

Dabei sind unbekannte Werke bekannter Komponisten. Mit der Geigerin Anna Mishkutenok und dem Cellisten Frank Westphal spielt Jakob ein Klaviertrio von Bedrich Smetana. „Dieses Trio hat er für seine gestorbene kleine Tochter geschrieben. Das ist ein sehr dramatisches Werk, man kann hören, dass da emotional viel passiert“, sagt Anna Mishkutenok. Frank Westphal ergänzt: „Es hat starke Brüche und starke Kontraste. Für ein Klaviertrio ist es ein lautes Stück, aber es gibt auch ganz sanfte, idyllische Rückblicke.“

Außerdem stehen Lieder von Antonín Dvorák für Gesangsensemble und für Sopran auf dem Programm sowie eine Sonate für Flöte, Violine und Klavier von Bohuslav Martinu. Den Abschluss machen Gershwins „Rhapsody in Blue“ für zwei und „An American in Paris“ für drei Klaviere.

Die beteiligten Musiker sind in der Region an Musikschulen beschäftigt und haben auch sonst viel zu tun. Jürgen Jakob etwa leitet drei Chöre, Ferdinand Fremerey dirigiert die Musikkappelle Haslach und engagiert sich für das Schulprojekt Education, Anna Mishkutenok hat Ü-Classic gegründet und Frank Westphal ist Mitglied des Symphonieorchesters Vorarlberg. Dass sie auch noch bei der Langen Nacht mitspielen, ist ihrer Liebe zur Kammermusik geschuldet.

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Spenden gehen an Kinderhospizdienst Amalie

„Kammermusik ist immer etwas Besonderes, das muss man mit Seele machen“, sagt Anna Mishkutenok. Frank Westphal ergänzt: „Es ist ein tolles Team und wir machen etwas von dem, was wir am allerliebsten machen.“ Frank Schüssler fasst zusammen: „Es ist eine außergewöhnliche Konzertinitiative, bestückt mit Musikern aus der Region. Abwechslungsreich besetzt und last, but not least zugunsten eines sehr guten Zwecks.“ Die Musiker verdienen bei der Langen Nacht nichts, der Erlös aus Spenden kommt dem ambulanten Kinderhospizdienst Amalie zugute.